Vortragsveranstaltung in der Rheinhalle Remagen
Auch im Alter mitten im Leben
Henning Scherf ermutigte Bürger im Unruhestand zu gesellschaftlicher Teilnahme
Remagen. Zum Vortrag „Grau ist bunt“ hatten die Stadt Remagen und das Projekt „Leben und Älterwerden in Remagen mitgestalten“ eingeladen. Im bis zum letzten Platz besetzten Foyer der Rheinhalle Remagen begrüßte Dr. Henning Scherf, ehemaliger Bürgermeister und Präsident des Senates der Freien Hansestadt Bremen, die älteren Zuhörerinnen und Zuhörer persönlich mit Handschlag. Und er gab ihnen viele gute Tipps mit auf den Weg. Für Henning Scherf, der seit 28 Jahren in Deutschlands berühmtester Wohngemeinschaft lebt, bedeutet Altern keine Bedrohung, sondern eine Chance. „Der Mensch sollte sein Alter planen und frühzeitig vorbereiten“, so sein Rat. Schließlich ist ein Altern in Würde und Gesundheit dank besserer Medizin, guter Ernährung und der langen Friedenszeiten heute ohne Mangel möglich.
Aktiv sein und Interesse zeigen sind für den ehemaligen Politiker Kraftquellen, wie auch eine von ihm erwähnte Studie belegt: „Man wollte herausfinden, warum diese ältesten Leute so alt geworden sind. Alle, egal unter welchen Voraussetzungen, hatten zwei Dinge gemeinsam: Erstens war es ihnen gelungen, immer unter Leuten zu sein. Zweitens hatten sie bis ins hohe Alter alle was zu tun.“ Auch Henning Scherf ist im Alter noch gefragt und nimmt am Leben teil. Nur über eine begrenzte Wochenstundenzahl aktiv, vermeidet er eine Überforderung: „Einmal die Woche anderthalb Stunden, das kriege ich hin.“
Mit 67 - vor zehn Jahren - besuchte er gleich am ersten Tag seines Ruhestandes eine Schule in einem sozialen Brennpunkt. Über anspruchsvolle Texte kommt er mit den Schülern ins Gespräch. Heute sind weitere 30 Ehrenamtliche im Projekt aktiv, erzählte Henning Scherf: „Wir haben es geschafft, aus einer Schule, die in einer Ecke war, eine der besten Schulen der Bundesrepublik zu machen. Man kann für sich selber was machen und für die Schüler. Kinder sind für die Alten wie eine Therapie.“ Auch von seinen Zuhörern in Remagen bekam er dieses Lebenselixier: „Ich komme zu Euch, weil ich von Euch ein Stück Rückmeldung kriege.“ Singen zählt der Präsident des Deutschen Chorverbandes ebenfalls zu einem seiner Jungbrunnen.
"Das Gefährlichste ist das Alleinbleiben"
„Das Gefährlichste am Altwerden ist das Alleinbleiben, einsam werden und das Gefühl, dass sich keiner mehr für einen interessiert. Und das passiert unendlich oft." Ganz wichtig sei es, Pflege zu vermeiden und sich anderen auch in seiner Gebrechlichkeit zuzumuten. Wer sich nicht traue, mit einem Rollator auf die Straße zu gehen, laufe Gefahr, sich zunehmend zurückzuziehen. Schließlich sei es eine wichtige Aufgabe, das Alter anzunehmen und zu erfahren, dass es Ehrenamtliche gibt, die einem helfen. Ehrenamtliches Engagement, etwa der Besuch von Demenzkranken oder im Hospiz, halte auch im Alter fit. Die älter werdende Gesellschaft besitze ein hohes Potenzial an Hilfsbereitschaft, das jedoch gehoben werden müsse.
Einsam in viel zu großen Häusern leben, sei das Schicksal vieler Älterer. Der barrierefreie Umbau eines Hauses oder einer Wohnung koste Geld, doch wenn sich mehrere zusammenschließen, sei das zu schaffen. In Wohngemeinschaften biete sich die Möglichkeit, gemeinsam Dinge zu unternehmen und sich gegenseitig zu unterstützen - auch bei Pflegebedürftigkeit. Hennig Scherf ermutigte authentisch und humorvoll, auch im Alter mitten im Leben zu bleiben. Die Zuhörerinnen und Zuhörern revanchierten sich bei ihm für diesen aufbauenden Vortrag mit einem herzlichen Applaus.
Pressemitteilung
Stadt Remagen
Projekt „Leben und Älterwerden in
Remagen mitgestalten“
Humorvoll führte Henning Scherf durch diesen informativen, Mut machenden Abend. Foto: E.T. Müller
RegioMAGAZIN
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