Kreisgruppe Ahrweiler im Landesjagdverband Rheinland-Pfalz
Jägerschaft will ihr Image verbessern
Dernau. „Das öffentliche Ansehen der Jägerschaft befindet sich in einer Schieflage“, wusste Landrat Dr. Jürgen Pföhler und empfahl bei der Jahreshauptversammlung der Kreisgruppe Ahrweiler im Landesjagdverband Rheinland-Pfalz, all das stärker in die Öffentlichkeit zu bringen, was die Jägerschaft Positives leiste – nicht nur in Sachen Tierschutz und Umweltschutz. Ein erster Schritt in diese Richtung sei schon gemacht, berichtete der Vorsitzende Thomas Güthe im Culinarium der Weinmanufaktur Dagernova in Dernau. In einer farbigen Broschüre, die sich vor allem an Nichtjäger richte, werde die Jagd unter dem Titel „Wir Jäger im Kreis Ahrweiler übernehmen Verantwortung für unsere Natur“ eindrucksvoll dargestellt. „Wir möchten darin nicht nur zum Ausdruck bringen, was Jagd ist und was Jäger tun – nicht nur schießen! Wir wollen auch Interesse wecken und Wissen um die Zusammenhänge in unserer Kulturlandschaft vermitteln“, so Güthe. Letzteres wolle man nämlich nicht allein den Verbänden überlassen, die der Jagd oftmals nicht nur kritisch, sondern sogar feindlich gegenüberstünden. Allerdings funktioniere die Zusammenarbeit auf der Orts- und Kreisebene viel besser, als dies im Bild der überregionalen Medien oft den Anschein habe.
"Rollende Waldschule"
Eine andere Art der Öffentlichkeitsarbeit stelle die „Rollende Waldschule“ dar, mit der Meike Ciupke und Reinhold Stumpf Jagd und Jäger bei zahlreichen Volksfesten im Ahrtal bekannt machten. Demnächst werde man gemeinsam mit der Stiftung „Natur und Mensch“ an die Schulen im Kreis Ahrweiler herantreten, die vor einigen Jahren jeweils einen „Lernort Natur“-Koffer als Spende der Jägerschaft geschenkt bekamen. Dort werde eine erneute Schulung der Lehrkräfte angeboten, damit diese gut ausgestatteten Präparate und Schulungsmaterialien nicht gänzlich in Vergessenheit gerieten. „Schließlich ist bekannt, dass es immer auf den Lehrer ankommt – und bei der Fluktuation im Lehrerbereich ist eine erneute Bewusstmachung sicher angezeigt“, so Güthe. „Jäger randalieren nicht“, so der Vorsitzende, und das bedauere er manchmal, denn mit einer friedlichen Demonstration wie am 18. März in Düsseldorf bekomme man heutzutage keine Schlagzeilen mehr. Damals hätten etwa 15.000 grellorange gekleidete und durchaus aufgebrachte Jäger, Land- und Forstwirte ihren Unmut über die geplante Änderung des nordrhein-westfälischen Landesjagdgesetzes zum Ausdruck gebracht. Das habe aber so gut wie niemanden interessiert, weil gleichzeitig einige hundert „erfahrene Demonstranten“ anlässlich der Eröffnung des neuen EZB-Gebäudes in Frankfurt mehrere Dutzend Verletzte und immense Sachschäden verursacht hätten. Die Aufmerksamkeit der Medien sei leider fast ausschließlich auf diese geballte Gewaltanwendung gerichtet gewesen, der Protest der Jäger nur noch eine Notiz am Rande geblieben. Über das neue Projekt „Blau auf allen Straßen“ informierte Ralf Schmidt. Dabei geht es um blaue Reflektoren, die an den Leitpfosten entlang der Straßen angebracht werden und so nächtliche Wildunfälle verhindern sollen. Die ersten Erfahrungen hätten gezeigt, dass dadurch etwa drei Viertel aller Wildunfälle verhindert werden könnten. In den vergangenen Monaten habe die Kreisjägerschaft bereits 1.260 Reflektoren in 14 Jagdrevieren installiert, dieses Jahr noch wolle man die 2.000-Reflektoren-Marke überbieten. Finanziert werde das ganze aus Spenden der beteiligten Jäger. Er wünsche sich, dass diese Unfallverhütungsmaßnahme möglichst bald zum Standard auf allen bundesdeutschen Straßen werde. „Und eigentlich sollte es auch Aufgabe des Staates sein, für mehr Sicherheit auf den Straßen zu sorgen, und nicht die Aufgabe der Jäger“, ergänzte Güthe.
Pföhler steht hinter Jägerschaft
Eine Gruppe um Ingo Diekmann hatte sich zudem Gedanken darüber gemacht, ob und wie Verletzungen von Jagdhunden im manchmal harten Einsatz gegenüber dem Schwarzwild zumindest finanziell für den Hundehalter ausgleichen werden könnten. Angedacht sei eine Art Solidaritätskasse oder aber eine Versicherung über die Kreisgruppe. Das sei dringend nötig, denn in zunehmendem Maße würden Hunde im Jagdeinsatz von Wildschweinen verletzt oder sogar getötet, denn das Schwarzwild habe mittlerweile gelernt, wie es sich gegen Hunde wehren könne. Landrat Pföhler hatte in seinem Grußwort betont: „Die Waidmänner stehen nicht allein, wir stehen hinter unserer Jägerschaft.“ Denn man wisse, dass die Jägerschaft ein wichtiger Partner des Kreises sei. Schließlich habe die Jagd in einem Landkreis, der etwa zur Hälfte von Wald bedeckt sei, einen hohen Stellenwert. Aufgabe der Jäger sei es daher, einen artenreichen und gesunden Wildbestand zu erhalten, wünschte sich der Landtag. Auch Franz-Josef Schäfer, der Vorsitzende des Kreisbauern- und Winzerverbandes, bestätigte, dass Jäger und Landwirte vieles gemeinsam hätten. Etwa die Liebe zur und die Verbundenheit mit der Natur. Beide Gruppen hätten es sich zur Aufgabe gemacht, die über Generationen hinweg entstandene Kulturlandschaft zu hegen, zu pflegen und zu erhalten.
Gewerbegebiete begraben Gemarkungen
Leider sei es mittlerweile so, dass neue Gewerbegebiete ganze Gemarkungen unter sich begraben würden und so etwa dem Feldhasen den Lebensraum entzögen. Er frage sich darüber hinaus, wie lange es noch dauere, bis das Märchen vom „Rotkäppchen“ aus den Kinderbüchern verbannt werde, weil der Wolf darin politisch und ökologisch unkorrekt als Kinderfresser dargestellt werde.
Rebhuhn jagen verboten!
Kreisjagdmeister Joachim Polch machte in seinem Jahresbericht darauf aufmerksam, dass auch im Kreis Ahrweiler das Rebhuhn zunächst bis 2019 nicht mehr bejagt werden dürfe. Wobei kritisch zu hinterfragen sei, ob der Bestand tatsächlich so gering sei, wie von der Oberen Jagdbehörde dargestellt. Ohnehin führe der Landesjagdverband einen Musterprozess zur Frage der Rechtmäßigkeit des Bejagungsverbotes für das Rebhuhn, dessen Ergebnis man abwarten müsse. Beim Rotwild sei abermals eine sehr hohe Strecke zustande gekommen, 1.544 Stück Rotwild bedeuteten die dritthöchste Strecke überhaupt. Erneut hätten sich die Jäger enorm bemüht, das Abschuss-Soll zu erreichen, und das sei auch vielfach gelungen. Dennoch müsse man feststellen, dass eine Reduktion des Rotwildbestandes nach wie vor auf den Gesamtkreis bezogen nicht erfolgt und die Population viel zu groß sei. Ein erhöhter Abschluss könne aber auch nicht das Allheilmittel sein. Wichtig seien in den Brennpunkten ebenso eine intelligente Jagdstrategie und auch eine dem Rotwild entgegenkommende verbesserte Struktur der Reviere. Als Stichwort nannte er die Vernetzung von auf den Stock gesetzten Flächen. Die Schwarzwildstrecke sei hingegen etwa gleich groß wie im Vorjahr mit 2.367 Sauen, der lange und nasskalte Winter 2012/13 habe offensichtlich zu einer zumindest vorübergehenden Absenkung des Sauenbestandes geführt. Allerdings gebe es nach wie vor Reviere, in denen bei einer Drückjagd weit über 50 Wildschweine erlegt würden.
Frischlinge konsequent bejagen
Eine konsequente Bejagung insbesondere der Frischlinge, aber auch weiblicher Überläufer, sei nach wie vor notwendig. So könne man auch die drohende Afrikanische Schweinepest vermeiden, die mittlerweile von Osteuropa her bereits Polen erreicht habe. Weiter wurden 2014 erlegt: 2089 Stück Rehwild, 191 Stück Muffelwild, 31 Stück Damwild, 1.011 Füchse, 113 Dachse, 35 Baummarder, 68 Steinmarder, ein Hermelin, zwei Iltisse, vier Waschbären, 178 Hasen, 293 Kaninchen, 81 Fasane, 10 Waldschnepfen, 518 Ringeltauben, 17 Türkentauben, 249 Stockenten, 981 Rabenkrähen und 419 Elstern.
Mitglieder geehrt
Nachdem die etwa 170 anwesenden Mitglieder jeweils einstimmig Helmut Rausch aus Dernau zum 1. und Andreas Nichius aus Rech zum 2. Schatzmeister gewählt hatten, gab es auch noch eine Reihe von Ehrungen bei der Jahreshauptversammlung. Die silberne Ehrennadel des Deutschen Jagdverbandes erhielt Ottmar Wehlen, Silber vom Landesjagdverband ging an Helmut Leonhard und Reinhold Stumpf. Bronzene Ehrennadeln des Deutschen Jagdverbandes erhielten Peter Nettersheim und Angelika Schrader-Stahl. Das goldene Jagdhornbläser-Abzeichen durfte sich Olaf Giesen anheften. Für 60 Jahre Mitgliedschaft wurden geehrt Johannes Flohe und Hannjörg Geller; 50 Jahre dabei sind Herbert Goeb, Hans Albert Jacoby, Dr. Wolfgang Schumacher und Ulrich Woitek. 40 Jahre dem Landesjagdverband treu sind Egon Bläser, Hans Werner Doll, Erwin Fuchs, Reinhold Marx und Werner Menzel. Das schönste Rehbockgehörn hatte Diana Kuhlen (Revier Gönnersdorf) mit 370 Gramm zur Trophäenschau beigesteuert, dafür erhielt sie Gold. Silber ging an Theo Langen (Revier Schloss Ahrental) mit 347 Gramm, und Bronze an Anton Bröhl (Revier Brohl-Lützing) mit 334 Gramm.
