Zwölftes Weinfest in Oberzissen erinnert an die Weinbautradition im Brohltal
„Starkes Zeichen für eine lebendige Dorfgemeinschaft“
Oberzissen. Ein Weinfest im Brohltal? – Was anfangs manch einer belächelte, hat sich zu einer echten Erfolgsgeschichte entwickelt. Vor zwölf Jahren hatte der Heimatverein Oberzissen unter dem Vorsitz von Hubert Harzen und Stellvertreter Dieter Speicher die Idee, an die vergessene Weinbaugeschichte des Dorfes anzuknüpfen.
Ein Fest war geboren, eine neue Tradition ins Leben gerufen – auf dem Kirchberg.
„Hier und an anderen Orten im Brohltal wurde noch bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts Weinbau betrieben“, erinnerte Brohltal-Bürgermeister Johannes Bell in seiner Begrüßung.
Heute gebe es kleine Wingerte am Rathaus, an der alten Schule in Oberzissen mit Kindern als Rebpaten und in Hain. Auch Oberzissen hatte einen eigenen Wingert unterhalb des Marienköpfchen in der heutigen Flur 1 „In den Weinbergen“. Dort wurde Spätburgunder angebaut.
Um an den Weinbau zu erinnern, hat der Heimatverein aus diesem ehemaligen Weinberg Triebe geschnitten und bewurzelt. Mit Erfolg. 100 gesunde Rebstöcke waren das Ergebnis der Arbeit, die den Grundstock für die heutigen kleinen Weinberge bildeten. Der Oberzissener Wingert wurde im Juli 2005 eingeweiht.
Gekrönte Häupter
Wein gekeltert wurde bislang nicht. „Meist sind die Vögel schneller beim Abernten“, schmunzelt Speicher. In manchen Jahren reichte es immerhin für ein paar Flaschen Traubensaft für die Patenkinder. 2015 folgte dann schließlich die Idee, rund um den kleinen Weinberg ein Fest zu feiern. Da Oberzissen trotz vielfältiger Bemühungen bis heute keine eigene Weinkönigin hat, lud man kurzerhand die damalige Bachemer Majestät Janina Fels ein. Sie war begeistert – eine Tradition war geboren: Bis heute besuchen Weinmajestäten aus dem Ahrtal das kleine Weinfest auf dem Dorfplatz.
In diesem Jahr mit dabei waren neben die Bachemer Weinkönigin Michelle Spillner, die schon zwei Mal als Weinprinzessin mit von der Partie war, Burgundia Jona Marie Esser aus Ahrweiler, Weinprinzessin Lara Heimermann aus Dernau sowie aus Walporzheim Weinkönigin Lisa-Sue von Schlichting mit ihren Prinzessinnen Theresa Rösgen und Kristina Weber. Alle gekrönten Häupter grüßten die zahlreichen Weinfestgäste und erhoben ihr Glas auf Oberzissen und das Brohltal. Der Wein der Ahrwinzer funkelte im Sonnenschein in den Pokalen und Gläsern.
Und auch ein großes Kompliment gab es für die Veranstalter und Ortsbürgermeister Christof Bürger. So sagte die Landtagsabgeordnete Petra Schneider, selbst Brohltalerin: „Das Weinfest in Oberzissen ist ein starkes Zeichen für eine lebendige Dorfgemeinschaft.“
Viel Musik
Wie viel Liebe in der Veranstaltung steckt, zeigte sich an jedem Detail. Festzelt und Festplatz waren geschmückt mit Blumen, Kürbissen und Weinlaub - stimmungsvolles Ambiente für ein Fest, bei dem neben den Gleeser Musikanten und der Blaskapelle Brohltal auch die Coverband „Gate 5“ aus Rheinbach für Stimmung sorgten. Unterstützung bekamen die Veranstalter beim Ausschank von Federweißer traditionell von den Oberzissener Junggesellen und bei Kaffee und Kuchen von den Ex-Möhnen. Für Deftiges sorgte Winfried Hönigl von „Ahrtalrauch“.
Und wer etwas Muße suchte, der konnte an Führungen im Heimatmuseum in der alten Schule teilnehmen. Denn nach einem Wasserschaden vor einigen Wochen hat der Heimatverein alles wieder in Schuss gebracht. Und dass passend zum Weinfest die Brohltalbahn aus Anlass ihres 125. Jubiläums Extratouren auch mit historischen Bussen fuhr, passte so richtig ins Programm. Bürgermeister kam jedenfalls nach eigenem Bekunden per Bus aus Spessart ins Tal. GS
Blick auf den Festplatz unterhalb der alten Schule von Oberzissen. Foto: GS
Das Blasorchester Brohltal spielte in der „Konzertmuschel“ für das Publikum auf. Foto: GS
Gekrönte Häupter von der Ahr mit den Festverantwortlichen auf dem Kirchberg in Oberzissen. Foto: GS