Allgemeine Berichte | 22.07.2025, 08:09 Uhr

Wird die Dauerbaustelle in der Poststraße zur existenziellen Krise für den Einzelhandel?

Baustelle in Bad Neuenahr: Verzögerungen rauben Anliegern die Geduld

Baustelle in der Poststraße: Den Anliegern fehlt das Verständnis für die erneuten Verzögerungen.  Foto: GS
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Bad Neuenahr. Die Ankündigung traf einen Nerv: Der seit Langem erwartete Abschluss der Bauarbeiten in der südlichen Poststraße verzögert sich erneut. Der Grund: fehlende Pflastersteine. Die Steine wurden nämlich in China geordert und befinden sich nun irgendwo auf hoher See. Zunächst sollte das Bauprojekt nach mehrfachem Verschieben Ende Juli fertiggestellt werden - eigentlich. Denn nun steht ein neues Datum im Raum. Die Dauerbaustelle in der südlichen Poststraße soll erst im September fertig werden.

Für viele Anlieger und Gewerbetreibende ist damit das Maß endgültig voll. „Das klaut uns den ganzen Sommer“, ärgert sich Simon Templeton, Betreiber der Gaststätte Templeton in der Poststraße. Seine Terrasse bleibt aufgrund der lärm- und schmutzintensiven Arbeiten weitgehend unbesetzt und auch zur Mittagszeit herrscht trotz Saison gähnende Leere. Sein Umsatz ist massiv eingebrochen, während die laufenden Kosten konstant bleiben. „Das ist gefühlt das zehnte Mal, dass wir vertröstet werden“, so Templeton. An die Fertigstellung im Juli habe er ohnehin nie geglaubt. Für ihn muss es endlich eine klare Verantwortlichkeit geben. „Irgendeiner muss dafür geradestehen“, sagt er im Gespräch mit BLICK.

Das Vertrauen schwindet, die Stimmung ist schlecht.

Auch Richard Lindner, Ortsvorsteher von Bad Neuenahr, zeigt sich tief enttäuscht: „Das ist eine echte Misere und ein massiver Vertrauensbruch.“ Seit Ende 2024 wurde immer wieder ein neuer Fertigstellungstermin genannt: zuerst Dezember, dann Mai, anschließend Juli und nun soll es September werden. Der nördliche Teil der Poststraße soll immerhin bis Ende Oktober fertiggestellt werden. Lindner betont jedoch: „Die Stadt trägt keine Schuld an den Verzögerungen.“ Dennoch sieht er die Folgen deutlich: „Die Gewerbetreibenden verlieren langsam die Lust.“

Dauerkrise im Herzen der Stadt

Volker Danko, der Vorsitzende der Gewerbegemeinschaft Bad Neuenahr-Ahrweiler, warnt eindringlich vor den langfristigen Folgen der andauernden Bauarbeiten. Die Poststraße ist schließlich eine Lebensader für den Einzelhandel in der Innenstadt. „Wir sprechen von einer Verzögerung von neun Monaten, das ist fast eine Verdopplung der Bauzeit.“ Seit inzwischen vier Jahren sei die südliche Poststraße faktisch außer Betrieb. Dies führe nicht nur zu massiven Problemen für die bestehenden Geschäfte, sondern verhindere auch dringend benötigte Neuansiedlungen. Die Attraktivität der Kernstadt leidet derzeit massiv. „Jeder Monat Verzug bedeutet existenzbedrohende Umsatzausfälle für die Händler und Gastronomen in der Poststraße und mittlerweile auch in der gesamten Kernstadt von Bad Neuenahr.“

Entsprechend angespannt sei die Stimmung unter den Einzelhändlerinnen und Gastronomen. „Die anfänglich hoffnungsvolle und konstruktive Stimmung ist aufgrund der Verzögerungen nun mehr als gereizt“, so Danko. Ganze Existenzen stünden auf dem Spiel. Für ihn ist die aktuelle Erklärung mit den fehlenden Pflastersteinen nicht hinnehmbar: „Wenn man am offenen Herzen operiert, muss das Operationsbesteck vollständig vorhanden sein. Sonst hört das Herz auf zu schlagen.“ ROB

Baustelle in der Poststraße: Den Anliegern fehlt das Verständnis für die erneuten Verzögerungen. Foto: GS

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