Allgemeine Berichte | 20.01.2020

Professor Dr. Thomas Schüller sprach im Forum St. Peter in Montabaur

Frauenfrage als Überlebensfrage für die katholische Kirche

Im Interview äußert sich der Münsteraner Kirchenrechtler über die Öffnung der katholischen Kirche für Frauen

Professor Dr. Thomas Schüller. Foto: GBA

Montabaur. Unter dem Motto „Maria 2.0 – kritische Anfragen an die katholische Kirche“ referierte Professor Dr. Thomas Schüller im Forum St. Peter über Hürden und Möglichkeiten des katholischen Kirchenrechts.

Blick aktuell: Professor Dr. Schüller, Sie haben über Maria 2.0 geredet und die Frauenfrage zur Überlebensfrage für die katholische Kirche erklärt. Warum sehen Sie das so?

Prof. Dr. Thomas Schüller: Nun, weil ja bisher die Hälfte der Menschheit und auch der katholischen Christenheit nicht an den tatsächlichen Leitungsentscheidungen der katholischen Kirche beteiligt wird, weil Männer/Priester/Bischöfe sagen: Frauen können nicht geweiht werden, weil Jesus das nicht gewollt hat, weil er anders gehandelt hat. Aber die Frauen unserer Zeit in einem demokratisch-westlichen Staat sagen: Das ist diskriminierend. Wir wollen gleiche Rechte haben wie die Männer. Wir sind genauso befähigt. Wir können auch Theologie studieren.Und dementsprechend haben wir eine schwierige Situation, dass wir nicht anschlussfähig etwas begründen, was die Welt nicht mehr versteht.

Blick aktuell: Sie haben die Situation beschrieben jetzt hier im westlichen Europa. Wenn Sie in die östlichen Länder gehen, in die Orthodoxie, da wird das durchaus noch anders gesehen, eher patriarchalisch. Gibt es da nicht ökumenische Probleme, auch in der Anerkennung, wenn es jetzt Reformen gäbe in diese Richtung?

Schüller: Ja, das ist ein oft zitiertes Argument auch vonseiten der katholischen Kirchenleitung, dass man sagt: Wir müssen bei diesen Schritten behutsam vorgehen. Ich habe ja in meinem Vortrag ausgeführt, dass es bei den Diakoninnen nicht das Problem sein dürfte, weil selbst diese patriarchalischen Männer in bestimmten Ostkirchen das Diakonat der Frau kennen, auch aus ihrer eigenen Geschichte. Aber tatsächlich vertreten die genauso wie die katholische Kirche die Vorstellung, dass Christus ein Mann war, und dass gerade beim Vorsitz der Eucharistie dementsprechend nur ein Mann, ein geweihter Priester, der Eucharistie vorstehen kann. Das würde ökumenische Irritationen auslösen. Die muss man auch im Blick haben, wenn man diese Forderung diskutiert als Theologe.

Blick aktuell: Was ist Ihnen denn wichtiger: Die Einheit oder die Frauenrechte?

Schüller: Das ist ja eine falsche Alternative, würde ich sagen. Die Einheit ist in der Kirche ein hohes Gut, gerade, weil wir ja spüren, nicht nur hier in Deutschland, dass alles sehr stark polarisiert ist, auch in gesellschaftlichen Diskursen. Und deshalb ist das bischöfliche Amt ganz, ganz wichtig als Amt der Einheit.

Aber das Amt der Einheit dient Menschen. Und wenn eine Hälfte der Menschheit, nämlich Frauen, irgendwie unter die Räder kommt, dann ist es auch ein Gebot am Dienst der Einheit, dass man Frauen stärker mit einbezieht. Ich habe ja auch gezeigt, dass es auch ohne Weihen Möglichkeiten gibt, Frauen in sehr verantwortungsvolle Positionen zu setzen. Da gibt es auch in der Geschichte Beispiele, nämlich die Äbtissinnen.

Blick aktuell: Das betrifft jetzt so ein bisschen die Macht, die Verwaltung der Bischöfe. Wenn ich an die Basis denke, wurden ja auch Äußerungen getätigt hier aus dem Westerwald. Es ist zwar verbreitet, dass es fast überall Messdienerinnen gibt, aber es gibt schon 80-Jährige, die sagen: Mir ist es jetzt als Frau schon lange genug. Ich sehe keine Gleichberechtigung. Ich trete aus der Kirche aus. Was würden Sie dieser einen oder mehreren Damen aus dem Westerwald sagen, die solche Gedanken hegen?

Schüller: Zunächst einmal betrübt es mich und macht mich traurig. Das kann ich auch aus anderen Teilen, auch aus dem katholischen Münsterland, bestätigen, dass jetzt 80-Jährige, aber auch andere katholische Leute austreten. Leute, von denen man das nie gedacht hätte, die sich das auch selbst nicht hätten vorstellen können, die aber einfach nicht mehr glauben, dass die Kirche noch Reformen setzt.

Das betrifft ja nicht nur die Frauenfrage. Da ist die Frage der Sexualmoral, die Frage der zölibatären Lebensform von Priestern und vieles andere mehr. Aber ich würde immer sagen: Wenn euch die katholische Kirche und der christliche Glaube so wertvoll waren, so bedeutsam waren, dann gehen wir, wie vielleicht das Volk Israel, durch die Wüste, haben diese schwierige Erfahrung, und versuchen einfach, Orte zu schaffen, wo wir Glaube feiern, wo wir Glauben leben, und bleibt dabei. Denn nur, wer drin ist, kann Veränderungen herbeiführen. Das gilt für alle gesellschaftlichen Gruppen, das gilt aber auch für die Kirche. Aber man kann nur appellieren und argumentieren.

Blick aktuell: Herzlichen Dank, Herr Professor Dr. Schüller.

Professor Dr. Thomas Schüller. Foto: GBA

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
Rund um´s Haus
Essen auf Rädern
Image Anzeige
Stellenanzeigen
2+1 Aktion
Auftrag, Nr. AF2026.000438.0, August 2026 Teil2
Stellenanzeige
Titelanzeige
Empfohlene Artikel
Weinfest in Walporzheim
21

Wein. Musik und gute Gesellschaft. Auch in diesem Jahr lockte das Weinfest in Walporzheim zahlreiche Besucher in den beschaulichen Weinort. Jetzt die schönsten Impressionen in unserer Fotogalerie im RegioMAGAZIN entdecken.

Weiterlesen

Ein Streifenwagen voller Freude
31

Es erfordert nicht immer Blaulicht, komplexe Lagen oder lange Vorbereitungen, sondern einfach nur ein wenig Zeit und Menschen, die bereit sind, sie zu schenken. Dies zeigte sich eindrucksvoll am 18. August 2026, als die Polizeibeamtinnen Hannah Berenz und Bianca Schmitz von der Polizeiinspektion Andernach die Förder- und Wohnstätten GmbH in Kettig besuchten. Die ganze Geschichte jetzt lesen im RegioMAGAZIN.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Genuss, Wohnen, Garten, Mode und Kunst: Bei der Herbstpartie kommen die Besucher auf ihre Kosten.  Foto: Reno Müller
678

Namedy. Den Spätsommer bewusst genießen und besondere Tage erleben: Vom 4. bis 6. September 2026 lädt die Herbstpartie Burg Namedy zu einem stimmungsvollen Lifestyle-Markt in einzigartiger historischer Umgebung ein. Auf dem weitläufigen Gelände der Burg Namedy präsentieren rund 160 sorgfältig ausgewählte Ausstellerinnen und Aussteller ihre hochwertigen Angebote – eingebettet in Burgmauern, Parklandschaft und spätsommerliches Licht.

Weiterlesen

Madina und Hannah laden ab dem 03. September wöchentlich zur Kinderspielegruppe in der Koblenzer Innenstadt ein
657

Kinderspielegruppe Koblenz

Neue Kinderspielegruppe in Koblenz

Die Johanniter-Unfall-Hilfe bietet Eltern mit Kindern zwischen null und drei Jahren ab September eine neue Freizeitmöglichkeit: Eine neue Kinderspielegruppe öffnet in der Casinostraße 48–54 ihre Türen.

Von Tobias Zimmermann Johanniter-Unfall-Hilfe aus KOBLENZ

Weiterlesen