Allgemeine Berichte | 26.06.2023, 12:34 Uhr

Das „Nachhaltige Tourismuskonzept Ahrtal 2025“ wurde vorgestellt

Die touristische Zukunft des Ahrtals fest im Blick

Locken Skywalk, Seilbahn und Flutmuseum bald zusätzliche Gäste an?

Das „Nachhaltige Tourismuskonzept Ahrtal 2025“ wurde kürzlich im Helmut-Gies-Bürgerzentrum vorgestellt.  Foto:DU
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Bad Neuenahr-Ahrweiler. Das gemeinsam mit dem Ahrtal Tourismus von der ift Freizeit- und Tourismusberatung GmbH erstellte „Nachhaltige Tourismuskonzept Ahrtal 2025“ wurde kürzlich im Helmut-Gies-Bürgerzentrum offiziell vorgestellt. Auch die rheinland-pfälzische Ministerin für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau, Daniela Schmitt (FDP) war hierfür in die Kreisstadt gekommen – und unterstrich den touristischen Wert der Region: „Das Ahrtal ist eine der bedeutendsten Tourismusregionen im Land. Deshalb müssen wir hier besonders anpacken und auch entsprechende finanzielle Mittel zur Verfügung stellen“, sagte Schmitt, die Ideen wie eine Hängebrücke oder die Aufwertung des Ahrsteigs lobend hervorhob. Allerdings sei jetzt die Umsetzung der Ideen wichtig, zumal es gelungen sei, schon wieder zahlreiche Touristen ins Ahrtal zu locken.

Konzept sieht 50 Einzelmaßnahmen vor

Das erwähnte Tourismuskonzept soll für die nächsten rund zehn Jahre prägend sein und wurde vom Tourismus-Experten Jan-F. Kobernuß präsentiert. Es sieht unter anderem 50 Einzelmaßnahmen, darunter 20 größere Projekte, vor. „Es geht dabei nicht ‚nur‘ um den Neu- und Wiederaufbau, sondern auch um die Zukunftsfähigkeit des Ahrtals“, so Kobernuß, für den das Ahrtal mit seiner großen Peripherie enormes Potential hat. Dies beweise schon die Tourismus-Wertschöpfung von rund 140 Millionen Euro, die das Ahrtal vor der Flut jährlich generierte. Ziele des Tourismuskonzeptes sind unter anderem der Neuaufbau des Ahrtals als DIE nachhaltige und innovative Natur- und Weinregion in Deutschland sowie die Entwicklung als Qualitätsregion mit ausgeprägter Gastlichkeit, authentisch und regional in allen Bereichen. So soll beispielsweise ein höherer Anteil an Übernachtungsgästen sowie eine längere Saison erreicht werden. Als künftige Zielgruppen hat man vor allem Kultur- und Naturliebhaber, aktive Naturgenießer, Familien, „genussorientierte Entschleuniger“ und „aktive Erlebnissucher“ im Fokus. Dabei möchte man in Sachen Infrastruktur die e-Mobilität ebenso ausweiten, wie das ÖPNV-Angebot. Eine Aufwertung des Rotweinwanderweges und des AhrSteig sollen das Naturerlebnis ebenso fördern, wie ein MTB-Cross-Country-Routennetz in den Höhenregionen, der „Ahr-Radweg“ als Benchmark für Nachhaltigkeit und Qualität sowie die Prüfung der Schaffung eines „Naturpark Ahrtal“.

„International Crisis Center Ahr“

Mit Einrichtungen wie der Hängebrücken-Verbindung Rotweinwanderweg-AhrSteig, dem schon vor der Flut von der Metallhandwerker-Innung Ahrweiler und der Berufsbildenden Schule geplanten „Skywalk“ in den Weinbergen des Ahrweiler Silberbergs, der „Seilbahn Kreuzberg-Saffenburg“ und der Bergerlebniswelt Altenahr, bzw. Dernau/Krausberg und „Paradieswiese“ sieht die Planung ambitionierte Projekte vor. Auch die Flut und deren Folgen findet sich in dem Konzept wieder. So gibt es die Idee eines „International Crisis Center Ahr“ als Wissenschafts- und Besucherzentrum zu Ursachen, Entwicklung, Auswirkungen und Bekämpfung von Katastrophen und eines „Flutmuseum“ zur Visualisierung einer der größten Naturkatastrophen Deutschlands. Ein möglicher Standort dieses Museums könnte im Bereich der St. Pius-Kirche sein, erste Entwürfe wurden bereits vorgestellt. In Sachen „Seilbahn“ läuft eine Machbarkeitsuntersuchung. Die Etablierung neuer „Ahr Thermen“ am alten Standort als eines der Ankerprojekte findet sich ebenso in den Planungen, wie die weitere Stärkung der Medizin-, Kur-, Wander- und Weinregion Ahrtal.

„Das Ahrtal wird enorme Unterstützung benötigen“

„Nachdem das Konzept nun fertig vorliegt, geht es jetzt ans Eingemachte, nämlich an die Finanzierung. Uns ist klar, dass dies insbesondere für die großen Leitprojekte keine leichte Aufgabe sein wird. Die einzelnen Vorhaben-Träger müssen erst noch gefunden werden, zum Beispiel die Kommunen oder mögliche Investoren. Um zukünftig langfristig und nachhaltig als Tourismusregion bestehen zu können, wird das Ahrtal enorme Unterstützung benötigen“, betonte Christian Senk, Geschäftsführer der Ahrtal und Bad Neuenahr-Ahrweiler Marketing GmbH. Auch wenn einige kleinere Projekte schon jetzt mit vorhandenen Mitteln umgesetzt werden könnten, bestehe die Hauptaufgabe nun darin, Finanzierungsmöglichkeiten für die weiterführenden Maßnahmen zu erörtern. „Eine Mammutaufgabe, der wir Touristiker uns gerne stellen, weil wir die touristische Zukunft des Ahrtals fest im Blick haben“, so das Fazit des Ahrtal-Tourismus Vorsitzenden Christian Lindner. „Doch wir sind insbesondere auf die Mitwirkung der Politik und ihre Unterstützung auf allen Ebenen angewiesen. Ohne sie ist eine Umsetzung schlichtweg nicht möglich“, appellierte er in Richtung Kommunen, Kreis und Land.

Publikum wird jünger

Auch beim anschließenden Podiums-Talk mit Antje Körtgen (Winzerhof Körtgen), Peter Kriechel (Vorsitzender Ahrwein e.V.), Maike Gausmann-Vollrath (Kreiswirtschaftsförderung Landkreis Ahrweiler), Guido Mombauer (Vorstandsmitglied Kreissparkasse Ahrweiler), Ministerin Daniela Schmitt und Christian Lindner (Vorsitzender Ahrtal Tourismus e.V.) wurde die touristische Zukunft des Ahrtals in den Fokus genommen. So stellte Peter Kriechel fest, dass das Publikum jünger wird und die Zahl der Tagesgäste zunimmt. Events wie der Weinmarkt oder der Ahr-Wein-Walk seien sehr wichtig, da vor allem unter der Woche der Umsatz bei den Winzern noch sehr schwach sei. Mit Besorgnis schauen Kriechel und die Ahr-Winzer auf den geplanten „Green Deal“ der EU der, sollten dessen Pläne umgesetzt werden, für die hiesigen Winzer existenzbedrohend wäre. „Rund 90 Prozent unserer Rebflächen könnten dann schlichtweg nicht mehr bearbeitet werden“, so Kriechel. Diese Sorgen teilte Ministerin Schmitt: „Der Entwurf des Green Deal ist in dieser Form inakzeptabel. Wir müssen, über Parteigrenzen hinweg, gemeinsam dagegen vorgehen.“

Zukunftsfähigkeit und Lebensqualität

Guido Mombauer stellte die Wichtigkeit des Tourismus und des Handels für die Region in den Mittelpunkt: „Das ist die Branche Nummer eins im Ahrtal, auch wenn mir der Einzelhandel manchmal etwas zu kurz kommt. Denn ein guter Einzelhandel lockt Gäste an und ist von entscheidender Bedeutung für den Wohlstand einer Region.“ „Unser Ziel muss die Zukunftsfähigkeit des Tourismus und eine hohe Lebensqualität für die Einwohner sein – dann bekommen wir auch die notwendigen Fachkräfte“, ergänze Maike Gausmann-Vollrath.

Der Ahrtal-Tourismus-Vorsitzende Christian Linder begrüße im Bürgerzentrum zahlreiche Gäste aus Tourismus und anderen Branchen. Foto: DU

Der Ahrtal-Tourismus-Vorsitzende Christian Linder begrüße im Bürgerzentrum zahlreiche Gäste aus Tourismus und anderen Branchen. Foto: DU

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