Allgemeine Berichte | 18.07.2014

Youtube sperrt Musikvideo der jungen Band Ezetara aus dem Landkreis Mayen-Koblenz

Mit Epo-Rock gegen alle Widerstände

Die Blick-Aktuell-Redaktion führte ein Interview mit Ezetera-Frontman Florian Hillen und Produzent Alexander Eberz. Foto: wamfo.de

Mit dem Video zu ihrem Song „1 Milliarde“ hatte die Epo-Rockband Ezetara aus dem Landkreis Mayen-Koblenz bei Youtube mehr als 4.000 Klicks erreicht. In dem Lied prangern sie Massentierhaltung, Fast Food und westliches Konsumverhalten an. Ende Juni dann der Schock: Das Video wurde wegen angeblicher Klick-Manipulationen gesperrt.

Namedy. Es ist 10 Uhr morgens im Soundstudio in Namedy. Frontmann Flo von Ezetara sitzt lässig in Schlabberhosen und Kappe im Sessel und schlürft Kaffee aus seinem Becher. Gelassen und selbstbewusst wirkt er, ein bisschen neugierig auf die Fragen. Er hat noch Großes mit seiner Band vor. Das merkt man. Doch spricht man ihn auf das gesperrte Youtubevideo an, wird er mürrisch. „Wir mussten mit der ganzen Promotion von vorne anfangen. Die ganzen Links, die ich verschickt hatte, waren ja alle falsch. Ich dachte: Toll. So viel Arbeit für nichts. 4000 Plays waren für uns nicht selbstverständlich. Wir hatten uns wahnsinnig gefreut. Es war wie ein Schlag ins Gesicht.“ Nachvollziehen kann Flo die Sperrung nicht. „Die offizielle Begründung von Youtube war, dass wir Klickzahlen gefälscht hätten“, erklärt er enttäuscht, „aber erstens wusste ich gar nicht, dass das überhaupt geht und zweitens bin ich der Einzige mit einem Zugang. Und „Ich“ saß gerade in Spanien am Strand! Da hatte ich keine Zeit um Klicks zu fälschen.“ Auch weil Klick-Manipulationen in so geringem Ausmaß unüblich sind, schließt Flo sogar eine Manipulation von anderer Stelle nicht aus. „Das Thema ist halt brisant und hat sich wahnsinnig schnell verbreitet. Deswegen fand ich die Begründung absolut unzureichend und ich glaube auch nicht, dass es daran lag.“

Ein Video. Ein Song. Eine Produktion.

Was ist das für ein Video, das die Gemüter so erhitzt? Vor einer Waldkulisse rappt Frontmann Floh im Wechsel mit Sängerin Rebecca Ragusa zu den rockigen Tönen seiner Bandkollegen. Eine passende Stimme für die Gesangsparts zu finden, gestaltete sich schwierig. Produzent Alexander Eberz (Sonic Productions): „Der Song war schon ursprünglich für eine Frauenstimme gedacht. Flo hatte eine Frau im Kopf, als er den Text geschrieben hat und ich habe die Melodie auch für eine Frauenstimme komponiert und programmiert.“ Am Ende wurde eine Sängerin bei Facebook gecastet und mit Rebecca Ragusa genau die passende Stimme gefunden. Das professionell wirkende Video wurde in Bendorf von Fotograf Damian Kluska (Damienk Photography Fotostudio) und Martin Mohaupt (Eifel TV) produziert. Nicht nur das visuelle Ergebnis kann sich sehen lassen.

Ein Song bewegt

Im Song „1 Milliarde“ rappt Ezetara-Frontmann Floh eindringliche Konsumkritik. Der Text handelt von unbarmherziger Massentierhaltung, von Fastfoodfleisch und von Konsumenten ohne bewussten Bezug zu dem Billigfleisch auf ihren Tellern. „1 Milliarde“ Menschen, so der Text, leben in Hunger, weil Landwirtschaftsflächen in der Dritten Welt nicht für Getreideanbau, sondern als Weideland für Schlachtvieh genutzt werden. Das Thema war für Vegetarier Floh eine Herzensangelegenheit. „Für mich war es eine persönliche Entscheidung. Ich konnte die Massentierhaltung nicht mehr akzeptieren, also habe ich mich davon verabschiedet. Es ist aber nur eine Ernährungsweise. Ich muss nicht ständig darüber nachdenken.“ Die Unterstützung seiner Bandkollegen hat ihn sehr gefreut. „Ich bin der einzige Vegetarier in der Band. Der Rest der Band hat gesagt: Wir unterstützen dich definitiv dabei.“ Inhaltlich unterscheidet sich die Kritik kaum von der in nachmittäglichen Ernährungsmagazinen. Doch der Ton ist drastisch. Im Video sind Bilder von eingepferchten Tieren. Im Text ist von Körpern die Rede, die an den Hufen aufgehangen über den blutigen Boden geschleift werden. Dass Einige sich davon abgeschreckt fühlen, kann Floh verstehen. Übertrieben habe er aber dennoch nicht. „Na wenn die Realität so ist? Massentierhaltung gibt es leider und ich bin keiner, der gerne ein Blatt vor den Mund nimmt“, sagt er. „Im Übrigen sind die Bilder im Video gar nicht so schockierend. Wir hatten noch krassere zur Auswahl.“ Als radikalen Fleischgegner sieht Floh sich dennoch nicht. „Ich bin nicht radikal. Ich würde nie in der Fußgängerzone mit Kunstblut werfen. Das ist schwachsinnig. Für die Öko-Aktivisten sind die anderen die bösen. So entzieht man jegliche Gesprächsgrundlage. Bei Grillfesten mache ich oft selbst Witze und sage, dass ich Möhrchen futtern gehe.“

Ezetara: Erfolg im sozialen Netz

Mit dem kontroversen Thema traf Ezetara den Zahn der Zeit. 4.000 Klicks auf Youtube in nur wenigen Tagen. Zahllose Kommentare und Nachrichten bei Facebook. Das Feedback bedeutet der Band sehr viel. „Ich habe mir jeden einzelnen Kommentar durchgelesen. Als das Video rausgekommen ist und von allen Seiten Lob kam, war ich vier Tage lang wie im Rausch.“ Neben überwiegend positiver Rückmeldung erreichte die Band jedoch auch „Hater-Kommentare“ mit beleidigendem Inhalt. Wie reagiert die Band auf unsachliche Kritik? „Wenn es nur Kritik wäre“, schimpft Floh. „Mit fairer Kritik kann ich umgehen. Die lese ich mir durch und setze mich damit auseinander. Aber was wir bekommen haben, sind teilweise nur noch Beschimpfungen. Die löschen wir einfach und denken nicht mehr dran. Wozu soll ich meine Lebenszeit verschwenden, um mich mit Leuten auseinanderzusetzen, die ich eh nie erreichen oder überzeugen werde.“ Was waren die schlimmsten Beleidigungen? Floh wiegelt ab. „Das dürft Ihr eh nicht drucken.“

Ezetara auf der Überholspur

Eine reine Vegetarismus-Band ist Ezetara nicht. Ihr Songrepertoir geht von elektronischen Clubhymnen, über rockige Livetracks bis hin zu lustigen Parodien. „Ich frage mich schon, ob die Fans von 1 Milliarde mit den anderen Songs unserer EP etwas anfangen können.“ Epo-Rock (elektronischer Pop-Rock) heißt der neuartige Sound, mit dem Ezetara seit Ende letzten Jahres die Region unsicher machen. Sie verbinden Rock, Pop, HipHop und Elektro-Elemente. Das Potpourri der Stile kam nicht zufällig zu Stande. „Unser Schlagzeuger kommt aus einer Coverband. Unser Gitarrist kommt aus einer Metalband. Ich komme aus dem Hiphop. Das war eine coole Mischung. Es hat aber eine ganze Weile gedauert, bis wir den gemeinsamen Sound hatten.“ Als die Band mit diesem einzigartigen Sound auf Produzent Alexander Eberz zukam, war er hellauf begeistert. Sein kleines Independant-Label nahm die Band in den familiären Kreis seiner Musiker auf. Und er begann auch sich selbst musikalisch einzubringen. „Am Anfang war es eine normale Anfrage. Als dann klar wurde, dass es in die Elektrorichtung geht, kam die Frage, ob ich dafür die Beats machen würde.“ Was dabei herausgekommen ist, hat Potential sowohl live als auch auf CD oder in den Clubs das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Schlagzeug, Bass und klangvolle Gitarrenriffs. Fantastische Beats. Und ein erfahrener Frontman Floh, der stark gereimte lyrics präzise im Takt rappt. Dazu ein Gefühl für wichtige Songthemen und ein Schuss Selbstironie, um sich selbst nie so ganz ernst zu nehmen. Ezetaras Konzept geht auf.

CDs zu gewinnen

Durch das Video zu „1 Milliarde“ sind die Jungs bekannter geworden und haben viele Buchungsanfragen. Am 15. August spielen sie gemeinsam mit dem Rapper Demar (ebenfalls Sonic Productions) im Jugendzentrum in Andernach. Zu diesem Anlass verlost Blick-aktuell CDs von Demar und Ezetara. E-Mail mit Stichwort „Ezetara“ oder „Demar“ an reeh@kruppverlag.de. Die CDs werden unter den Einsendungen verlost. Einsendeschluss ist der 29. Juli.

Die Blick-Aktuell-Redaktion führte ein Interview mit Ezetera-Frontman Florian Hillen und Produzent Alexander Eberz. Foto: wamfo.de

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