Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Autorenlesung mit Gerhard Starke offenbarte menschliche Abgründe

Der Fall Zurwehme - hautnah und grausam ehrlich präsentiert

Die Morde von Remagen – Erinnerungen an den vierfachen Mord

Der Fall Zurwehme -
hautnah und grausam ehrlich präsentiert

Bei den kleinen Anekdoten können Gerhard Starke und sein Publikum dann zum Schluss, auch wieder lachen. Fotos: -MIH-

04.09.2017 - 14:05

Montabaur. Der Autor und Kriminalhauptkommissar a. D. Gerhard Starke las in der vergangenen Woche aus seinem Buch „Die Morde von Remagen“ in der Buchhandlung Reuffel in Montabaur. Dabei nahm er die Zuhörer mit auf eine im wahrsten Sinne des Wortes mörderische Reise zurück in das Jahr 1999, ein Jahr in dem sich der Schwerverbrecher, mehrfache Mörder und Vergewaltiger Dieter Zurwehme über Monate auf der Flucht quer durch Deutschland befand und die ganze Republik in Atem hielt.

Diejenigen, die das Buch noch nicht gelesen hatten, erwarteten gespannt die Ausführungen Starkes. Und diejenigen, die das Buch bereits gelesen hatten, wussten zwar, was inhaltlich auf sie zukam, waren jedoch sicherlich nicht auf das gefasst, was sie an diesem Abend wirklich erfuhren und erlebten. Wer Gerhard Starke kennt, weiß, dass er ein Profi ist. Wer ihn etwas besser kennt, weiß aber auch, dass sich hinter seiner Professionalität, Klarheit und Sachorientierung, eine tiefe Gefühlswelt verbirgt, welche an diesem Abend bei der schauerlichen Darstellung oder vielmehr grausamen Wiedergabe der Realität der Ereignisse vor fast 20 Jahren immer wieder an die Oberfläche brach.


Man hätte eine Stecknadel fallen hören können


So war es auch nicht verwunderlich, dass bei seiner Wiedergabe der damaligen Ereignisse in der Buchhandlung eine ergreifende, ja ohrenbetäubende Stille herrschte. Der Raum war vollgeladen mit Spannung und die Zuschauer wagten kaum zu atmen oder sich auf ihren Stühlen zu bewegen, damit sie auch ja keine Silbe verpassten, die über Starkes Lippen drang. Es war fast schon eine gespenstische Stille, in die Starkes Worte illusionslos die brutale und erbarmungslose Vorgehensweise des Mörders Dieter Zurwehme schilderten. Dabei war es keine Sensationsgier, die die Besucher an diesem Abend zu dieser Lesung trieb, sondern vielmehr das Interesse an der Sache und vielleicht ein wenig auch die Hoffnung zu erfahren, welche Motive, welcher Antrieb einen Menschen zu solchen Taten treibt und zum Mörder und Vergewaltiger werden lässt. Und natürlich die Gelegenheit mit Gerhard Starke, einem der Jäger des Mörders von Remagen, selbst zu sprechen, ihn kennenzulernen und live zu erleben.

Für dieses Buch begab sich Starke, auf die Seite des Tisches, an der früher seine Gegenüber saßen. Diesmal war nicht er es, der den Täter befragte, vielmehr wurde er vom Autor des Buches Mauritius Kloft „vernommen“. Und das zu einem der größten Kriminalfälle der Nachkriegszeit in Deutschland, der Jagd auf Dieter Zurwehme. Kloft traf sich mit Starke in Remagen, an den Orten des Geschehens. Da wo 1999 vier Morde geschahen. Für Gerhard Starke war es eine eintägige Reise zurück in einen blutigen Fall seines Berufslebens. Doch welches waren die Motive Zurwehmes? Auch darauf hatte Starke in seiner Lesung eine Antwort. Geld und Angst vor der Polizei und davor, wieder ins Gefängnis zu kommen. Vier Menschen, die einfach zur falschen Zeit am falschen Ort waren, wurden damals eiskalt ermordet. „Zurwehme hatte nichts zu verlieren und würde alles tun, um nicht wieder ins Gefängnis zu kommen“, so Starke. Bei dem Gang durch Remagen kamen all die schrecklichen Erinnerungen und Bilder von damals wieder hoch.


Realität übertrifft Fiktion bei Weitem


Das merkte man Gerhard Starke bei seinen Schilderungen an diesem Abend deutlich an. Die Leiden der Opfer, die Belastung der Ermittler und die Brutalität des Täters standen greifbar im Raum. „Die Realität ist härter als es sich Krimiautoren jemals ausdenken können.“, konstatierte Starke.

Wie war das an dem Abend, als er zum Einsatz gerufen wurde? „Ich wollte mir im Fernsehen einen Krimi ansehen. Von der Realität wurde ich weit übertroffen.“, sagte Starke. Kein Wunder, denn Zurwehme war das, was man einen Berufsverbrecher nannte. Wegen Mordes war er schon 1974 verurteilt worden und dann 1998 von einem Freigang aus dem Gefängnis in Bielefeld nicht mehr zurückgekehrt. Mit einem Messer stach er in Remagen alle vier Menschen, zwei Ehepaare nieder. Dabei kamen ihm seine Kenntnisse aus einer Tätigkeit in einem Schlachthof zugute, denn er durchschnitt die Halsschlagadern der Menschen. Die Opfer hatten keine Chance zu überleben. Ein eiskalter Mörder eben. In seiner veranschaulichenden Darlegung der Geschehnisse stützte Starke sich auf das Rednerpult, blickte immer wieder nach oben, sinnierte kurz und rief sich die entsetzlichen Bilder von damals vor Augen, um sie an die Zuhörer weiterzugeben. Nach Sichtung des Tatortes und Sicherstellung aller Spuren stand die Polizei damals vor einem Rätsel. Zunächst gab es keine verwertbaren Spuren. Der Täter war wie vom Erdboden verschluckt. Endlich kam nach einiger Zeit der erlösende Anruf. Man hatte einen Fingerabdruck sicherstellen können. Und dieser gehörte Dieter Zurwehme. Danach begann die achtmonatige Suche nach dem Verbrecher quer durch Deutschland. Dabei hinterließ Zurwehme weitere Opfer, unter anderem ein 15-jähriges Mädchen als Vergewaltigungsopfer. Letztlich ging Deutschlands meistgesuchter Verbrecher an einem Donnerstagmorgen im August 1999 in Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern auf offener Straße völlig unspektakulär zwei Streifenpolizisten ins Netz und wurde mit einem Hubschrauber nach Koblenz gebracht, um dort vernommen zu werden. Zurwehme gestand die Taten direkt. Ja, er war wohl direkt froh, gefasst geworden zu sein, berichtete Starke, denn die monatelange Flucht hatte an ihm gezehrt. Dennoch gab es vieles aufzuarbeiten, denn es mussten acht Monate zusammen mit dem Täter rekonstruiert werden.


Bullen sind gar nicht so schlimm


Dazu benötige man einen Zugang, eine Beziehung zum Täter, lässt Starke seine Zuhörer wissen. „Wir, die Polizei wollen etwas von dem Täter, nämlich: Wir wollen von ihm wissen, was er gemacht hat, wie er es gemacht hat und natürlich, warum er es gemacht hat. Das bedeutet, man muss also ein gewisses Vertrauensverhältnis aufbauen, zumindest so, dass der Täter merkt, die Bullen sind gar nicht so schlimm.“, erzählte Starke aus seiner Erfahrung und dem früheren Berufsalltag. Wegen seiner diversen Delikte wurde Zurwehme mehrfach verurteilt. Die Strafe für die Morde in Remagen trete er, wenn er noch lebe, erst im Jahr 2020 an, denn Zurwehme sei heute 75 Jahre alt, erklärte Starke an diesem Abend. Wie geht es dem Täter heute wollen die Lesungsteilnehmer wissen. Er habe in der Justizvollzugsanstalt geheiratet. Seine Frau sei allerdings inzwischen verstorben. Bis heute zeige Zurwehme keine Reue, denn damit würde er sich selbst quälen.

Bereitwillig beantwortete Gerhard Starke seinem Publikum alle Fragen. Dass die Realität die Fiktion in so einem Job oftmals bei Weitem übertrifft, war danach jedem Anwesenden klar. Aber wie sagte Starke an diesem Abend: „Gott sei Dank findet man nicht immer gleichzeitig vier Leichen.“

Artikel bewerten

rating rating rating rating rating
Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.
Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag erstellen zu können.
Pflicht erfüllt!

Landesliga: TSB II – TV Bassenheim II 29:25 (12:13)

Pflicht erfüllt!

Bendorf. Ein vermeintlich leichter Gegner stand bei der Reserve der Turnerschaft Bendorf am Samstag auf der Matte. Denn mit dem TV Bassenheim II gastierte das Tabellenschlusslicht, dass im bisherigen Saisonverlauf erst drei Pünktchen erspielen konnte. mehr...

Jagdgenossenschaft Gackenbach

Der Jagdvorstand wird neu gewählt

Gackenbach. Die nächste Jagdgenossenschaftsversammlung der Jagdgenossenschaft Gackenbach findet am Donnerstag, 14. März um 17.30 Uhr im Gemeindehaus (Im Wiesengrund 1) der Ortsgemeinde Gackenbach statt. mehr...

IHK-Regionalgeschäftsstelle Montabaur

Rechtsberatung für Existenzgründer

Montabaur. Bei der Gründung eines Unternehmens stellen sich unweigerlich zahlreiche rechtliche Fragen. Viele Entscheidungen wollen getroffen werden: Von der Wahl der Rechtsform über die Namensgebung bis hin zur Ausgestaltung von Gesellschafterverträgen. mehr...

RV Rhenus 1910

Neuwahlen und Ehrungen

Andernach. Am Donnerstag, 22. Februar 19 Uhr findet die Jahreshauptversammlung des RV Rhenus 1910 statt. Es steh Neuwahlen und Ehrungen an. mehr...

Anzeige
Politik

Koblenz/Bad Neuenahr-Ahrweiler. Der Prozess gegen die Mitglieder des mutmaßlich rechtsextremen Netzwerks „Aktionsbüro Mittelrhein“ beginnt am Dienstag, 26. Februar. Und das mittlerweile schon zum dritten Mal ganz von vorn. mehr...

 
Sport

Aalborg/Mayen. „Das Siegertreppchen hatte ich fest im Blick,“ betonte Jil Augel vom Sen5 Karate Verein Mayen im Vorfeld der Junioren-Europameisterschaften im Norden Dänemarks. Nach zwei sehr unglücklichen... mehr...

Bertha-von-Suttner-Gymnasium: Jugend trainiert für Olympia - TischtennisteamBvS ist Rheinland-Pfalz-Meister

„Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!“

Andernach. Berlin – das ist der Traum jeder Schulmannschaft, die bei „Jugend trainiert für Olympia“ startet. Nur die Meister der sechzehn Bundesländer ergattern die Fahrkarte zum Bundesfinale. mehr...

Wirtschaft

- Anzeige -Optik Handke feiert Wiedereröffnung mit fetten Kundenvorteilen

Das Sortiment ist noch größer und vielfältiger

Mayen. Nach fünf Wochen intensiver Umbauphase ist es so weit: Mayen`s Optik-Experten feiern die Wiedereröffnung, ihrer rundum modernisierten Geschäftsräume und gemeinsam mit ihnen sechs Filialen von Optik-Handke in Kruft, Neuwied, Münstermaifeld, Andernach, Adenau und Daun. Statt in Sekt und Canapés haben Sabine und Sebastian Handke zu dem besonderen Anlass ganz bewusst in Kundenvorteile investiert:... mehr...

Umfrage

1.000 Euro für jeden - Sollte es ein bedingungsloses Grundeinkommen geben?

Ja, finde ich gut.
Nein, sowas brauchen wir nicht.
Ist mir egal.
Anzeige
 
 
Anzeige
Kommentare
Armin Linden:
Fest steht, das der Kreis AW. mittlerweile bereits das grösste Altersheim im nördlichen RP. darstellt. In der Hoch-Eifel bereitsganze Gebiete "€ntvölkert". Das war vor 3O J. noch anders. Junge Leute - speziell Deutsche - gut ausgebildet, wandern aus. Die Gründe für Insider teils klar. Eine Migration enorm im Zulauf im AW.-Kreis. die Ökonomie des €. bestimmt dort die Einstellung & Gesinnung ! Industrie in MY-KO. auch weit grösser. Ich fürchte, die nächsten 2O J. wird sich vieles ändern. Besonders die völlige Unterschätzung u. das Ausbluten der "Eigenen Systeme" in der Migration. Für "eigene Landsleute u. Studenten" gab es keine Bürgen mit Winke.Winke.Syndrom. Das dürfe u. müsste auch dem BlickAktuell bekannt sein. Soviel Charakter sollte sein. Auch in der Veröffentlichung. A.L.
Armin Linden:
Das Thema, ist + wird in der Zukunft NICHT vom Tische sein. Auch selbst in der CDU gibt es - ausserhalb RP.- genügend Fachleute, die noch in der Realität zu Hause sind. Die Demographie im Kr. AW. ist dermaßen hoch, die Ausdünnung in der Besiedlung (Land) gravierend. In der Eifel, teils "Leer-Raum". In BNA - kaum Kinder u. Jugendliche mehr ! Außer Migration.- Gründe wohl Ökonomischer Natur. Das Kulturprogramm (Rollator-Krankenstühle) ausgerichtet. Der Vorteil Mayen-Koblenz allerdings, wesentlich mehr Industrie & Junge Leute ! Es sind rd. 4 Millionen gut ausgebildete JUNGE Deutsche Mädchen u. Jungs, nach der UNI bereits ausgewandert. Österreich - CH - Alle Nordländer - USA. Man lebt besser. Verdient mehr. Rente Faktor 3-5 ! Medizin (Privat). Nein, für vieles ist es leider zu spät. Der AW-Kreis wird zu den abgehängten einmal zählen. Auch die SPD.FDP wusste es. Sorgte aber für den Aufschwung West.Nord Africa - Maroco -Syrien.Lybien. Damit ist in England jetzt Schluss !
Uwe Klasen:
So sollten Schüler und Studenten für die Zukunft sorgen, mit Erfindungen und guten Ideen das Land und die Menschheit voran bringen und nicht sich instrumentalisieren lassen zum sogenannten "Friday for Future"!
juergen mueller:
Es geht hier nicht um Verteufelung, sondern einzig und alleine darum, dieser Veranstaltung etwas positives abzugewinnen, was ich nicht tue. Anstatt auf die Strasse zu gehen und Transparente hochzuhalten oder Sprüche (wie die von Anne) vom Stapel zu lassen, gibt es in vielfältiger Weise Dinge, etwas für EURE Zukunft zu tun, ohne laut zu werden. Laut ist unsere heutige Jugend eh schon bis zur Unerträglichkeit und zwar ohne positive Ergebnisse. Dass meine Generation eure Zukunft klaut ist ganz einfach nur das Ergebnis von Faulheit beim Denken. Ihr macht es euch zu einfach, wenn ihr denkt, wenn ihr auf die Strasse geht, dass sich dadurch etwas ändert. Steht ihr irgendwann einmal im Berufsleben (oder auch nicht), dann ist für viele von euch nur noch eines wichtig - dass es euch persönlich gut geht ... hierbei an andere zu denken, das ist dann nebensächlich u.egal ... das nennt man fortschreitende negative Entwicklung unserer Gesellschaft im ICH-Denken.
Anne:
Also an alle die schreiben das wir schwänzen. Nein das tun wir nicht! Wir haben unsere Lehrer und Direktoren gefragt und die haben dies ausdrücklich unterstützt und beführwortet. Uns liegt etwas an unserer Zukunft. Wir waren da, Wir waren laut, Weil Ihr unsere Zukunft klaut!
Lara :
Schade, dass die Aktion anscheinend so verteufelt wird. Es geht nicht um Lernverweigerung, sondern darum ein Zeichen zu setzten! Ich finde, dass vier Stunden Unterricht nicht mit dem Einsatz für unsere (!) Zukunft in Relation zu setzten ist. Waren zum allergrößten Teil engagierte Jugendliche, die ein ernstes Interesse haben :-)
GelesenEmpfohlen
Anzeige Online bestellen

Geben Sie Ihre Anzeige in wenigen Schritten einfach selbst auf - Rund um die Uhr auf unserer Online-Anzeigenaufgabe! Wählen Sie hier einfach die passende Rubrik aus.