Staatsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler zu Gast bei den Landfrauen
Diskussion über aktuelle politische Entwicklungen
Koblenz. Aus allen Kreisen waren die Delegierten zum LandFrauenVerband Rheinland-Nassau angereist um mit der rheinland-pfälzischen Staatsministerin für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie Sabine Bätzing-Lichtenthäler über aktuelle politische Entwicklungen zu diskutieren. In ihrem Vortrag wurde deutlich, dass auch sie große Herausforderungen in der Bewältigung der demografischen Entwicklung sieht. „Wir werden älter, die Erwerbstätigen werden weniger und wir werden bunter. Deshalb müssen wir unsere Zukunft gestalten, und das geht nur gemeinsam mit allen Beteiligten vor Ort, mit Kommunen, Vereinen, Verbänden.“ Die Staatsministerin nahm Bezug auf eine Bürgerbefragung aus dem Jahre 2013, bei der die Menschen vordringliche Themenfelder in der Zukunft der Arbeit, der medizinischen Versorgung, der Pflegesituation älterer Menschen sowie ein adäquates Wohnen sehen.
Ein richtiger Schritt zur Sicherung der Arbeit sei die Einführung des Mindestlohnes, führte die Ministerin aus, dabei seien jedoch Nachbesserungen nötig. Weiterhin müsse der Spagat zwischen Langzeitarbeitslosen und Fachkräftemangel gelöst werden. Ein Ansatzpunkt sei dabei die Förderung der Schulausbildung. Auch die Frauenerwerbsquote könne gesteigert werden, so Bätzing-Lichtenthäler, allerdings müsse eine ordentliche Bezahlung gerade auch in ländlichen Regionen erreicht werden. Potenzial liege in der weiteren Integrierung der Menschen mit Einschränkungen in den Arbeitsmarkt sowie der Reduzierung der Krankenstände, die teilweise durch die ständige Erreichbarkeit durch die mobile Infrastruktur und die Digitalisierung der Arbeitsprozesse verursacht würden.
Lösungsansätze zur Sicherung der ärztlichen Versorgung sah die Referentin in der Lockerung der Zulassung von Medizinstudenten sowie der Einführung einer „Pflichtstation“ auf dem Lande während des Studiums. Mit Blick auf den gestiegenen Frauenanteil in der Ärzteschaft sei auch über familienfreundliche Arbeitszeiten etwa durch die Einrichtung von medizinischen Versorgungszentren (MVZ) nachzudenken oder auch über Telematik in der Medizin.
In puncto Pflege liege die Herausforderung in der Verbesserung der Wertschätzung der Arbeit und der Bezahlung der Pflegekräfte. Die Pflegestruktur müsse sich auf das eigene Quartier verschieben. Hilfreich könnten alternative Wohnformen sein, wie Pflegewohnen, Wohngemeinschaften sollten auch in Dörfern umgesetzt werden. Die Staatsministerin verwies auf das junge Pilotprojekt „Gemeindeschwester“ für begleitende Pflege, das auf bedarfsgerechte Vernetzung ausgerichtet ist.
Die Landfrauen nutzten die Gelegenheit ihre Standpunkte mit der Ministerin zu diskutieren. So wurde bemängelt, dass die Hauswirtschaft in der Ausbildung praktisch nicht mehr vorkomme. Es könne nur von Vorteil sein, wenn ambulante Pflegeberufe auch in Hauswirtschaft geschult würden. Die begleitende Pflege in den Haushalten sei auch von Hauswirtschafterinnen gut zu leisten. Weitblick sei insbesondere unter dem Aspekt der Demografie bei der Kindererziehung angebracht. Es sei dringend erforderlich, dass die Kinder mit Alltagskompetenzen ausgestattet würden, insoweit müsse ein entsprechendes Schulfach eingerichtet werden.
Die Präsidentin des LandFrauenverbandes Rita Lanius-Heck überreichte der Staatsministerin darüber hinaus ein Positionspapier mit Forderungen zur Anpassung des Mindestlohns, zur Prävention und Gesundheitsvorsorge, der Ärzteversorgung und Pflege im ländlichen Raum, dem Equal Pay sowie dem Thema Frau und Beruf und Umsetzung der Frauenquote in Wirtschaftsunternehmen.
Das Präsidium des Landfrauenverbandes Rheinland-Nassau mit der Präsidentin Rita Lanius-Heck und der Staatsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (beide Mitte), links: Präsident des Bauernverbandes Rheinland-Nassau Michael Horper, rechts: Ingrid Strohe Präsidiumsmitglied für die Region Ahrweiler, Mayen-Koblenz, Cochem-Zell. Foto: privat
