Die Gärtnerei Wershofen startet nach dem Hochwasser neu durch

Gärtner in Ahrweiler: Ein Totalschaden ist noch lange kein Hindernis

12.10.2021 - 08:52

Ahrweiler. Am Morgen des 15. Juli, also nach der Nacht, als das Wasser kam, sah es auf dem Gelände der Gärtnerei Wershofen so aus, wie an vielen Stellen in Ahrweiler. Alles war kaputt, verschlammt, unbrauchbar. Kaum eine der Pflanzen, Blumen oder Bäumchen hatte die Katastrophe überstanden. Das Areal in der Kalvarienbergstraße glich einem Trümmerfeld. Auch die Verkaufs- und Bürogebäude waren hin. Nur der Klostergarten ein paar Meter weiter hat die Flut überstanden. Dennoch: „So haben wir uns das nicht vorgestellt“, meint Gärtnermeister Christoph Ulrich im Nachhinein. Und: Das Ausmaß der Katastrophe wohl niemand in dieser Intensität im Vorfeld erahnt. Am Flutabend selbst war Ulrich bei seinen Eltern, die in der Grafschaft wohnen. Von der Katastrophe hat er also zunächst nicht viel mitbekommen, zumindest nicht unmittelbar. Nach einer unruhigen Nacht machte er sich auf den Weg nach Ahrweiler, „um sich die Bescherung anzusehen“, wie er sagt. Allein dieses Unterfangen war anstrengender als sonst: Aufgrund der vielen zerstörten Straßen musste Ulrich die Autobahn nehmen, um dann über Ramersbach fahren um zu seiner Gärtnerei zu kommen. Ein Höllenritt. Und was Ulrich dann sah, war zwar grauenhaft, aber kein Grund zur Aufgabe. „Für uns war das gar keine Frage, ob wir wieder aufbauen oder nicht,“ sagt er. „Natürlich machen wir weiter.“ Was folgte war ein schier endloses Aufräumen und Schlamm schippen. Ganze zwei Wochen brauchte es, bis der Gärtnereibetrieb wieder manierlich aussah. Der erste Schritt war, alle zerstörten Pflanzen, Blumentöpfe und Dekogegenstände auf einen Haufen zu schaufeln. Und danach weg damit. Was anderes blieb nicht übrig. Ein paar Hecken haben zwar die Wassermassen überlebt, verkaufen konnte man das aber nicht mehr. Es ist also nicht untertrieben von einem Totalschaden zu sprechen.



Ein Lebenswerk wurde fortgespült


Auch für Ralf Wershofen, der die beliebte Firma außerhalb der Stadtmauer Ahrweiler über Jahrzehnte aufbaute, war der Anblick seiner Gärtnerei ein Schock. Er und seine Frau Hanna wohnen direkt neben dem Betrieb. Die beiden waren in ihrem Haus beschäftigt – dann kam das Wasser. Flugs holte der Senior Chef einige wichtige Gegenstände aus dem Keller und die Flucht begann. Mitnehmen konnten sie kaum etwas, so schnell stieg der Pegel. Das Ehepaar machte sich in Richtung Kloster auf, dort stand das Wasser bereits kniehoch. Die beiden überstanden die Flut unbeschadet. Doch den Anblick, dass ihr Lebenswerk, das sie in mühsamer Arbeit in über 30 Jahren aufgebaut haben, innerhalb weniger Minuten 1,40 Meter unter Wasser stand, werden sie nie vergessen.


Neustart hat bereits begonnen


Heute sitzen Christoph Ulrich und Junior-Chef Thomas Wershofen bei einem Pappbecher Kaffee in ihrem neuen Büro-Container. Der wurde dort aufgebaut, wo einst ein normales Gebäude stand. Es kommen wieder Aufträge herein und Kunden fragen nach Tipps für den Garten. Kurzum: Der Betrieb ist wieder angelaufen und die Gärtnerei hat wieder geöffnet. Selbstverständlich war der Weg bis hier hin mühselig. Ulrich ist sich außerdem sicher: Ohne die vielen Helfer hätte man das nie geschafft. Mit dem Wort „Helfer“ ist eine ganze Bandbreite verschiedener Unterstützer gemeint. Mit dabei waren freiwillige Helfer, ganz klassisch mit Schaufel und Gummistiefel. Und dann war da noch die Bundeswehr. Die Soldaten haben einen festgefahrenen Bagger aus Wershofens Fuhrpark aus dem Schlamm gezogen. Apropos Fuhrpark: Viel ist von den Fahrzeugen des Gärtnereibetriebes nicht mehr übrig. Aber auch das ist kein Grund zum Aufgeben. Viel mehr freuen sich Ulrich und Wershofen über die kleinen Silberstreifen am Horizont. Ein solcher war die Eröffnung der Behelfsbrücke des THW an der Stelle, wo einst die Ahrtorbrücke stand. Dank der neuen Querung kommen auch wieder mehr Kunden in die Kalvarienbergstraße. Ulrich: „Das die Infrastruktur wieder hergestellt wird, ist das Allerwichtigste“, sagt er. Und damit meint der Gärtnermeister nicht nur die Zufahrtswege zur Gärtnerei, sondern alle Straßen im noch zerstörten Ahrtal.

In der Traditionsgärtnerei gehen die Planungen mit Tatendrang weiter. Bald möchte man wieder kleine Events auf dem Gelände durchführen. „Wir blicken mit Optimismus in die Zukunft“, so Ulrich zum Schluss. ROB

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