Allgemeine Berichte | 27.01.2026, 10:13 Uhr

Riesiges Interesse an Einwohnerversammlung zur Schließung des Remagener Krankenhauses

Kreis Ahrweiler: „Ein Krankenhaus für 130.000 Einwohner ist zu wenig“

Das Krankenhaus in Remagen ist dicht - aber wie geht es nun in Remagen und im Kreis Ahrweiler mit der medizinischen Versorgung weiter? Foto: ROB
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Remagen. Wie sehr den Menschen in Remagen und der Umgebung das Remagener Krankenhaus fehlt und wie groß die Sorge um die zukünftige notärztliche Versorgung ist, zeigte sich am Freitagabend im Foyer der Rheinhalle. Bürgermeister Björn Ingendahl hatte zu einer Einwohnerversammlung zum Thema Schließung des Krankenhauses Remagen eingeladen. Geschätzte 250 Bürger wollten sich dieses offensichtlich auf den Nägeln brennende Thema nicht entgehen lassen. Zum vergangenen 1. Dezember hatte das Krankenhaus Remagen nach einem misslungenen Rettungsversuch seine Pforten nach 133 Jahren schließen müssen. Nachdem nun nach Adenau auch das Remagener Krankenhaus geschlossen ist, verfügt der Kreis Ahrweiler mit seinen rund 130.000 Einwohnern nur noch über ein Krankenhaus, das Krankenhaus Maria Hilf in Bad Neuenahr.

Wie Insolvenzverwalter Mark Boddenberg mitteilte, seien beide Standorte, sowohl Linz als auch Remagen, in das Insolvenzverfahren geraten. Linz habe gerettet werden können, Remagen nicht. Aber auch für Linz gebe es noch Probleme. Über Jahre habe der kirchliche Träger in Remagen Millionen Euro zuschießen müssen. Dies sei zum Schluss nicht mehr gelungen. Die bundesweite Suche nach einem Investor habe zunächst einen Treffer ergeben, dieser Investor sei jedoch zum Notartermin nicht erschienen. „Mein Job ist es, das Vermögen zu verwerten. Jeder kann sich bewerben, das Vermögen zu erwerben“, so der Insolvenzverwalter. Ein Gebot habe er im Blick für eine Verwertungsform, die man seiner Meinung nach im Griff habe und die ganz im Sinne der Interessen der Bürger sei.

Auch Bürgermeister Björn Ingendahl knüpfte im Laufe des Abends an dieses von Boddenberg genannte Gebot an. Auch er sei in die Gespräche involviert. Man müsse noch einige Tage, eventuell bis zu acht Wochen, Geduld haben. Auf jeden Fall sei der Flächennutzungsplan von Maria Stern auf eine medizinische Nutzung festgelegt. Dies werde auch so bleiben. Es müsse eine verlässliche Lösung für Notfälle geben. Dass weder die Stadt noch der Kreis das Krankenhaus betreiben könne, schlossen sowohl Bürgermeister Ingendahl als auch Landrätin Cornelia Weigand aufgrund der defizitären Lage von Stadt und Kreis aus.

Es herrscht Ratlosigkeit

Auch der rheinland-pfälzische Gesundheitsminister Clemens Hoch zeigte sich ratlos. Maria Stern habe sich nicht halten können. Hoch betonte aber auch, dass jeder in diesem Land medizinische Hilfe bekomme. Das Land habe die beste medizinische Versorgung der Welt. Für diese Worte erntete der Minister allerdings Gelächter aus dem Publikum. Der ehemalige Chefarzt in Remagen, Michael Neubrand, betonte in seiner Wortmeldung, dass es in Zeiten von Ministerpräsidentin Malu Dreyer häufiger Unterstützung vom Land gegeben habe. Dies sei in den letzten Jahren nicht mehr der Fall gewesen.

Schlimme Zustände

In vielen Wortmeldungen wurden die schlimmen Zustände in der medizinischen Versorgung verdeutlicht: ob der Krankenwagen, der zu lange Zeit brauche, ob die unerträglichen Wartezeiten in der Notaufnahme des einzig verbliebenen Krankenhauses in Bad Neuenahr oder dass es kurzfristige Termine bei Fachärzten für Kassenpatienten gar nicht gebe. Ebenfalls zur Sprache kam die Überlastung der Hausärzte. Ein Arzt aus Koblenz betonte, dass er noch der einzige Hausarzt in Koblenz sei, der überhaupt noch Patienten aufnehme. Hausärzte müssten vor allen Dingen in bürokratischen Dingen entlastet werden, um mehr Zeit für Patienten zu haben. Auch der übertriebene Datenschutz wurde angemahnt, der enorme Zeit koste.

Wie ein Vertreter des Roten Kreuzes mitteilte, gebe es die Vorgabe, dass ein Rettungswagen bei Notfällen innerhalb von 15 Minuten beim Patienten sein müsse. Dies gelinge in 90 Prozent aller Fälle. Was aber mit den übrigen zehn Prozent ist, wurde nicht angesprochen.

Ärzte aus der Arztpraxengemeinschaft des MVZ in der Remagener Grabenstraße hoben hervor, dass sie ambulante Versorgungsleistungen anbieten und bei Bedarf an das Krankenhaus in Linz zur Weiterversorgung überweisen. Eine solche Praxengemeinschaft konnte man sich letztlich auch für das ehemalige Krankenhaus in Remagen vorstellen, eine Art Tagesstelle als erste Anlaufstelle für Notfälle.

Gibt es noch ein Ass im Ärmel?

Eines wurde bei der Einwohnerversammlung mehr als deutlich: Die Situation ist ernst, und Lösungen müssen gefunden werden. Wie diese allerdings aussehen, steht derzeit noch in den Sternen. Bleibt im Moment nur die Hoffnung, dass das Ass im Ärmel von Insolvenzverwalter und Bürgermeister auch tatsächlich eines ist. # AB

(v.l.) Björn Ingendahl, Clemens Hoch, Cornelia Weigand und Mark Boddenberg.

(v.l.) Björn Ingendahl, Clemens Hoch, Cornelia Weigand und Mark Boddenberg.

Das Krankenhaus in Remagen ist dicht - aber wie geht es nun in Remagen und im Kreis Ahrweiler mit der medizinischen Versorgung weiter? Foto: ROB

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