Allgemeine Berichte | 17.12.2020

Landkreis unterstützt Projekt zur Sicherung der ärztlichen Versorgung

Gruppenfamulatur soll Medizinstudenten für Mayen-Koblenz begeistern

Die drei Famulantinnen (vorne von links) Johanna H., Sophie H., Eva C. am St. Elisabeth Krankenhaus Mayen gemeinsam mit (hinten von links) Dr. Frank Dittmar, dem Ärztlichen Direktor Dr. Cvijetin Branding-Cvijanovic, Lea Bales von der Kreisverwaltung Mayen-Koblenz und Franziska Korries, Leiterin der Weiterbildungsstelle am Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein. Foto: Kreisverwaltung/Morcinek

Kreis MYK. Mayen-Koblenz zeichnet sich durch eine umfassende und flächendeckende medizinische Versorgung sowie durch Haus- und Fachärzte aus. Um dieses Angebot auch in Zukunft sicherzustellen, engagiert sich der Landkreis mit Nachdruck bereits heute dafür, Ärzte für die Nachbesetzung von Hausarztpraxen oder für den Einsatz in den hiesigen Krankenhäusern zu gewinnen. Ein 2020 erstmals erprobter Schritt ist die Teilnahme des Landkreises am Projekt „Gruppenfamulatur“ der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz. So haben in diesem Jahr bereits 18 Medizinstudenten einen Eindruck von der Arbeit im ländlichen Raum erhalten – und das mit Erfolg, wie uns Studenten und betreuende Ärzte im Gespräch versichern.

„Es war sehr interessant und lehrreich. Und es hat riesigen Spaß gemacht, Patienten über einen längeren Zeitraum hinweg betreuen zu können“, sagt der 25-jährige Medizinstudent Philip Klecker. Gemeinsam mit seinem Kommilitonen Philipp Conzelmann (26) absolvierte er das im Studium verpflichtende Praktikum (Famulatur) in der hausärztlichen Praxis von Dr. Anja Klinghuber in Bassenheim. Beide studieren in Mainz und wollen Allgemeinmediziner werden. Für die vierwöchige Zeit der Famulatur wurde ihnen – sowie allen anderen Famulanten, die im Landkreis tätig waren – kostenlos Wohnraum durch die Städte und Verbandsgemeinden zur Verfügung gestellt. Ein Angebot, dass die Studenten nur allzu gern dankend annehmen.

Das bestätigen auch die drei Famulantinnen Sophie H., Eva C. und Johanna H., die ihr medizinisches Praktikum am St. Elisabeth Krankenhaus in Mayen abgeleistet haben. „Der kostenlose Wohnraum war ein großer Anreiz - finanziell hätten wir das allein nicht stemmen und so auch nicht hierher kommen können“, betont Johanna H. (25), die neben ihrem Studium in Mainz wie so viele Studenten jobben muss, um über die Runden zu kommen. Ein weiterer Ansporn, nach Mayen-Koblenz zu kommen, war laut Aussage der Medizinstudenten die Option, die Famulatur in der Gruppe anzutreten. „Es ist toll, dass man nicht ganz auf sich allein gestellt ist, sondern direkt Bezugspersonen hat“, sagt Johanna H., die ebenso wie ihre Mitstreiterinnen von der Famulatur selbst im St. Elisabeth Krankenhaus sehr angetan ist. „Hier ist es sehr familiär und wir sind herzlich aufgenommen worden. Man darf überall zuschauen und Fragen stellen“, berichtet die 22-jährige Eva C. „Und wir durften sogar in den PJ-Unterricht reinschnuppern“, spricht Sophie H. (23) jene Phase der Ausbildung an, die Medizinstudenten im „Praktischen Jahr“ durchlaufen.

Aber nicht nur die Gruppenfamulatur, auch Mayen-Koblenz selbst hat den auswärtigen Medizinstudenten insbesondere landschaftlich sehr gut gefallen. „Wir sind Traumpfade und Traumpfädchen gewandert und auch in Kontakt mit vielen netten Menschen gekommen – wenn man hier nur Urlaub gemacht hätte, würde man das nicht so intensiv erleben“, sagt die 25-jährige Johanna H. Und Philipp Conzelmann, der in Reutlingen (Baden-Württemberg) beheimatet ist, fügt hinzu: „So ländlich, wie immer alle sagen, ist es hier gar nicht.“

Ebenfalls vom Angebot der Gruppenfamulatur und der Arbeit als Mediziner im ländlichen Raum überzeugt ist Dr. Anja Klinghuber. Die Fachärztin für Innere Medizin hatte sich Ende 2013 dazu entschieden, die Praxis des damals verstorbenen Allgemeinmediziners Dr. Hans-Walter Schürmann in Bassenheim zu übernehmen und hat diesen Schritt seither nie bereut. „Ich weiß noch, als ich in meiner eigenen Famulatur an die Hand genommen wurde, dafür bin ich heute noch dankbar“, sagt Anja Klinghuber, die so etwas an die Ärzteschaft von morgen weitergeben kann. „Bei uns bekommen die Famulanten sowohl das landärztliche als auch die Arbeit einer modernen Praxis mit. Für uns ist es zwar zusätzlicher Zeitaufwand, doch eine gute Ausbildung ist enorm wichtig, daher würde ich jeder Zeit wieder Famulanten aufnehmen.“

Von den insgesamt 18 Famulanten im Kreis MYK wurden 10 im St. Elisabeth Krankenhaus und 2 in Hausarztpraxen in Mayen sowie 5 bei Hausärzten in der Verbandsgemeinde (VG) Weißenthurm und ein Famulant in einer Arztpraxis in der VG Maifeld mit der Versorgung von Patienten vertraut gemacht. In Kooperation mit der KV waren vonseiten des Landkreises Mayen-Koblenz auch zwei zentrale Veranstaltungen beziehungsweise Aktivitäten für die Teilnehmer der Gruppenfamulatur geplant, die angesichts der Corona-Pandemie allerdings abgesagt werden mussten.

Was ist ein Famulant?

Famulant bzw. Famulantin stammt vom lateinischen Wort famulus/famula ab und bedeutet soviel wie Gehilfe. Medizinstudenten sind verpflichtet als ebensolche Gehilfen zwischen dem ersten und zweiten Staatsexamen in der vorlesungsfreien Zeit eine insgesamt viermonatige Famulatur in Krankenhäusern und/oder Arztpraxen absolvieren. Ziel ist es, die Studierenden mit der ärztlichen Patientenversorgung vertraut zu machen und die praktische klinische Ausbildung kennenzulernen und zu vertiefen.

Pressemitteilung

Kreisverwaltung Mayen-Koblenz

Die drei Famulantinnen (vorne von links) Johanna H., Sophie H., Eva C. am St. Elisabeth Krankenhaus Mayen gemeinsam mit (hinten von links) Dr. Frank Dittmar, dem Ärztlichen Direktor Dr. Cvijetin Branding-Cvijanovic, Lea Bales von der Kreisverwaltung Mayen-Koblenz und Franziska Korries, Leiterin der Weiterbildungsstelle am Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein. Foto: Kreisverwaltung/Morcinek

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