Allgemeine Berichte | 29.09.2026, 08:48 Uhr

Der Rathausverein Oberwinter stellt sich vor:

40 Jahre Rathausverein: Das Gedächtnis von Oberwinter

Anfang September wurde das 40-jährige Jubiläum feierliche begangen. Foto: Sabine Glaser

Oberwinter. Was 1986 mit einer Idee, viel Idealismus und einer gehörigen Portion Tatkraft begann, ist vier Jahrzehnte später aus dem kulturellen Leben Oberwinters kaum mehr wegzudenken. Der Rathausverein Oberwinter feiert 2026 sein 40-jähriges Bestehen – und kann dabei auf eine Geschichte zurückblicken, die eng mit dem ehemaligen Rathaus, der Bewahrung der Ortsgeschichte und dem ehrenamtlichen Engagement zahlreicher Bürgerinnen und Bürger verbunden ist.

Gegründet wurde die „Vereinigung Rathausverein Oberwinter und Archiv e.V.“, kurz Rathausverein, am 3. September 1986 im Saal des Gasthauses Stein in Oberwinter. Vorausgegangen war die erfolgreiche 1100-Jahr-Feier des Ortes, die bei vielen Beteiligten den Wunsch geweckt hatte, das historische Erbe Oberwinters dauerhaft zu bewahren und zugleich neue kulturelle Impulse zu setzen. Mehr als 40 Personen nahmen an der Gründungsversammlung teil, 29 von ihnen traten noch am selben Abend dem neuen Verein bei. Heute zählt der Rathausverein rund 185 Mitglieder.

Im Mittelpunkt der ersten Beratungen standen die künftige Nutzung des ehemaligen Oberwinterer Rathauses, der Aufbau eines Archivs zur Ortsgeschichte sowie die Gründung eines Vereins mit eigener Satzung und Vorstand. Diskutiert wurden damals verschiedene Modelle – bis hin zu einem Verkauf des Gebäudes. Letztlich fiel die Entscheidung dafür, das Rathaus im Eigentum der Stadt Remagen zu belassen und dem neuen Verein zur Nutzung zu überlassen. Zum ersten Vorsitzenden wurde Heinz Wilms gewählt. Bereits am Gründungsabend setzte der Verein ein erstes Zeichen: Dieter Schewe lud zu einer Exkursion und Besichtigung des Zehnthofes nach Sinzig ein. Danach begann jedoch zunächst die weniger spektakuläre Arbeit. Es folgten jahrelange Verhandlungen, Verwaltungsarbeit und zahlreiche praktische Aufgaben. Drei Jahre dauerte es, bis am 2. September 1989 schließlich der erste Nutzungsvertrag für das Rathaus in der Hauptstraße 99 unterzeichnet werden konnte. Für die Stadt Remagen unterschrieb der damalige Erste Beigeordnete Christian Strohe, für den Rathausverein Heinz Wilms. 2009 wurde der Vertrag verlängert – diesmal mit den Unterschriften von Bürgermeister Herbert Georgi und dem damaligen Vereinsvorsitzenden Hans Metternich.

Was folgte, war ein enormes Gemeinschaftsprojekt. Ab 1987 wurden im Rathaus Wände entfernt, um einen größeren Saal zu schaffen. Licht, Heizung und Sanitäranlagen wurden installiert, Böden und Wände gefliest, Außenmauern im Hof neu verfugt und Stolperstellen beseitigt. Auch der stark zugewachsene Hof wurde wieder nutzbar gemacht. Im Laufe der Jahre entstanden unter anderem eine Schuster- und Küferwerkstatt. Ab 2018 wurde zudem ein kleiner Neubau für eine Schlosserwerkstatt errichtet. 2024 und 2026 konnten schließlich die gesamte Elektrik sowie die Beleuchtung erneuert werden. Dass vieles davon überhaupt möglich war, verdankt der Verein dem Einsatz zahlreicher Helferinnen und Helfer, Handwerksbetriebe, Unterstützer und Sponsoren. Immer wieder gab es Menschen, die mit anpackten, Material spendeten, Kontakte vermittelten oder unkompliziert finanzielle Hilfe leisteten. Eine Episode aus den frühen Jahren ist im Verein bis heute unvergessen: Als während einer Vorstandssitzung 1987 über die Finanzierung einer größeren Umbaumaßnahme diskutiert wurde, zog eine ältere Dame aus dem Vorstand kurzerhand ihr Scheckheft hervor und stellte dem Verein 10.000 D-Mark zur Verfügung. Der Umbau konnte weitergehen. Auch Skepsis gehörte zur Anfangszeit. Ein bekannter Handwerker aus Oberwinter soll die Vereinsgründung zunächst im Dialekt als „totjeborenet Kenk“ bezeichnet haben. Auf die Frage, ob er im Bedarfsfall trotzdem helfen würde, lautete seine Antwort jedoch: „Na klar!“ Später unterstützte er die Arbeiten tatsächlich tatkräftig und räumte Jahre danach ein, dass er dem Verein eine solche Entwicklung zunächst nicht zugetraut habe.

Neben der Pflege des historischen Gebäudes entwickelte sich besonders das Archiv zu einer tragenden Säule der Vereinsarbeit. Durch zahlreiche Spenden aus privaten Nachlässen und Haushaltsauflösungen kamen im Laufe der Jahrzehnte Dokumente, Fotografien, Schriften und historische Gegenstände zusammen. Auf dieser Grundlage organisierte der Rathausverein zahlreiche Ausstellungen zur Geschichte Oberwinters und seiner Umgebung. Die Sammlung ist inzwischen so umfangreich, dass der Verein selbst davon spricht, das Archiv platze „aus allen Nähten“. Entstanden ist damit nicht weniger als ein „Gedächtnis von Oberwinter“. Der Rathaussaal und der Rathausgarten wurden zugleich zu wichtigen Veranstaltungsorten. Mehr als 100 Veranstaltungen aus den Bereichen Politik, Kultur, Kunst, Musik und Kabarett fanden dort in den vergangenen vier Jahrzehnten statt. Zahlreiche Vereine und gemeinnützige Institutionen nutzten die Räumlichkeiten. Bei einer Weihnachtsveranstaltung sollen einst sogar mehr als 500 Besucher gezählt worden sein.

Auch bekannte Namen tauchen in der Vereinsgeschichte auf. 1994 trat der damals noch junge Marc Metzger aus Unkelbach, später als „Dä Blötschkopp“ einem großen Publikum bekannt, bei einer Karnevalsveranstaltung im Rathaussaal auf. Es dürfte eine seiner frühen Bühnenstationen gewesen sein.

Ein besonderes Kapitel bildet die publizistische Arbeit des Vereins. Nach der 1100-Jahr-Chronik von 1986 folgten zunächst weitere Veröffentlichungen wie „100 Jahre Hafen Oberwinter“ im Jahr 1991 und „Eine Kindheit in Oberwinter“ im Jahr 2006. Ab 2010 intensivierte der Verein seine Arbeit erheblich. Bis 2026 kamen weitere 24, teils umfangreiche Schriften und Bücher hinzu, die sich mit Oberwinter und der näheren Umgebung befassen. Zu den Autoren zählen Hans Atzler, Bernd Blumenthal, Heribert Etscheid, Hans und Ute Metternich, Christian Schmiedel, Jo Weißhaar und Heinz Wilms. Für die Gestaltung der Publikationen zeichnen unter anderem Norbert Kessel und Dan Hummel verantwortlich. Heute dokumentieren zahlreiche Aktenordner, Plakate, Bilder, Drucke und Dokumente die Arbeit des Rathausvereins. Im Rathaussaal und in den angrenzenden Räumen ist ein Teil dieser Geschichte zu sehen. Die Sammlung zeigt zugleich, wie sehr sich ein Verein über Jahrzehnte entwickeln kann, wenn viele Menschen bereit sind, Verantwortung für ihren Heimatort zu übernehmen.

Dabei versteht der Rathausverein seine Geschichte ausdrücklich nicht als Leistung Einzelner. Zahlreiche Vorstandsmitglieder, Handwerker, Unterstützer, Sponsoren, Vereine und ehrenamtliche Helfer haben ihren Teil dazu beigetragen. Genannt werden unter anderem die Familien und Namen Unkels, Glaser, Kürten, Schewe, Blumenthal, Metternich, Hacker, Jahn, Atzler, Nottmeyer, Brückmann, Räthlein, Noack, Brettschneider, Cichuttek, Assenmacher, Kessel, Hausen, Schäfer, Blumenberg, Euskirchen, Schmitz, Szary, Elbern, Fleck, Wiest, Heberlein und Fischer sowie der Bauhof der Stadt Remagen. Nach 40 Jahren kann der Rathausverein Oberwinter auf eine beeindruckende Bilanz zurückblicken: ein erhaltenes und mit Leben gefülltes historisches Rathaus, ein umfangreiches Ortsarchiv, zahlreiche Publikationen, Ausstellungen und Veranstaltungen – und vor allem ein Netzwerk von Menschen, die sich ihrer Heimat verbunden fühlen. Der Blick richtet sich deshalb nicht nur zurück. Auch für die kommenden Jahre soll das Rathaus ein Ort der Begegnung, der Erinnerung und der Kultur bleiben.

Anfang September wurde das 40-jährige Jubiläum feierliche begangen. Foto: Sabine Glaser

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