Allgemeine Berichte | 30.09.2024

Ahr: Der Aktionstag Starkregen und Hochwasser fand große Resonanz und soll zur festen Einrichtung werden

Einsatz für mehr gesunden Menschenverstand

Der Aktionstag war gut besucht.  Foto: GS

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Der fortscheitende Klimawandel sorgt für eine Zunahme der Intensität und Häufigkeit von Starkregenereignissen – auch in Bad Neuenahr-Ahrweiler. „Spätestens in Folge der Flutkatastrophe 2021 und der vergangenen Starkregenereignisse im Mai dieses Jahres wurde die Verwundbarkeit der Stadt gegenüber Starkregenereignissen wiederholt deutlich.“ Das sagte Bürgermeister Guido Orthen bei der Eröffnung des ersten Aktionstages Starkregen und Hochwasser in der Landskroner Festhalle in Heimersheim. Und war sich einig mit Referent Professor Dr. Lothar Kirschbauer von der Hochschule Koblenz: „Es gibt keinen absoluten Schutz. Wir können nur die Auswirkungen reduzieren.“

Daher auch Orthens Forderung: „Eine erfolgreiche und vor allem wirksame Starkregen- und Hochwasservorsorge kann nur durch das gemeinsame Handeln öffentlicher Entscheidungsträger im Zusammenspiel mit privaten Maßnahmen zur Eigenvorsorge gelingen.“ Denn aufgrund ihrer geografischen Lage werde die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler auch weiterhin anfällig für die Folgen von Starkregen sein. Daher sei die Vorsorge im Blick der politisch Verantwortlichen und im Bewusstsein des ganzen Ahrtals, so Orthen, der sich besonders freute, dass auch ein Erdkunde-Leistungskurs der Stufe zwölf des Peter-Joerres-Gymnasiums zum Aktionstag gekommen war.

Damit wurde aber auch bildlich klar, Hochwasserschutz ist eine Generationenaufgabe. Und auch deshalb machten die Schüler „Überstunden“. Denn Planung und Bau von Schutzmaßnahmen wie den 19 Rückhaltebecken an der Oberahr, „wird sie ein Leben lang begleiten“. Deshalb gelte es laut Orthen „mehr nach vorne zu schauen und nicht in Wahlterminen zu denken“ Beim Hochwasserschutz sei Sensibilität gefragt und „nachzuholen, was wir versäumt haben“.

Gesetzgeber gefordert

So sei ein klares Konzept für die Wiederherstellung der Ahr gefordert, „das dauert“. Es gehe um resilienten Wiederaufbau, bei dem, so Orthen, „wir die Ahr und die Brücken nicht mehr so bauen wie sie waren“. Und da wurde der Bürgermeister auch in Richtung des Gesetzgebers fordernd: „Die Verfahren müssen sich deutlich verschlanken. Denn Hochwasserschutz ist Menschenschutz, da müssen andere Verfahren hintenanstehen.“ Statt langwieriger Verfahren wünscht er sich mehr „gesunden Menschenverstand und schnelles Handeln“. Und will auch eine Tradition begründen, denn der Aktionstag Starkregen und Hochwasser soll keine Eintagsfliege bleiben.

Es sollte ein spannender Tag mit spannenden Themen unter Moderation von Alfred Bach vom Planungsstab Aufbau der Stadtverwaltung werden. So beim Vortrag von des promovierten Bauingenieurs Lothar Kirschbauer, der gerade in Richtung der Gymnasiasten im Publikum für seinen Beruf warb, um die Zukunft zu gestalten. Auch riet er massiv zur Eigenvorsorge, denn Starkregen werde durch den Klimawandel in Zukunft häufiger auftreten und ein heute noch hundertjähriges Hochwasserereignis werde künftig alle 60 Jahre auftreten. Darauf gelte es sich im öffentlichen und im privaten Bereich gleichermaßen vorzubereiten.

Und wie sich Starkregen auswirken kann, konnten die Besucher des Aktionstages nicht nur hören, sondern auch visuell erfassen. Denn die Universität Münster hatte ein interaktives Hydraulikmodell im Gepäck. Da konnte in einer Art Sandkasten eine Landschaft gebaut werden, in der dann das Abflussverhalten von Wasser farblich visualisiert wurde. So wurden „Baufehler“ sofort entlarvt und konnten korrigiert werden. Ein Sandkastenspiel mit erstem Hintergrund.

Vorträge und Präsentationen

Gleiches galt für die Präsentation der Sturzflutgefahrenkarten des Landesamtes für Umwelt Rheinland-Pfalz. Professor Dr. Ralf Pude von der Bonner Universität widmete sich dem Wasserrückhalt auf Flächen in der Region und konkret ins Stadtgebiet ging es mit Vorträgen von Justin Hoerster vom Ingenieurbüro Becker zur Außengebietsentwässerung Heimerheim, Doreen Holzem von der Aufbau- und Entwicklungsgesellschaft zur Gewässerwiederherstellung im Stadtgebiet oder von Otmar Steinborn, der der Frage nachging: „Was trägt der Betriebshof der Stadt zur Starkregenvorsorge im Rahmen von Unterhaltungsmaßnahmen bei?“ Der entsprechende Fuhrpark samt Spezialgerätschaften wurde derweil auf dem Außengelände von Heimersheimer Grundschülern umlagert. Tipps für den Umgang mit privatem Grund und Boden gab es zudem von Garten- und Landschaftsbauer Peter Berg.

Rund um das Thema Vorsorge ging es dann auch bei der parallelen Ausstellung. Diese reichte von der Präsentation professioneller Hochwassersperren über Sauger und Pumpen sowie Fenstersicherungen bis hin zur bautechnischen Beratung, denn, so Mitveranstalter Markus Becker, „schon eine Treppenstufe mehr am Eingang gibt 15 Zentimeter mehr Hochwasserschutz“. Die Kreisstadt informierte zudem über die digitale Messung und Überwachung der Wasserstände in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Mit dabei waren auch die Feuerwehr der Kreisstadt, das Technische Hilfswerk sowie die Hochwasserhilfe des Arbeiter Samariter Bundes. Und wer Vorsorge nicht auf die lange Bank schieben wollte, der konnte an einer Füllanlage des Betriebshofes der Stadt gratis bis zu zehn Sandsäcken mitnehmen. GS

Der Aktionstag war gut besucht. Foto: GS

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Mirko Walden: Es ging doch darum, dass nicht gewarnt wurde und die Lage nicht erkannt wurde. Ebenfalls wurden keine Maßnahmen umgesetzt. Was ist hierzu passiert? Was bringen neue Sirenen, wenn nicht evakuiert wird?...
  • Dieter Borrmann: Der landschaftlich großartige Weg unterhalb Brauselay über den Conder Kreuzweg nach Cond ist teils unbefestigt, teils sehr glatt, teils steil. Sehr gutes, rutschfestes Schuhwerk (Profilsohle) wird unbedingt angeraten.
  • Bertram: Das ist mittlerweile der 4. Bus der von dieser Marke vollkommen ausbrennt. Des Weiteren berichte die Rhein Zeitung darüber, dass der VREM 37. Busse der ersten Generation vorsichtshalber außer betrieb...
  • Fabian F: Nichts Neues gefühlt ein Bus pro Woche
Dauerauftrag Imageanzeige
Imageanzeige - Dauerauftrag
Bestellung Nr. 4300003040 - W100 - 606 // Wohnträume MYK
Veranstaltung 15.April
Wohnträume
SO 2 - Wohnträume Sonderseiten -bitte beim Text vom Gartenmarkt
Stellenausschreibung Hausmeister/in
Aushilfskraft (w/m/d)
Empfohlene Artikel
Symbolbild.
22

Buchholz. Am Sonntag, dem 22.03.26 wurden im Rahmen eines Schadensfalls mit zwei toten und einem verschwundenen Damwild aus dem Gemeindegebiet Buchholz, Verbandsgemeinde Asbach (Kreis Neuwied) DNA-Abstriche genommen und an das Senckenberg Institut zur Analyse überstellt. Bei der Untersuchung der Proben wurde als Ergebnis „Wolf“ mit dem Haplotyp HW01 - daher zugehörig zur Mitteleuropäischen Flachlandpopulation - nachgewiesen.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Daueranzeige 2026
Werbeplan 2026
Wir helfen im Trauerfall
Titelanzeige KW 15
Vorabrechnung, Nr. AF2025.000354.0, April 2026
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0220#
Koblenzer Kneipengeschichten
Titelanzeige KW 15
Wohnträume - Wohnen & Garten im Blick
  WÄRMEPUMPE ÖL/GASHEIZUNG
Sachbearbeiter/in (w/m/d)
Sonderseite Geschäftsführungswechsel
Anzeige Radiologie & Nuklearmedizin
130 Jahre freiwillige Feuerwehr Bad Neuenahr und Tag der offenen Tür, 19.04.26
Rückseite
Stellenausschreibung: Betriebshof