Politik | 25.02.2013, 15:21 Uhr

Pferdekuss aus der Dose

Fleischskandal um falsch ausgezeichnete Lebensmittel zieht sich durch ganz Europa

Verbraucher sind verunsichert: Was steckt in meinen Lebensmitteln?BirgitH/pixelio.de
104

Brüssel. Rindergulasch, Ravioli und Spaghetti Bolognese - wer sich da auf ein schnelles Häppchen freute, dem könnte der Appetit mittlerweile gründlich vergangen sein. Denn in einigen dieser Fertig-Gerichte wurde nachgewiesen, was nicht drauf stand: Pferdefleisch.

Nun ist Pferdefleisch aber nicht unbedingt das Schlechteste, was man in den Magen bekommen kann und nachgewiesenermaßen gehört es zu den ältesten Nahrungsmitteln der Menschheit. Vielen gilt es noch heute als Delikatesse und in Deutschland wird Pferdefleisch in rund 100 Rossschlachtereien angeboten. Und wer schon einmal original Rheinischen Sauerbraten auf der Speisekarte stehen hatte, der kennt die Vorzüge dieses fettarmen, leicht säuerlichen und dunkelroten Fleisches gut.Gegessen wird es weltweit, aber in ganz unterschiedlichen Anteilen. Die jüdischen Speisegesetze verbieten den Verzehr von Pferdefleisch gänzlich, im Islam ist es dagegen zwar nicht verboten, wird aber dennoch weitgehend gemieden. In Ländern wie Frankreich, Belgien, Kanada, USA oder der Schweiz ist der Genuss von Pferdefleisch gängiger als beispielsweise in Portugal oder eben bei uns. Europaweit liegt Italien mit einem jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von 900 Gramm vorne. Deutschland hat dagegen mit 50 Gramm jährlich den geringsten Konsum.

Umstrittenes Nahrungsmittel

Pferdefleisch war immer wieder und ist es noch heute: ein kontroverses Lebensmittel. Im Mittelalter lag es unter dem päpstlichen Bann, dann war es als „Arme-Leute-Essen“ verschrien und heute sind es vor allem emotionale Vorbehalte, die viele Menschen davon abhalten, zu Pferdefleisch zu greifen.

Einen Aufschwung bekam das Fleisch des hohen Vierbeiners durch die BSE-Krise und Ernährungsexperten heben seine diätetischen Vorzüge hervor. Für Kritiker dürfte auch interessant sein, das sogar Pferdeschützer darauf hinweisen, dass das Einschläfern alter oder verletzter Pferde schmerzhafter für das Tier sein kann, als eine Schlachtung.

Unumstritten problematisch wird es, wenn Pferde - wie andere Tiere auch, die als Nahrungsmittel dienen - Medikamente verabreicht bekommen, die nicht für den Verzehr geeignet sind. Um dies zu vermeiden, hat die EU den so genannten Equidenpass eingeführt, ein Dokument, das unter anderem bei jedem Transport und bei der Schlachtung lückenlose Auskunft über alle erfolgten medizinischen Behandlungen des Tieres gibt. Dadurch soll mehr Transparenz für den Verbraucher und eine leichtere Kontrolle bei eventuellen Tierseuchen gewährleistet werden. Und eine Schlachtung von Pferden, die diesen Equidenpass nicht führen, ist in Deutschland schlichtweg verboten.

Transport-Odyssee

Ist die Transport-Odyssee von Fleisch durch halb Europa schon unappetitlich genug, weil es bei vielen von uns Erinnerungen an den Gammelfleisch-Skandal wachrief, so setze die Tatsache, dass es sich um Pferdefleisch handelte, dass aber als Rind an den Mann gebracht werden sollte, noch einen drauf. Den traurigen Höhepunkt aber erreichte diese vorsätzliche Verbrauchertäuschung, als klar wurde, dass die Pferdefleisch-Funde in Rindfleischprodukten der Kühltheken unserer Supermärkte eine ganz konkrete Gesundheitsgefährdung für uns bereithalten, da eine eventuelle medikamentöse Behandlung der Tiere aufgrund nicht oder nicht mehr vorhandener Equidenpässe nicht nachvollzogen werden kann.Ob dieser Lebensmittelkrimi nun zu Ende ist und die Verbraucher wieder bedenkenlos zu Rindfleisch-Produkten greifen können, wagt zurzeit niemand sicher zu beantworten. Derzeit laufen die Untersuchungen noch auf Hochtouren.

EMB

Die emotionale Bindung des Menschen zum Tier macht das Pferd als Fleischlieferant problematisch. Elisa Al Rashid/pixelio.de

Die emotionale Bindung des Menschen zum Tier macht das Pferd als Fleischlieferant problematisch. Foto: Elisa Al Rashid/pixelio.de

Von manchen geschätzt, bei vielen verpönt: Pferdefleisch als Nahrungsmittel. Bernd Kasper/pixelio.de

Von manchen geschätzt, bei vielen verpönt: Pferdefleisch als Nahrungsmittel. Foto: Bernd Kasper/pixelio.de

Verbraucher sind verunsichert: Was steckt in meinen Lebensmitteln? Foto: BirgitH/pixelio.de

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis – inkl. E-Paper
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
Hausmeister, bis auf Widerruf
Daueranzeige 2026
Wir helfen im Trauerfall
Dauerauftrag 2026
Heimat aktiv erleben, Kreis AW
Sozialpädagogische Familienhilfe
Anzeige Herbstbunt
Empfohlene Artikel
v. l. Detlef Odenkirchen, Gordon Schnieder und Prof. Dr. Dr. Schneider gratulieren Elmar Lersch, 2. v. r.
125

Kreis Ahrweiler/Mainz. Elmar Lersch aus dem Kreis Ahrweiler, wurde erneut in den Landesvorstand der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) Rheinland-Pfalz am vergangenen Freitag beim MIT Landesmittelstandstag in Mainz auf der Laubenheimer Höhe gewählt. Es gratulieren der Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz, Gordon Schnieder, der selbst Mitglied der MIT ist, der MIT-Bezirksvorsitzende Koblenz-Montabaur...

Weiterlesen

Weitere Artikel
Seit dem 3. Juni 2026 ist die Bonner Nordbrücke gesperrt.
141

Die städtische Taskforce prüft weitere Maßnahmen, um die Auswirkungen der Sperrung der Nordbrücke auf den Verkehr zu verringern. Dazu zählt auch die Idee, Teile der Strombrücke vorübergehend als Park-and-Ride-Standort (P+R) zu nutzen.

Weiterlesen

Hier entsteht das neue Twin. Foto: ROB
716

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Der Neubau des nach der Flut abgerissenen Hallen- und Freizeitbades Twin in Bad Neuenahr nimmt zumindest so langsam Fahrt auf. Der Stadtrat hat im September ein auf solche Vorhaben spezialisiertes Projektsteuerungsbüro beauftragt. Die Antragstellung für die zugesagte Landes- und Bundesförderung ist weit vorangeschritten. Der Sportstättenausschuss und der Sportstättenbeirat...

Weiterlesen