Vinxtbach - Renaturierung - beispielhafte Aktion des ASV Waldorf

Hier ist es jetzt wieder schön

Petrijünger aus Waldorf setzten sich aktiv und mit viel Engagement für die Umwelt in ihrer Heimat ein

02.10.2015 - 18:34

Waldorf/Vinxtbachtal. Der europäische Gewässerschutz wurde in der Vergangenheit durch zahlreiche Richtlinien geprägt, die sich aber leider immer nur mit einzelnen Aspekten des Themas befassten. Die EG - Wasserrahmenrichtlinie 2000/60/EG, die am 22.12.2000 in Kraft getreten ist, schafft nun erstmals einen einheitlichen Rahmen der Wasserpolitik. Damit liegt eine neue Grundlage für ein gemeinsames wasserwirtschaftliches Handeln in Europa vor. Durch die Richtlinie soll ein europäischer Gewässerschutz auf einem einheitlichen und hohen Niveau gewährleistet werden. Zentrales Ziel ist der „Gute Zustand“ unserer Oberflächengewässer und des Grundwassers. Hierfür gibt die Richtlinie vor, nach einheitlichen Kriterien innerhalb der EU einen guten ökologischen Zustand der Gewässer binnen vorgegebener Fristen zu erreichen.

Die Umsetzung der Richtlinie ist grenzüberschreitend ausgelegt. Zur effizienten Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie in Rheinland-Pfalz wurde das Rheineinzugsgebiet in verschiedene Bearbeitungsgebiete aufgeteilt. Die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord in Koblenz ist für den rheinland-pfälzischen Teil der Bearbeitungsgebiete Mosel-Saar, Mittelrhein und Niederrhein und somit auch für den Vinxtbach, der zu den sogenannten „Gewässern III. Ordnung“ gehört, zuständig.

Gewässer II. und III. Ordnung wie der Brohlbach oder der Vinxtbach haben seit jeher die Landschaft zwischen Rhein und Eifel entscheidend mitgeprägt. Und überall dort, wo der Mensch nicht eingegriffen hat, existiert diese auch noch in einer unberührten, im wahrsten Sinne des Wortes natürlichen Form. Andererseits ist hinlänglich bekannt, dass es der Mensch geschafft hat, die gestaltende Wirkung der Natur an vielen Stellen durch unüberlegtes Handeln entscheidend zu überprägen.

Diesem Missstand wird allerdings in den letzten Jahren von verschiedener Seite massiv entgegengewirkt. So ist z.B. die sogenannte „Aktion Blau Plus“ ein Programm der Wasserwirtschaftsverwaltung zur Gewässerentwicklung in Rheinland-Pfalz, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die durch den Menschen initiierte negative Entwicklung umzukehren und unsere Gewässer in Kenntnis natürlicher Vorgänge für den Menschen wieder erlebbar und nutzbar zu entwickeln. Maßnahmenziele sind u.a., dass in Gewässern wie dem Vinxtbach mit einem typisch artenreichen Tier- und Pflanzenbestand, die ein gutes Selbstreinigungs- und Regenerationsvermögen haben, Schmerle, Mühlkoppe und Bachforelle wieder eine Kinderstube finden. Dazu gehört zwingend, dass die sogenannte „ökologische Durchgängigkeit“ auch bei diesen kleineren Gewässern sichergestellt wird. Das wiederum bedeutet, dass für die typische Bachfauna im kompletten Gewässerverlauf eine nahezu uneingeschränkte Durchlässigkeit gewährleistet werden soll. Von Menschenhand in die Gewässer eingebrachte Querbauwerke/ Stauwehre, die eine Gewässerdurchlässigkeit verhindern, sind demzufolge zurückzubauen. Die SGD Nord berät im Zusammenhang mit der geplanten Wiederherstellung der vielfältigen ökologischen Funktionen der Gewässer neben Kommunen und Planungsbüros auch interessierte Bürgerinnen und Bürger (z.B. im Rahmen öffentlicher Ratssitzungen) in fachlicher Hinsicht zu Renaturierungsmaßnahmen an Gewässern II. und III. Ordnung. Darüber hinaus bezuschusst das Land Rheinland-Pfalz Renaturierungsmaßnahmen im Rahmen des wasserwirtschaftlichen Förderprogramms mit Zuschüssen bis zu 90 Prozent.

Umfangreiche Beratungsgespräche durch die SGD Nord haben in den vergangenen beiden Jahren unter Beteiligung fachkundiger Vertreter(innen) der Kreisverwaltung Ahrweiler, der Verbandsgemeindeverwaltung Bad Breisig, der Ortsgemeinde Waldorf und des Waldorfer Angelsportvereins als Pächter eines erheblichen Vinxtbach-Teilabschnitts zu mehreren Planungssitzungen und Begehungen des kompletten Vinxtbachs innerhalb der Gemarkung Waldorf geführt. Dabei wurden die aus Sicht der SGD Nord erforderlichen Renaturierungsmaßnahmen einvernehmlich besprochen und nach Art und Umfang präzise definiert. Anschließend wurde die Verbandsgemeindeverwaltung Bad Breisig als Maßnahmeträgerin dazu angehalten, die vereinbarten Maßnahmen anhand eines genau festgelegten Fristenplans im Zeitraum von 2016 bis 2021 umzusetzen. Mit der Durchführung der Renaturierungsarbeiten innerhalb der Grenzen der Ortsgemeinde Waldorf wurde der ASV Waldorf 1981 e.V. betraut.

Mitglieder des Vereins lösten nun unter der Leitung ihres 1. Vorsitzenden Hermann Schmitt und des ASV-Gewässerwarts Peter Göbels den ersten Teil ihrer gemachten Zusage zum Rückbau von Querbauwerken im Vinxtbach ein. Zu diesem Zweck wurden zunächst insgesamt sieben der z.T. Jahrzehnte alten massiven Einbauten rückstandsfrei aus dem Vinxtbach entfernt. Anschließend wurde das Bachbett dem natürlichen Verlauf wieder angepasst. Zur Uferbefestigung und als Strömungsbrecher wurden Basaltblöcke im Gewicht zwischen 30 und 60 kg in das Gewässer eingebracht. Auf das Einbringen größerer Steinblöcke, wie sie an anderer Stelle in vergleichbaren Gewässern II. und III. Ordnung gesetzt wurden, um den Gewässerverlauf zu regulieren, haben die Waldorfer Petrijünger bewusst verzichtet. „Steine in der von uns verwendeten Größe kommen seit Jahrhunderten auch natürlich im Vinxtbach vor. Deshalb wollten wir den Begriff Renaturierung auch an dieser Stelle eng auslegen“, erklärte dazu der ASV Vorsitzende Hermann Schmitt. Er dankte allen Verantwortlichen der Gemeinde, der Verbandsgemeinde, des Kreises und der SGD Nord für das Vertrauen, das diese in den ASV Waldorf gesetzt haben, als sie ihm die Verantwortung für die Renaturierung des Vinxtbachs übertragen haben. „Wir werden unsere Auftraggeber nicht enttäuschen“, sagte Schmitt. „Wie versprochen haben wir dem Vinxtbach mit viel persönlichem Engagement und unter Inanspruchnahme von nur einem Bruchteil der finanziellen Mittel, die andernorts für vergleichbare Maßnahmen verausgabt wurden, in einem ersten Schritt unterhalb der Ortslage Waldorf seinen natürlichen Verlauf wiedergegeben. Und im nächsten Jahr wird dann in enger Absprache mit dem Bürgermeister der Verbandsgemeinde Bad Breisig, Bernd Weidenbach und dessen Team oberhalb unseres Heimatortes der zweite Teil der Vinxtbach-Renaturierungsmaßnahmen erfolgen.“

Einen großen Dank richten die Waldorfer Angler an den Gärtnereifachbetrieb Blumen Kraus in Oberbreisig; von dort wurde ihnen kostenlos ein Raupenbagger zur Verfügung gestellt, ohne den die umfangreichen Aushub- und Planierarbeiten und das Einbringen von Strömungsbrechern in das Bachbett schlichtweg unmöglich gewesen wären.

Obwohl fleißige Helfer Tage vorher bereits einige Schneisen in den Uferbewuchs des Vinxtbachs geschlagen hatten, kam man nur mit Mühe und großem handwerklichen Können des Baggerführers Stefan Schmitt den Bauwerken bei. Vor Jahrzehnten fachmännisch eingebrachte und teils mit Teichfolie u. ä. abgedichtete Weidenstämme bildeten vielerorts bis zu 60 cm hohe Querbauwerke (Stauwehre), die zumindest für kleinere Wanderfische ein unüberwindliches Hindernis darstellten. Vor der Kraft des Baggers mussten die stolzen Einbauten aber letztendlich kapitulieren. Anschließend wurden in mühevoller Handarbeit Basaltsteine zur Uferbefestigung und als Strömungsbrecher ins Bachbett eingebracht. In allen Fällen wurde das gesamte nicht natürliche, seinerzeit in den Vinxtbach eingebrachte Baumaterial rückstandsfrei entfernt. Verkeiltes Eisen und tief ins Bachbett eingesunkene Baumstämme an nahezu unzugänglichen Stellen brachten dabei stellenweise sogar den Bagger an seine Leistungsgrenze. Angesichts des steilen Ufers und des dichten Baum- und Heckenbewuchses forderten eingebaute Leitplanken und mehrere massive Baumstämme mehr als einmal das ganze Können des Baggerführers. Selbstverständlich wurden alle unnatürlichen Bestandteile der Querbauwerke vom ASV nach Abschluss der Arbeiten fachgerecht entsorgt. Abgeschlossen wurde der Teil I der Vinxtbach-Renaturierungsmaßnahmen in der Gemarkung Waldorf schließlich durch die Entfernung eines innerorts in Höhe des Hauses Pilsgasse 49 bestehenden Querbauwerks aus dem Gewässerlauf.

Mit der Umsetzung der beschriebenen Rückbauten im Jahr 2015 liegt die Verbandsgemeinde Bad Breisig hinsichtlich des in Rede stehenden Vinxtbach-Teilabschnitts ganze zwei Jahre vor dem von der SGD Nord vorgegebenen Umsetzungsplan. Nach jetzigem Stand werden die noch ausstehenden Maßnahmen oberhalb der Ortslage Waldorf im Jahr 2016 abgeschlossen werden können.

Lambert Gansen,

ASV Waldorf 1981 e.V.

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Kommentare
juergen mueller:
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juergen mueller:
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juergen mueller:
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