Allgemeine Berichte | 14.08.2017

Sinziger Händler beziehen Stellung

Ein vielfältiges Angebot und zahlreiche Fachgeschäfte

Verkauft Damen-Mode am Markt: Dorothee Kraume hat vor einigen Monaten ihr Modegeschäft in derInnenstadt eröffnet und sich ganz bewusst für den Standort Sinzig entschiedenBL

Sinzig. „Da wird einfach viel ganz bewusst kaputt geschrieben“, ärgerte sich Thomas Andres, der mit seiner Frau Melanie am Sinziger Brunnenplatz ein Hörakustikfachgeschäft betreibt. „Die Liste mit dem, was es noch in Sinzig gibt, ist deutlich länger, als die, was in den vergangenen Jahren weggefallen ist“, betonte Andres, der sich über die Reportage sehr geärgert hat. Andreas Schwerter Vorsitzender von „Aktiv für Sinzig“ steht dieser Form der Berichterstattung sehr kritisch gegenüber. „So schlecht wie beschrieben, stehen wir in der Sinziger Innenstadt nun bei Leibe nicht da“, stellt Thomas Andres noch einmal heraus. Die Sinziger Einzelhändler verweisen dabei auf eine ganze Reihe von Fachgeschäften, die in Innenstädten der Größenordnung Sinzigs im Normalfall nicht vertreten sind. Der Ärger in Sinzig ist zwar da, aber im Einzelhandel gibt es durchaus auch selbstkritische Töne. So von Dorothee Kraume, die ihr Modegeschäft Adora vor einigen Monaten direkt am Sinziger Markt wieder eröffnet hat. „Ich habe mich bei der Geschäftseröffnung ja ganz bewusst für den Standort Sinzig entschieden“, so Kraume, die auf einen großen Kreis von Stammkundinnen zählen kann. In der Reportage spielte der geplante Kauf eines Bikinis übrigens eine zentrale Rolle. Den hat auch Dorothee Kraume nicht im Angebot. Aber wer will, kann in Sinzig auch einen Bikini bekommen, und zwar bei NKD in der Mühlenbachstraße. In Sinzig kann man also auch einen Bikini kaufen.

Bewusst für den Standort Sinzig entschieden

Thomas Zimmermann von der Buchhandlung Walterscheid hat sich eher darüber geärgert, dass die drei in Sinzig ansässigen Buchhandlungen mit einem Satz am Rande lapidar abgetan werden. „Diese drei Buchhandlungen sind ein absolutes und positives Alleinstellungsmerkmal der Stadt“, stellt Thomas Zimmermann heraus. Der erwähnt, dass gerade der Buchhandel durch den Onlinebereich stark bedrängt wird. In Deutschland soll es im Schnitt nur noch eine Buchhandlung auf 40.000 Einwohner geben. Und unter diesem Blickwinkel ist Sinzig mit den bestehenden Buchhandlungen Lesezeit, Walterscheid und Sauer dann eine absolut positive Ausnahme. Gerade Spielwaren Sauer genießt zudem auch überregional große Anerkennung und zieht Kundschaft aus fast dem gesamten Kreisgebiet an. Richtig in Rage gerät wegen der der negativen Tenzdenzberichterstattung Claudia Flück. Die betreibt in der Mühlenbachstraße ihr Fotofachgeschäft und dies gibt es längst nicht in allen Städten der Sinziger Größenordnung. „Es gibt sehr viele sehr gute inhabergeführte Fachgeschäfte in Sinzig“, meint Claudia Flück, und beginnt aufzuzählen. Auch sie hat die drei Buchhandlungen im Visier, ihr eigenes Geschäft, die die drei Mode-Boutiquen und natürlich auch das Feinkostgeschäft „Les olives“ von Marie-Lise Genette. Ebenso wie Thomas Zimmermann freut sie sich auch über den wachsenden Trend der neuen Secondhandläden in Sinzig. Erst jüngst eröffnete ein großer Antikladen in den Räumen des ehemaligen CAP-Marktes. „Natürlich ist nicht alles Gold, was glänzt aber wir können mit dem Gesamtangebot in der Sinziger Innenstadt durchaus zufrieden sein“, ist Claudia Flück mit der Negativberichterstattung absolut nicht einverstanden.

Der Kampf gegen den Leerstand war erfolgreich

In Sinzig wird auf jeden Fall recht emotional reagiert und diskutiert. Den Sinn dahinter, die Innenstädte an der Rheinschiene sozusagen kaputt zu schreiben, versteht niemand so recht. Auch Maike Gausmann-Vollrath Tourismuschefin und Wirtschaftsfördererin im weißen Rathaus am Kirchplatz reagiert auf die Reportage. Sie verweist darauf, dass man in den vergangenen Jahren recht erfolgreich im Kampf gegen die Leerstände gearbeitet hat, und nimmt wie folgt Stellung: „Die Betrachtung der vorhandenen Sortimente (Obst- und Gemüseladen, Lebensmittelgeschäft, Optiker, Apotheken, Elektroartikel, Antiquitäten, Schuhgeschäft, Modegeschäft, Kleiderdiscounter, 3 Buchläden, Spielwaren, Feinkost, Juwelier, Fahrradhandel, Metzger, Bäcker, Sanitätshaus, Haushaltswaren…) zeigt, dass Sinzig über ein hervorragendes Einzelhandelsangebot in der Innenstadt verfügt. Dass die Situation aktuell gut ist, zeigt auch die geringe Leerstandsquote. Der Leerstand im Einzelhandel liegt derzeit bei unter 3 Prozent der Gesamtverkaufsfläche. Optimiert werden könnte das Angebot evtl. noch durch ein Herrenbekleidungsgeschäft oder eine Parfümerie. Diese Sortimente sind jedoch allgemein selten in kleineren Städten anzutreffen.

Aber nicht nur der Einzelhandel, auch das gastronomische Angebot, vielfältige Dienstleister oder auch die Gestaltung des öffentlichen Raumes machen einen Besuch in der Sinziger Innenstadt lohnenswert. Hier bilden insbesondere die neu installierten historischen Ansichten und die bunten Barbarossafiguren Höhepunkte, die es beim nächsten Einkauf in Sinzig zu entdecken gilt.“. BL

Melanie und Thomas Andres betreiben ihr Hörakustik Geschäft am Brunnenplatz:

Melanie und Thomas Andres betreiben ihr Hörakustik Geschäft am Brunnenplatz:

Claudia Flück in ihrem Fotofachgeschäft in der Mühlenbachstraße. Sie weist darauf hin, dass es zahlreiche, gute inhabergeführte Fachgeschäfte in Sinzig gibt.

Claudia Flück in ihrem Fotofachgeschäft in der Mühlenbachstraße. Sie weist darauf hin, dass es zahlreiche, gute inhabergeführte Fachgeschäfte in Sinzig gibt.

Verkauft Damen-Mode am Markt: Dorothee Kraume hat vor einigen Monaten ihr Modegeschäft in der Innenstadt eröffnet und sich ganz bewusst für den Standort Sinzig entschiedenFotos: BL

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