Gelungener Auftakt der „2x2 Wandertage“ des Hauptvereins des Westerwald-Vereins

Glück gehabt und die Grenzen des Westerwaldes erwandert

14.05.2019 - 13:54

Hilgert. „Schnee im Mai - April vorbei!“, so oder so ähnlich könnte eine alte Westerwälder Bauernregel heißen, die gut die Wetterbedingungen am ersten Tag der „2x2 Wandertage“ des Hauptvereins des Westerwald-Vereins beschreibt.


Die erste Wanderung versprach zu Beginn nicht das Beste. Nach anfänglichen Schneeschauern meinte es das Wetter dann doch gut mit 40 Wanderfreunden. Ohne die Schirme dauerhaft auspacken zu müssen, erlebten sie eine Interessante Wanderung an der nordwestlichen Grenze des geografischen Westerwaldes, im Herzen der Kroppacher Schweiz.

Mit den beiden Wanderführern Rainer Lemmer und Peter Franz und der Unterstützung des Ersten Vorsitzenden des Heimatvereins Helmeroth, erkundeten die Wanderer bei der „Glück-Auf Tour“ auf schmalen Pfaden das Nistertal – übrigens eines der ältesten Landschaftsschutzgebiete von Rheinland-Pfalz.

Das Ortswappen von Helmeroth führt u. a. Schlägel und Eisen und erinnert an die vergangene Bergbaugeschichte. In den Jahren 1860 und 1879 waren in der Gemeinde Helmeroth immerhin über 20 Grubenfelder verliehen. Viele Relikte oder Spuren der Bergbaugeschichte, wie verlassene Erzgruben, eingefallene Stolleneingänge, AbraumhaTlden oder sogar Erzbrocken erinnern an die einstige Haupt-Erwerbsquelle für viele Bürger aus Helmeroth und dem Umland. Weitere „Grenzerfahrungen“ und Informationen vermittelten die Wanderführer beim Überqueren der ehemaligen Grenze am Grenzstein Nr. 43, zwischen dem Königreich Preußen und dem Herzogtum Nassau (heute übrigens die Grenze zwischen den Kreisen Westerwald und Altenkirchen). Natürlich durfte die Anekdote, warum man Menschen, die auf Kosten anderer leben als „Nassauer“ bezeichnet, bei den Erklärungen nicht fehlen.

Nach der Überquerung der Nister, über die Klappbrücke am Camping Platz Nistertal, erwartete die Wanderer das Team vom „ehm Ahlen Backes“ mit der mobilen Einkehr. Das Wetter bot mit viel Himmelblau, Strahlesonne, finsterem Gewölk, erbsengroßen Hagelkörner und sogar Bühnennebel auf der vom Schauer dampfenden Straße, einen beeindruckenden Abschluss der Wanderung. Gut, dass alle Wanderfreunde im Trockenen saßen! Bei Akkordeonmusik und dem obligatorischen „Westerwaldlied“ konnten sie die rundum gelungene Auftaktwanderung der „2x2 Wandertage“ noch einmal Revue passieren lassen.


Kein Weg war zu weit in den Westerwald


Die zweite Wanderung am selben Wochenende führte an die nordöstliche Grenze des geografischen Westerwaldes in das Greifensteiner Land.

Die besseren Wettervorhersagen, aber auch die erlebnisreiche Wanderung vom Vortag, lockten 58 gut gelaunte und motivierte Wanderfreunde an die Ulmbachtalsperre.

Die weiteste Anreise mit über 200 km hatten zwei Wanderfreunde aus Bochum, dicht gefolgt von je zwei Wanderfreunden aus Wörrstadt und Bonn. Insgesamt konnten die Wanderführer Rainer Lemmer und Peter Franz, sowie die Erste Vorsitzende des Zweigverein des Westerwald-Verein Herborn, Christiane Apel, neben vielen WW-Verein Mitgliedern, auch über 30 Nicht-Mitglieder zur Wanderung willkommen heißen.

Es blies zwar ein kalter Wind, aber bei meist blauem Himmel und Sonnenschein ließ es sich gut wandern. Auf 14 km „Burgen, Glocken und Fernblicke soweit das Auge reicht“, das Motto der heutigen Wanderung. Dies weckte Vorfreude bei den Wanderern!

Über schmale Pfade führte die Wanderung über die Wäller-Tour „Greifenstein Schleife“ zur Burgruine Lichtenstein.

Im Wald, beim „Trompetersloch“, konnten die Wanderer im Gelände den Verlauf der ehemaligen „Alten Poststraße“ erkennen. Wanderführer Rainer Lemmer erläuterte den Hintergrund der ehemaligen „Cölnischen Hohen Heer- und Geleitstraße“, einer historischen Handelsstraße, die von Köln über die Reichsstädte Wetzlar und Friedberg nach Frankfurt führte. Natürlich durfte die Sage vom Postkutschenüberfall bei den Erklärungen nicht fehlen.

Burg Greifenstein, imposant auf einem Bergrücken gebaut, ungefähr in der Mitte und fast am höchsten Punkt der Wanderstrecke gelegen, lud zur Rast und Kurzbesichtigung ein. Die beiden Wanderführer erklärten die Geschichte der Burganlage und ihren ehemaligen und heutigen Besitzern.

Der Greifenstein Verein e.V. bietet als heutiger Eigentümer der Burganlage, mit dem Glockenmuseum, der Burg und der sehenswerten Katharinenkapelle, übrigens eine der wenigen barocken Doppelkirchen in Deutschland, ein interessantes Ausflugsziel in der Region.

Die Wandergruppe konnte heute nicht an einer Führung teilnehmen bzw. die Kirche besichtigen. Sicherlich werden einige Wanderer zurückkommen, um in Ruhe diesen besonderen Ort mit „Fernblicken soweit das Auge reicht“ zu erkunden.

Von diesem Punkt der Wanderung aus ging es dann nur noch bergab. Leichten Schrittes und in vielen Gesprächen wanderte die Wandergruppe zurück zum Ausgangspunkt an die Ulmbachtalsperre. Es wartete diesmal keine Akkordeonmusik, dafür aber ein gegrilltes Spanferkel, das zur Freude der Wandernden die Speisekarte des Restaurants bereicherte.

Mit dieser Wanderung konnten einige Wanderer nun schon der zweiten Stempel auf der Gewinnspielkarte verbuchen. „Alle, die zum ersten Mal mit gewandert waren, haben die Möglichkeit, bei der Teilnahme an den nächsten Wanderungen, weitere Stempel auf ihren Stempelkarten zu sammeln und vielleicht sogar eine Reise ins „Erdinnere“ zu gewinnen, so Rainer Lemmer.

Rückblicke und Fotos zu den Wanderungen auf www.typisch-westerwald.de/blog/


Kommende Wanderungen


Die nächsten zwei Wanderungen von „2x2 Wanderungen“ starten jeweils um 10 Uhr. Am 31. August W3 Obernhof – „Nur wo Du zu Fuß warst, bist Du gewesen!“; am 1. September W4 Isenburg – „Ruinen, Ritter und Rundwanderung auf der Wäller-Tour „Iserbachschleife“; am 6. Oktober W5 Breitscheid-Erdbach – „Wo Bäche verschwinden und Steinzeitmenschen wohnten“. Zur besseren Planung werden Anmeldungen gerne vom Wanderführer Rainer Lemmer unter Tel. (01 78) 4 62 86 94 oder wanderfuehrer@typisch-westerwald.de entgegengenommen, sind aber mit Ausnahme von Tour W5 nicht zwingend erforderlich.

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Kommentare

Tempo 30 für Andernach?

Katie:
Aufgrund des desolaten Zustandes sämtlicher Straßen im Innenstadtbereich kann man sowieso vielerorts keine 50 km/h fahren, weil man sich dann sein Fahrzeug auf Dauer "zerschießt". Ich als mitten in der Stadt lebende Anwohnerin hoffe seit über 25 Jahren (!!!), dass hier mal was passiert und zum Beispiel...
juergen mueller:
Ist immer wieder eine Freude zu lesen, mit welchem Einfallsreichtum man sich mit dem Ausschmücken der deutschen Sprache bedient, anstatt ein Problem einfach, kurz u. bündig, auf den Punkt zu bringen. Nadeln im Heuhaufen. Darauf muss man erst einmal kommen. Da werden sich diejenigen aber freuen, deren...
Hans-Joachim Schneider:
Es ist schön, dass Optimismus im Ahrtal wieder Platz hat. Das ist wohl die wichtige Botschaft dieses Artikels. Die genannten Ideen sind ja alle nicht neu, sondern waren auch schon vor der Flut in den Köpfen derer, denen das Ahrtal und seine touristische Zukunft am Herzen liegt. Allerdings sind Hängeseilbrücken...
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