Allgemeine Berichte | 03.11.2025

EinSpruch: Der Tag dazwischen

Sebastian Wolter.  Foto: privat

Der 9. November ist kein Feiertag. Er lässt sich nicht feiern, ohne dass einem das Lächeln im Halse stecken bliebe. Und er lässt sich nicht betrauern, ohne dass ein Funke Hoffnung aufglimmt. Ein widersprüchlicher Tag – gerade das macht ihn so bedeutend.

1918, 1938, 1989 – Aufbruch, Absturz, Auferstehung. In dieser Bewegung verdichtet sich die deutsche Geschichte auf einmalige Weise. Der 9. November steht gleichzeitig für das, was unser Land geworden ist – und für das, was es nie wieder werden darf.

Dieser Tag erinnert uns daran, dass Deutschland immer wieder neu anfangen musste. Dass Stärke aus der Bereitschaft erwächst, Fehler einzugestehen und Verantwortung zu übernehmen. Nur wer sich erinnert, kann etwas verändern.

Die Forscherin Aleida Assmann nennt das „Gedächtniskultur“. Gemeint ist, dass wir gemeinsames Erinnern brauchen, um zu verstehen, wer wir sind. Aber diese Erzählungen dürfen nicht verklären, sie müssen auch die Brüche aushalten. Gerade darin liegt der Wert unserer Erinnerung: Sie schönt nicht, sie schweigt nicht – sie hält aus. Vielleicht liegt darin etwas Tröstliches für uns alle: Wir finden Einheit nicht in der makellosen Vergangenheit, sondern im gemeinsamen Lernen aus dem Zerrissenen.

In dieser Hinsicht ist der 9. November mehr als ein historisches Datum. Er ist ein Spiegel. Er zeigt uns, wer wir sind: ein Volk, das gelernt hat, sich seiner Geschichte zu stellen. Ein Staat, dessen Selbstverständnis in Verantwortung wurzelt – und gerade deshalb auf Hoffnung gegründet ist.

Der christliche Glaube kennt diese Bewegung: vom Dunkel zum Licht, vom Kreuz zur Auferstehung. Der 9. November ist, wenn man so will, der Samstag zwischen Karfreitag und Ostersonntag. Kein Tag der Trauer, kein Tag des Jubels – ein Tag dazwischen.

Vielleicht ist es das größte Vermächtnis dieses Datums, dass es uns zeigt: Aus dem, was zerbrochen ist, kann Neues wachsen.

Über „Einspruch“

„Einspruch“ ist eine Kolumne der Pfarrei Bad Neuenahr-Ahrweiler. Sebastian Walter ist Theologe und tätig für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Pfarrei.

Sebastian Wolter. Foto: privat

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  • Rita Butz: Sehr schön verfasster Bericht , sehr zutreffend und diese beiden " Helden " üben eine Vorbildfunktion für unsere Gemeinde aus !! L. G. verbunden mit meiner höchsten Wertschätzung!!

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