Tagung der Fördergemeinschaft Ökologischer Obstbau - Chancen für Öko-Obstbau
Höfken eröffnete Obstbautagung
Bad Neuenahr. Hoher Besuch bei der Obstbautagung der Fördergemeinschaft Ökologischer Obstbau in Bad Neuenahr-Ahrweiler: Die rheinland-pfälzische Landwirtschaftsministerin Ulrike Höfken war zu Gast im städtischen Jugendgästehaus an der St. Pius-Straße. Auf Einladung der Fördergemeinschaft Ökologischer Obstbau (Föko) um Dierk Augustin sowie des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum Rheinpfalz hatten sich rund 200 Obstbauern aus ganz Deutschland sowie Gäste aus Österreich und Südtirol in Bad Neuenahr-Ahrweiler versammelt, um sich über neue Möglichkeiten im ökologischen Obstanbau zu informieren. Sie alle gaben ein Bekenntnis zur Regionalität der Produkte ab. Zur Föko gehören in Deutschland 180 Obstbauern, davon allein 30 in Rheinland-Pfalz. „Bioobst aus der Region schmeckt, ist gesund und eröffnet Perspektiven für die Landwirtschaft.“ Das war die Kernaussage, mit der die Ministerin die Obstbautagung 2014 eröffnete.
Nachfrage steigt stetig
Große Chancen für den Öko-Obstbau sehe sie darin, dass die Nachfrage nach Biolebensmitteln stetig steige und bei weitem nicht durch die heimische Produktion gedeckt werden könne. 2013 sei die ökologisch bewirtschaftete Fläche in Rheinland-Pfalz um 10 Prozent angewachsen. Um den Ökolandbau weiter voran zu bringen, habe das Land bereits 2012 die Fördersätze angehoben, unterstütze Vermarktungsinitiativen der Biobauern, biete Beratung, Forschung und Ausbildung an. Rheinland-Pfalz habe beim Kampf um die Verteilung der EU-Agrarfördermittel erreicht, dass die bäuerlichen Betriebe im Land insgesamt mehr Förderung erhalten. „Davon profitieren auch unsere Biohöfe“, so Höfken. Außerdem habe sie sich dafür eingesetzt, die Mittelausstattung zur Förderung der ländlichen Räume zu erhöhen. In Rheinland-Pfalz werde das durch das Entwicklungsprogramm „EULLE“ umgesetzt. „Damit kann das vielfältige Engagement unserer Ökobetriebe für die Erhaltung unserer Kulturlandschaft und den ländlichen Raum honoriert werden“, konstatierte Höfken.
Wichtiger Beitrag zur Biodiversität
„Gerade der ökologische Obstanbau und die Streuobstwiesen im Land liefern einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität“, stellte Höfken heraus. So seien die Streuobstwiesen zum Rückzugsort für viele selten Arten geworden und gleichzeitig ein unschätzbarer Genpool für neue Züchtungen. Über 3000 Obstsorten seien auf deutschen Streuobstwiesen zu finden. „Unser Programm EULLE wird daher die Streuobstwiesen konsequent fördern“, kündigte Höfken an.
Auch das EU-Schulobst-Programm trage dazu bei, Zukunftsperspektiven für den Obstbau zu entwickeln, so die Ministerin. Schülerinnen und Schüler an über 1000 Schulen erhielten im letzten Schuljahr einmal pro Woche eine Portion Obst. Der Anteil der Öko-Produkte erreichte dabei 30 Prozent und 50 Prozent des Obstes komme aus der Region. Mit der Landeskampagne „Rheinland-Pfalz isst besser“ werbe man zudem für ökologische und regionale Lebensmittel. Im Hinblick auf das neue EU-Pflanzenschutzrecht versicherte Ministerin Höfken, sie werde sich dafür einsetzen, dass für den Öko-Obstanbau wichtige Pflanzenstärkungsmittel weiterhin genutzt werden können.
„Es ist wichtig, dass der ökologische Landbau von niemandem diskreditiert wird“, so die Ministerin. In Rheinland-Pfalz werden rund 520 Hektar ökologische Obstfläche bewirtschaftet. Das entspricht etwa 10 Prozent der gesamten Obstanbaufläche. Der größte Teil, mit circa 55 Prozent der ökologischen Obstanbaufläche, ist mit Kernobst, 27 Prozent mit Wildobst, 16 Prozent mit Steinobst und 2 Prozent mit Beerenost bepflanzt.
„Träumst Du noch, oder lebst Du schon Öko?
„Träumst Du noch, oder lebst Du schon Öko?“ lautete der Titel des Vortrages von Dierk Augustin, Vorsitzender von Föko. Träume seien die Ausschmückung der Seele und zeigten, was der Mensch zukünftig möchte, Augustin. „Das aber setzt voraus, dass man sich auch anstrengt, die Träume in die Wirklichkeit umzusetzen“, forderte Augustin. So habe der Ökologische Obstbau eine glänzende Zukunft vor sich, denn jeder träume von einer besseren, gesünderen Welt.
Noch bis zum Abend konnten sich die anwesenden Landwirte zu unterschiedlichsten Themen informieren: So standen unter anderem Fragen der Anwendung und Zulassung von Pflanzenschutzmitteln, neueste Erkenntnisse über Obstschädlinge und deren Bekämpfung ohne Anwendung der chemischen Keule im Mittelpunkt des Interesses. Zum Probieren standen Öko-Weine, Schnäpse sowie ökologisch gezogenes Obst. Ferner konnten sich die internationalen Gäste über umweltfreundliche Hilfsmittel, wie Überdachungen für den Winter oder auch Stützpfähle für junge Bäume aus Naturmaterialien, informieren.
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