Allgemeine Berichte | 23.07.2026

„Heimat?Land!“ #011: Der Schängelbrunnen in Koblenz

Dieser Lausbub hat nur Blödsinn im Kopf. Foto: AP

Mitten in der Altstadt von Koblenz, dort wo Touristen und Einheimische gerne stehen bleiben, steht er: der Schängelbrunnen. Seit 1941 plätschert er auf dem Willi-Hörter-Platz in der Altstadt vor sich hin. Oder besser gesagt: er spuckt sich tapfer durch die Jahrzehnte.

Dieser Brunnen ist aber kein stilles Wasserspiel, sondern wie ein echter Koblenzer ein wahres Original. Original: frech, unbeeindruckt und leicht verschmitzt.

Der Schängelbrunnen ist dem gewidmet, was die Koblenzer Welt im Innersten zusammenhält: dem Schängel selbst. Doch für alle, die nicht aus Kowelenz stammen und beim Wort „Schängel“ erstmal googlen müssen, kommt hier der Hintergrund des Schängels. Der Begriff geht zurück auf die französische Besatzungszeit zwischen 1794 und 1814, als Koblenz eine etwas ungeplante, aber historisch durchaus interessante Liaison mit Frankreich einging. Aus dem französischen „Jean“ wurde im lokalen Dialekt erst „Schang“ und weil die Koblenzer bekanntlich nie um eine sprachliche Weiterentwicklung verlegen sind, irgendwann liebevoll der Schängel.

Heute ist das kein Fremdwort mehr, sondern ein Ehrentitel. Wer in Koblenz geboren ist, darf sich mit einem gewissen Stolz „Schängel“ nennen. Und wenn es besonders herzlich gemeint ist, sogar „Schängelche“, was faktisch ein Verniedlichung der Verniedlichung ist, denn der Begriff Schängel allein ist schon eine Verniedlichung. Noch niedlicher wird’s also nicht mehr.

Und genau so ein kecker Junge steht da oben auf dem Brunnen: Seitenscheitel akkurat, kurze Hose ordentlich und einer Haltung, die einem Lausbub gerecht wird. Mit beachtlicher Ausdauer speit er eine Wasserfontäne aus dem Mund. Natürlich hinterlässt so viel Einsatz Spuren. Der Bereich rund um sein Mundwerk zeigt inzwischen eine gewisse Patina – man könnte auch sagen: eine Mischung aus Zeitgeschichte und Koblenzer Wasser. Ein kosmetischer Feinschliff wäre vielleicht mal wieder angebracht. Aber ehrlich: Ein Schängel ohne kleine Gebrauchsspuren wäre ungefähr so glaubwürdig wie ein Rhein ohne Schiffe. So bleibt der Schängelbrunnen, was er immer war: kein stilles Denkmal, sondern ein lebendiger Spaßmacher mit rheinischem Augenzwinkern. Und folglich ein echter Kowelenzer.

Wo gehts hin: Zum Schängelbrunnen in Koblenz

Wo muss ich hin: Von der B9 auf Wöllershof, weiter auf Pfuhlgasse, dann auf Clemenstraße und dann links auf Casinostraße abbiegen.

Was nehme ich mit: Zeit für einen Rundgang: Die komplette Koblenzer Altstadt ist sehenswert.

Über Heimat? Land!

In der Kolumne „Heimat?Land!“ schreibt Daniel Robbel, BLICK aktuell-Journalist und prämierter Reisebuchautor (111 Orte im Ahrtal die man gesehen haben muss, 111 Orte im Westerwald die man gesehen haben muss, 111 Orte an der Sieg die man gesehen haben muss) über die schönsten Ecken in der Region, inklusive Eifel, Mittelrhein, Ahrtal, Westerwald und Siegtal.

Dieser Lausbub hat nur Blödsinn im Kopf. Foto: AP

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
Imageanzeige
Dienstleistungen
Kirmes Arzheim
Fest der 1000 Lichter
Vorabrechnung, Nr. AF2025.000354.0, Juli 2026
2+1 Aktion
Empfohlene Artikel
Im Jahr 2025 trat die Deutschpunkband Slime in Koblenz auf.  Foto:: Sebastian Beuth / Latscho Koblenz e. V.
32

Koblenz. In zwei Wochen beginnt das Latscho Festival. Vom 13. bis 15. August findet das Umsonst-und-Draußen-Festival erstmals auf dem Zentralplatz in der Koblenzer Innenstadt statt. Zuvor war die Veranstaltung vier Jahre lang am Deutschen Eck ausgerichtet worden. Der Standortwechsel wurde erforderlich, nachdem für das Deutsche Eck keine Genehmigung erteilt worden war.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Traumhaftes Ambiente und ein Abend mit erlesenen Weinen: „Vulkan trifft Vino“ traf den Geschmack der Gäste.
2259

Laacher See. Das Zusammenspiel von Natur, Wein und Musik garantierte einen außergewöhnlichen Abend im traumhaften Garten der Villa Reuther am Laacher See. Denn dort fand im Rahmen der Kultur- und Erlebniswoche „Nacht der Vulkane“ erstmals die Weinprobe „Vulkan trifft Vino“ statt. Schon der Panoramablick über den Laacher See ließ einen besonderen Abend erahnen.

Von Stefan Pauly aus Mendig

Weiterlesen

Die ausgebildeten Kanuten nach dem Einsetzen der Boote im Bendorfer Hafen. Von dort aus führte die Fahrt mit den Kajaks zum heimischen Bootshaus an der Neuwieder Rheinbrücke.
6401

Neuwied. Einmal im Jahr bietet der Neuwieder Wassersportverein (NWV) einen Kanu-Anfängerkurs an, der sich stets großer Beliebtheit erfreut. An sechs Kurstagen werden die Nachwuchskanuten mit den verschiedenen Bootsarten vertraut gemacht und erlernen die richtige Paddeltechnik. Der Kursleiter und lizenzierte Trainer, Volker Strohe, sowie seine Stellvertreterin, Marion Bermel, bieten am letzten Kurstag eine Abschlussfahrt auf dem Rhein an, bei der die Kanuten das zuvor Erlernte umsetzen können.

Von Reiner Bermel aus Neuwied

Weiterlesen

Der Aufprall war so heftig, dass der Motorradfahrer mehrere Meter durch die Luft geschleudert wurde, bevor er schwer verletzt auf der Straße landete.
657

Riskantes Überholmanöver endet in schwerem Unfall

29.07.: Motorradfahrer nach Kollision mit Traktor schwer verletzt

Winkelbach. Ein schwerer Verkehrsunfall ereignete sich am Mittwochabend, dem 29. Juli 2026, gegen 21:45 Uhr auf der B 8 zwischen Winkelbach und Höchstenbach. Eine Kolonne aus einem Traktor, gefolgt von zwei PKWs und einem Motorrad, bewegte sich in Fahrtrichtung Winkelbach. Beim Abbiegen des Traktors nach links in Richtung Winkelbach überschätzte der Motorradfahrer die Situation. In einem riskanten Manöver versuchte er, die gesamte Fahrzeugschlange mit hoher Geschwindigkeit zu überholen.

Weiterlesen