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Professor Dr. Thomas Schüller sprach im Forum St. Peter in Montabaur

Frauenfrage als Überlebensfrage für die katholische Kirche

Im Interview äußert sich der Münsteraner Kirchenrechtler über die Öffnung der katholischen Kirche für Frauen

Frauenfrage als
Überlebensfrage für die katholische Kirche

Professor Dr. Thomas Schüller. Foto: GBA

21.01.2020 - 18:00

Montabaur. Unter dem Motto „Maria 2.0 – kritische Anfragen an die katholische Kirche“ referierte Professor Dr. Thomas Schüller im Forum St. Peter über Hürden und Möglichkeiten des katholischen Kirchenrechts.

Blick aktuell: Professor Dr. Schüller, Sie haben über Maria 2.0 geredet und die Frauenfrage zur Überlebensfrage für die katholische Kirche erklärt. Warum sehen Sie das so?

Prof. Dr. Thomas Schüller: Nun, weil ja bisher die Hälfte der Menschheit und auch der katholischen Christenheit nicht an den tatsächlichen Leitungsentscheidungen der katholischen Kirche beteiligt wird, weil Männer/Priester/Bischöfe sagen: Frauen können nicht geweiht werden, weil Jesus das nicht gewollt hat, weil er anders gehandelt hat. Aber die Frauen unserer Zeit in einem demokratisch-westlichen Staat sagen: Das ist diskriminierend. Wir wollen gleiche Rechte haben wie die Männer. Wir sind genauso befähigt. Wir können auch Theologie studieren.Und dementsprechend haben wir eine schwierige Situation, dass wir nicht anschlussfähig etwas begründen, was die Welt nicht mehr versteht.

Blick aktuell: Sie haben die Situation beschrieben jetzt hier im westlichen Europa. Wenn Sie in die östlichen Länder gehen, in die Orthodoxie, da wird das durchaus noch anders gesehen, eher patriarchalisch. Gibt es da nicht ökumenische Probleme, auch in der Anerkennung, wenn es jetzt Reformen gäbe in diese Richtung?

Schüller: Ja, das ist ein oft zitiertes Argument auch vonseiten der katholischen Kirchenleitung, dass man sagt: Wir müssen bei diesen Schritten behutsam vorgehen. Ich habe ja in meinem Vortrag ausgeführt, dass es bei den Diakoninnen nicht das Problem sein dürfte, weil selbst diese patriarchalischen Männer in bestimmten Ostkirchen das Diakonat der Frau kennen, auch aus ihrer eigenen Geschichte. Aber tatsächlich vertreten die genauso wie die katholische Kirche die Vorstellung, dass Christus ein Mann war, und dass gerade beim Vorsitz der Eucharistie dementsprechend nur ein Mann, ein geweihter Priester, der Eucharistie vorstehen kann. Das würde ökumenische Irritationen auslösen. Die muss man auch im Blick haben, wenn man diese Forderung diskutiert als Theologe.

Blick aktuell: Was ist Ihnen denn wichtiger: Die Einheit oder die Frauenrechte?

Schüller: Das ist ja eine falsche Alternative, würde ich sagen. Die Einheit ist in der Kirche ein hohes Gut, gerade, weil wir ja spüren, nicht nur hier in Deutschland, dass alles sehr stark polarisiert ist, auch in gesellschaftlichen Diskursen. Und deshalb ist das bischöfliche Amt ganz, ganz wichtig als Amt der Einheit.

Aber das Amt der Einheit dient Menschen. Und wenn eine Hälfte der Menschheit, nämlich Frauen, irgendwie unter die Räder kommt, dann ist es auch ein Gebot am Dienst der Einheit, dass man Frauen stärker mit einbezieht. Ich habe ja auch gezeigt, dass es auch ohne Weihen Möglichkeiten gibt, Frauen in sehr verantwortungsvolle Positionen zu setzen. Da gibt es auch in der Geschichte Beispiele, nämlich die Äbtissinnen.

Blick aktuell: Das betrifft jetzt so ein bisschen die Macht, die Verwaltung der Bischöfe. Wenn ich an die Basis denke, wurden ja auch Äußerungen getätigt hier aus dem Westerwald. Es ist zwar verbreitet, dass es fast überall Messdienerinnen gibt, aber es gibt schon 80-Jährige, die sagen: Mir ist es jetzt als Frau schon lange genug. Ich sehe keine Gleichberechtigung. Ich trete aus der Kirche aus. Was würden Sie dieser einen oder mehreren Damen aus dem Westerwald sagen, die solche Gedanken hegen?

Schüller: Zunächst einmal betrübt es mich und macht mich traurig. Das kann ich auch aus anderen Teilen, auch aus dem katholischen Münsterland, bestätigen, dass jetzt 80-Jährige, aber auch andere katholische Leute austreten. Leute, von denen man das nie gedacht hätte, die sich das auch selbst nicht hätten vorstellen können, die aber einfach nicht mehr glauben, dass die Kirche noch Reformen setzt.

Das betrifft ja nicht nur die Frauenfrage. Da ist die Frage der Sexualmoral, die Frage der zölibatären Lebensform von Priestern und vieles andere mehr. Aber ich würde immer sagen: Wenn euch die katholische Kirche und der christliche Glaube so wertvoll waren, so bedeutsam waren, dann gehen wir, wie vielleicht das Volk Israel, durch die Wüste, haben diese schwierige Erfahrung, und versuchen einfach, Orte zu schaffen, wo wir Glaube feiern, wo wir Glauben leben, und bleibt dabei. Denn nur, wer drin ist, kann Veränderungen herbeiführen. Das gilt für alle gesellschaftlichen Gruppen, das gilt aber auch für die Kirche. Aber man kann nur appellieren und argumentieren.

Blick aktuell: Herzlichen Dank, Herr Professor Dr. Schüller.

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Kommentare
juergen mueller:
Ja - das Ordnungsamt ist viel mehr als nur "Knöllchen". Dafür braucht es auf dem Foto keiner mediengeiler politischer Vertreter, die keinen Anlaß auslassen, mit ihrer gestellten Anwesenheit darauf hinzuweisen, dass ohne sie nichts geht - ein Trugschluß, den noch nicht jeder begriffen hat. Man sonnt sich halt bei jeder Gelegenheit in Situationen, die anscheinend ohne künstlich politisch inszenierte Sonneneinstrahlung offensichtlich verblassen würden. Und die Farbe offenbart es dann doch - man bleibt halt "blass".
juergen mueller:
Wenn einem die Felle davon schwimmen, dann greift man halt nach etwas, was man mit seiner (un)sozialen Einstellung Jahrzehnte ganz einfach wissentlich ignoriert hat. Seit wann interessiert die SPD-Fraktion unter dem Fraktionsvorsitz von Lipinski-Naumann MENSCHEN mit niedrigen/mittleren Einkommen? Bisher konnten mit deren unverhohlenen Zustimmung Investoren ohne Rücksicht auf eine "soziale Quote" bauen auf Teufel komm raus. Diese plötzliche vermeintlich soziale Kehrtwende stinkt nur noch. Das einzig sinnvolle Instrument war bisher nur das, dessen Töne in den eigenen Kram passten. Diese Schleimer- u.Anbieterei um Wählerstimmen ist nur noch erbärmlich.
Marcel Iseke:
Die "jetzigen gefährlichen Einfahrten" sind dann nicht mehr gefährlich? Der Radweg muss einfach komplett freigegeben werden, für die Sicherheit unserer Fahrradfahrer, der Reduzierung des PKW Verkehrs, mehr Bewegung im Alltag, CO2 Reduktion und und und. Keine halben Sachen!!
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