Allgemeine Berichte | 23.03.2023

Landrätin Cornelia Weigand begleitet die erste von sechs öffentlichen Informationsveranstaltungen im Kreis Ahrweiler

Gewässerwiederherstellungskonzept Ahr in Sinzig vorgestellt

Sinzig. Die Hochwasserkatastrophe im Juli 2021 hat zu erheblichen Veränderungen an der Ahr und ihren Nebengewässern geführt. Um darauf zukunftsgerecht zu reagieren, hat die Kreisverwaltung Ahrweiler ein Konzept zur Wiederherstellung der Ahr und ihrer Zuflüsse II. Ordnung – Trierbach, Adenauer Bach und Nohner Bach – in Auftrag gegeben. Ein umfassendes Gewässerwiederherstellungskonzept liegt inzwischen vor. Im Helenensaal in Sinzig informierten sich zahlreiche Bürgerinnen und Bürger im Rahmen der ersten von sechs öffentlichen Veranstaltungen über die geplanten Vorhaben und Maßnahmen und nutzten die Gelegenheit, eigene konstruktive Anregungen einfließen zu lassen. „Mit dem Gewässerwiederherstellungskonzept, an dem insgesamt fünf Ingenieurbüros gearbeitet haben, wird die fachliche Grundlage gelegt, wieder ein funktionierendes Gewässer zu schaffen. Dabei soll keine Eins-zu-eins-Wiederherstellung erfolgen, sondern die Ahr für künftige Hochwasser aber auch für Dürren präpariert werden“, sagte Landrätin Cornelia Weigand zu Beginn.

Was konkret geplant ist, erläuterten Anja Toenneßen, Fachbereichsleiterin Aufbau und Nachhaltigkeit bei der Kreisverwaltung Ahrweiler, und Stephan Porz vom Ingenieurbüro Porz & Partner aus Bad Bodendorf. Toenneßen stellte zunächst konzeptionelle Bausteine der überörtlichen Hochwasservorsorge auf Kreisebene vor und kam dabei auf den Dreiklang bestehend aus Wasserrückhalt und Technischem Hochwasserschutz im Rahmen des überörtlichen Maßnahmenplans, den Arbeitsfeldern der Hochwasserpartnerschaft Ahr und insbesondere der Gewässerwiederherstellung und -entwicklung zu sprechen. „Das Gewässerwiederherstellungskonzept ist ein erster Schritt und ein Baustein der wirksamen Hochwasservorsorge, der maßgeblich dazu beiträgt, dass ein resilientes Gewässer entstehen kann“, sagte die Fachbereichsleiterin. „Ziele der Konzeption sind die Gefahrenbeseitigung, die Verbesserung der Gewässerstruktur und des Abflusses sowie die Aktivierung einer angestrebten Rückhaltefunktion.“

Das Ingenieurbüro Porz & Partner aus Bad Bodendorf hat im Rahmen der Konzeptionierung zahlreiche Begehungen an der Ahr im Stadtgebiet Sinzig durchgeführt, strukturelle Bestände und Defizite ermittelt und kartiert sowie Maßnahmenvorschläge für die Wiederherstellung des 6,2 Kilometer langen Gewässerabschnittes entwickelt. „Im Konzept beschreiben wir Zielkonflikte mit bestehenden Nutzungen und Zwangspunkten. Zudem fließen in die Analyse hydraulische Betrachtungen des Plangebietes ein. Daraus erwachsen die Vorschläge für Maßnahmen“, erläuterte Porz. Bei der grafischen Darstellung des Bestands und der Defizite wurden neben allgemeinen Gewässerdaten auch Daten zum Gewässerverlauf vor und nach der Flut, zu Erosionsschäden und Sohlauflandungen, zum Verlust von Gewässerstrukturen und Bewuchs, zu Querschnittseinengungen (etwa durch Schüttungen) sowie zu Brücken und Bauwerken berücksichtigt und eingepflegt. Etwa Sohlauflandungen habe es infolge der Flut in Sinzig mehrfach gegeben, führte Porz exemplarisch aus. „Auch fehlender Bewuchs am Ufer bringt vermehrt Probleme mit sich, denn dann erwärmen sich die Gewässer, was wiederum deren Sauerstoffgehalt reduziert. Das hat unmittelbar negative Auswirkungen auf die heimische Flora und Fauna.“ Entsprechend konnte das Ingenieurbüro ein zwischenzeitliches Ergebnis der Bestandsaufnahme im Einzugsgebiet Sinzig präsentieren: „Wir haben 145 sogenannte Bestandsargumente, größtenteils mit Defiziten, katalogisiert. Auf dieser Basis haben wir 49 Maßnahmen nach Priorität vorgeschlagen.“ Mögliche Umsetzungsvarianten dieser Vorschläge skizzierte Porz anhand konkreter Beispiele aus Bad Bodendorf. Dort hatte unter anderem starke Seitenerosion für zahlreiche Schäden an der Infrastruktur nahe Siedlungsbereichen, an Uferabschnitten oder Radwegen gesorgt. Für entsprechende Abschnitte im Kurgebiet sprachen sich die Ingenieure daher für eine angepasste Uferbefestigung sowie zur temporären Sicherung, die Wiederherstellung eines Dammes aus. „Unterhalb der Burggrafenstraße sind infolge der starken Seitenerosion bebaute Bereiche gefährdet. Deshalb schlagen wir vor, dort eine Steinschüttung einzubringen, um eine weiter fortschreitende Erosion zu verhindern. Zusätzlich sollen Strömungslenker integriert werden, um Pralluferbereiche künftig zu entlasten.“ Auch für die Gewässerwiederherstellung in Sinzigs Kernstadt haben die Experten Vorschläge unterbreitet. An der Ahrbrücke an der Kölner Straße solle deren Konzept zufolge eine als Sicherung nach der Flutkatastrophe eingebrachte Steinschüttung teilweise entfernt werden, da diese den Abflussquerschnitt einengt. Zusätzlich sollen Auflandungen im Gerinne beseitigt werden. Die Wiederherstellung einer Fischtreppe und einer Sohlrampe, die zur Überwindung eines Höhenunterschieds im Verlauf eines Gewässers dienen, sind ebenfalls vorgesehen. „Ziel ist es, bei der Wiederherstellung auch die Entwicklungspotenziale am Gewässer zu nutzen“, sagte Porz. Konkret sollen somit Retentionsräume oder Gewässerentwicklungsflächen im Vorland sowie vorteilhafte Flusskorridore erschlossen werden. Im Fokus steht neben der Aufwertung der Gewässerstruktur und -ökologie auch eine Verbesserung der hydraulischen Verhältnisse. Am Beispiel der Bad Bodendorfer Ahrwiesen erläuterte das Ingenieurbüro, wie die Erschließung von Retentionsraum auf einer potenziellen Entwicklungsfläche am Steilufer gelingen kann. „Wir schlagen dafür eine Uferabsenkung zur Aktivierung von Hochwasserkorridoren und einen Polder vor dem Siedlungsgebiet auf einer etwa neun Hektar großen Fläche vor“, sagte Porz. „Somit kann zurückgehaltenes Wasser unseren Berechnungen zufolge im Ernstfall zu einem deutlich reduzierten Wasserstand ahrabwärts beitragen.“ Auch in Sinzigs Kernstadt könnten Porz zufolge Gewässerentwicklungsflächen und Abflusskorridore gegenüber des Sinziger Mineralbrunnens oder durch ein Absenken der Sportplätze „Grüner Weg“ entstehen. „Ein leistungsfähiger Flussquerschnitt ist erforderlich, um Wasser möglichst gefahrlos durchzuleiten. Für dieses Ziel haben wir zahlreiche Vorschläge unterbreitet, die wir hiermit zur Diskussion stellen“, resümierte Porz. Im Anschluss hatten zahlreiche Bürgerinnen und Bürger die Gelegenheit, relevante Anliegen vorzutragen. Experte Porz beantwortete in diesem Zuge Fragen zur noch ausstehenden Beseitigung von Abraum und Totholz aus der Ahr und ihren Uferbereichen. Auch die Anregung aus dem Plenum, unterirdischer Schächte in der Nähe der Kläranlage als mögliche Wasserkorridore in Erwägung zu ziehen, nahmen die Referierenden dankend auf. „Es ist wichtig, sich über die Vorschläge für Sinzig zu informieren“, sagte Landrätin Weigand. „Denn nur so können wir uns austauschen und das Ziel eines gemeinsamen Plans möglichst schnell erreichen. Hochwasserschutz geht uns alle an. Deshalb hoffen wir weiter auf rege Beteiligung an den Folgeveranstaltungen zur Vorstellung des Gewässerwiederherstellungskonzeptes.“ Die ausstehenden Informationsveranstaltungen zum Gewässerwiederherstellungskonzept finden wie folgt statt:

• Verbandsgemeinde Altenahr – Ortsgemeinden Hönningen, Ahrbrück und Altenahr: Donnerstag, 23. März 2023, 18 Uhr, Bürgerhaus DüNaLü, Bahnhofstraße 16, 53520 Dümpelfeld;

• Verbandsgemeinde Altenahr – Ortsgemeinden Reimerzhoven, Mayschoß, Rech und Dernau: Mittwoch, 29. März, 18.30 Uhr, Bürgerhaus Dernau, Ahrweg 7, 53507 Dernau;

• Verbandsgemeinde Adenau – Ortsgemeinden Dorsel, Müsch, Antweiler, Fuchshofen, Schuld, Insul und Dümpelfeld: Donnerstag, 30. März 2023, 18 Uhr, Bürgerhaus DüNaLü, Bahnhofstraße 16, 53520 Dümpelfeld;

• Verbandsgemeinde Adenau – Ortsgemeinden am Adenauer Bach (ab Adenau), Trierbach (ab Bauler) und Nohner Bach (ab Borler): Donnerstag, 13. April 2023, 18 Uhr, Bürgerhaus DüNaLü, Bahnhofstraße 16, 53520 Dümpelfeld;

• Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler: Donnerstag, 20. April, 18 Uhr, Helmut-Gies-Bürgerzentrum, Marktplatz 12a, 53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler.

Eine Voranmeldung ist nicht erforderlich, jedoch sind die vorhandenen Plätze begrenzt. Die Ergebnisse werden in Kürze auch auf der Homepage der Kreisverwaltung Ahrweiler unter https://kreis-ahrweiler.de abrufbar sein.

Pressemitteilung

Kreisverwaltung Ahrweiler

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