Allgemeine Berichte | 08.07.2025, 15:46 Uhr

PEFC – Etikett ohne Kontrolle?

Klimabündnis kritisiert unzureichenden Schutz von Natura-2000-Gebieten im Stadtwald Koblenz

Gefällte Rotbuchen im Vogelschutzgebiet im Forstrevier Remstecken.  Foto: Marcel Rolf Hoffmann
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Koblenz. Ein jetzt öffentlich gewordener interner Schriftwechsel zwischen Führungskräften der Zertifizierungsorganisation PEFC Deutschland (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes) belegt, was Fachleute und Umweltverbände seit Jahren kritisieren: Die PEFC-Zertifizierung garantiert keinen wirksamen Naturschutz in FFH- und Vogelschutzgebieten – auch nicht im kommunalen Stadtwald von Koblenz, der großflächig unter europäischem Schutz steht.

Ausgangspunkt war eine Anfrage des Klimabündnisses Koblenz an den PEFCRegionalmanager für Rheinland-Pfalz, German Bell. Die zentrale Frage lautete: Welche konkreten Standards und Schutzanforderungen gelten bei PEFC für Waldflächen, die Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000 sind?

Die schriftliche Antwort fiel ernüchternd aus: Es existieren derzeit keine spezifischen Anforderungen, lediglich allgemeine Hinweise auf geltendes Recht. Noch brisanter: In einer E-Mail räumte der Geschäftsführer von PEFC Deutschland, Dirk Teegelbekkers, offen ein, dass die Standards „für diese Fragestellung wenig geeignet“ seien. Die Aussage des Regionalmanagers, wonach selbst Gesetzesverstöße bei internen PEFC-Audits „grundsätzlich korrigierbar“ seien, wurde anschließend relativiert – und die Mail umgehend versucht zurückzurufen.

„Diese interne Kommunikation legt offen, dass PEFC weder klare Regeln noch eine konsequente Kontrolle für ökologisch besonders sensible Wälder bietet“, erklärt Marcel Hoffmann vom Klimabündnis Koblenz. „Dass selbst Verstöße gegen das Verschlechterungsverbot der FFH-Richtlinie offenbar als ‚Abweichung mit Optimierungspotenzial‘ behandelt werden, ist aus Sicht des echten Naturschutzrechts schlicht untragbar.“

Hinzu kommt: Laut PEFC fand das letzte Audit im Stadtwald Koblenz vor 2017 statt. Da PEFC-Audits nur stichprobenartig durchgeführt werden und die Kontrolle innerhalb der Gruppenzertifizierung erfolgt, fehlt eine verlässliche Überprüfung vor Ort. Das Siegel entpuppt sich damit als bloßes Label ohne ökologische Substanz – insbesondere in Kommunalwäldern mit hoher Schutzverantwortung.

Das Klimabündnis fordert daher die Stadt Koblenz und die Ratsfraktionen auf, die Eignung der aktuellen PEFC-Zertifizierung im Stadtwald grundsätzlich neu zu bewerten. Es gehe nicht um Symbolpolitik, sondern um die tatsächliche Verantwortung für Natura-2000-Flächen. Bereits im November 2022 hatte die Kommunalpolitik die Stadtverwaltung beauftragt, den Wechsel zur ökologischen Waldzertifizierung nach FSC/Naturland vorzunehmen. Der Umstieg wurde in den letzten 30 Monaten nicht vollzogen und nun in der letzten Forstausschussitzung im April 2025 von einer Mitte-Rechts-Konservativen Mehrheit wieder abgewählt, nachdem die Stadtverwaltung selbst ein Downgrade zu einer nicht ökologischen FSC-Zertifizierung ohne Naturland e.V. ins Spiel gebracht hatte.

Klimabündnismitglied Uwe Lütge erklärt: „Anders als PEFC setzt FSC samt Naturland auf konkrete Mindeststandards, Prozessschutzflächen, Habitatbaumkonzepte und klare Anforderungen zur Einhaltung des europäischen Naturschutzrechts – PEFC dagegen ähnelt derzeit eher einem Etikettenschwindel.“

Forderungen des Klimabündnisses Koblenz:
• Neubewertung der PEFC-Zertifizierung durch Rat und Verwaltung mit Blick auf Schutzgebietsrecht und Rückkehr zur FSC/Naturland-Zertifizierung

• Einführung von mindestens 10 % Prozessschutzflächen im Stadtwald – unabhängig von einer Zertifizierung

• Öffentliche Diskussion über ein verlässliches, ökologisch glaubwürdiges und klimagerecht weiterentwickeltes Forstkonzept für Koblenz

„Unser Stadtwald ist Teil des europäischen Naturerbes“, so Lütge. „Wer diesen Wald verantwortungsvoll bewirtschaften will, braucht mehr als ein anspruchsarmes Label – er braucht verbindliche, angemessen anspruchsvolle und überprüfbare Standards, die dem Natura-2000-Schutzgebietsmanagement gerecht werden.“

Pressemitteilung des

Klimabündnis Koblenz

Gefällte Rotbuchen im Vogelschutzgebiet im Forstrevier Remstecken. Foto: Marcel Rolf Hoffmann

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