Das Spendenverteilzentrum Ahrtal, das Baustoffzelt Kaiser und das Containerdorf „Wilhelmshafen 2.0“ werden schrittweise zurückgebaut
Kreis Ahrweiler: Kreistag beschließt Rückbau von „Helfer-Zentrum“
Kreis Ahrweiler. Noch bis Ende Juli werden im „Baustoffzelt Kaiser“ in Grafschaft-Ringen und dem „Spendenverteilzentrum Ahrtal“ in Grafschaft Gelsdorf Spendengüter, wie unter anderem Baustoffe, Kleidung und anderen Waren des täglichen Bedarfs, ausgegeben. Das hat der Kreistag in seiner heutigen Sitzung beschlossen. Das sogenannte „Helfer-Zentrum“ in Grafschaft Ringen – bestehend aus Helfer-Shuttle, dem Containerdorf „Wilhelmshafen 2.0“ und dem „Baustoffzelt Kaiser“ – sowie das Spendenverteilzentrum werden außerdem, wie durch die politischen Gremien vorgesehen, in den kommenden Wochen mit dem schrittweisen Rückbau beginnen.
Große Dankbarkeit
„Den vielen Tausenden Helferinnen und Helfern sind wir Betroffenen im Ahrtal zutiefst dankbar. Es kann nicht oft genug betont werden, wie unverzichtbar und wichtig – sowohl in Bezug auf die Arbeit, die geleistet wurde, als auch in Hinblick auf die mentale Unterstützung – diese Hilfe in den vergangenen Monaten für uns war und ist.
Es zeichnet sich jetzt aber ab, dass zunehmend Fachleute gebraucht werden, um die weiteren Arbeiten durchzuführen. Daher musste der Kreistag eine Entscheidung treffen, wie und ob die großen Standorte der Helfer-Organisationen weiter betrieben werden können.
Darüber hinaus stehen zum Teil der finanzielle Aufwand für den Betrieb einzelner Einrichtungen und der Nutzen für die Betroffenen inzwischen – rund zehn Monate nach der Flut – oftmals nicht mehr in einem angemessenen Verhältnis. Letztendlich sind es aber Steuergelder und damit auch die Gelder der Betroffenen, die diese Standorte finanzieren. Wir sind also in der Pflicht, sehr sorgsam mit diesen Geldern umzugehen. Hinzu kommt, dass die Zusammenarbeit mit einem Teil der Organisatoren nicht immer verlässlich und professionell ablief“, erläutert Landrätin Cornelia Weigand die Entscheidung der Kreistagsmitglieder.
Im vergangenen November hatten die Mitglieder des Kreis- und Umweltausschusses (KUA) die Zentralisierung der Helferorganisationen am Standort Ringen beschlossen. Für die einzelnen Einrichtungen bedeutet die heutige Entscheidung des Kreistages konkret Folgendes:
Helfer-Shuttle
Der Helfer-Shuttle in Grafschaft-Ringen wird ein neues Kapitel aufschlagen und sein Angebot umstellen. Das haben die Initiatoren Thomas Pütz und Marc Ulrich selbst Anfang Mai bekanntgegeben. Statt des Shuttle-Betriebs wird es zukünftig eine Online-Plattform geben, die die gewachsenen Strukturen des Shuttles weiter nutzt und Helfende sowie Hilfesuchende zusammenbringen soll. Das Camp wird ab Ende Mai zurückgebaut.
Containerdorf „Wilhelmshafen 2.0
“Das Containerdorf „Wilhelmshafen 2.0“ stand nach seinem Umzug aus Walporzheim in die Grafschaft erst Anfang April und mit großer Verzögerung als kostenlose Übernachtungsmöglichkeit für Helferinnen und Helfer sowie Handwerkerinnen und Handwerker zur Verfügung. Trotz mehrfacher Aufforderungen durch die Kreisverwaltung wurden durch den Betreiber erst mit großer Verspätung ein Prüfnachweis für die Statik sowie ein Brandschutzkonzept vorgelegt. Diese waren und sind für die Sicherheit der Gäste und Helfenden jedoch zwingend erforderlich. Auch die bisherigen Nachweise über Kosten und Belegungszahlen sind bislang unzureichend und schwierig zu überprüfen.
Aufgrund der Einstellung des Betriebs des benachbarten Helfer-Shuttles ist zudem von weiter rückläufigen Zahlen von Übernachtungsgästen auszugehen.
Hinzu kommt, dass im Aufbaugebiet auch andere kostenlose Übernachtungsmöglichkeiten für Helfende zur Verfügung stehen. Der Kreistag hat daher beschlossen, dass das Containerdorf wie ursprünglich vorgesehen ab Anfang Juni zurückgebaut wird.
„Baustoffzelt Kaiser“
Für das seit Anfang Februar am Standort Ringen betriebene Baustoffzelt wurden durch den Betreiber bis heute und trotz mehrfacher Aufforderungen keine nachvollziehbaren Abrechnungen eingereicht. Die gegenüber der Verwaltung kommunizierten Warenströme wurden erst nach wiederholten Aufforderungen und weiterhin ohne jedwede Belege vorgelegt. Auch die wiederholt angeforderte Abrechnung für den Standort in Walporzheim blieb der Betreiber bis dato schuldig.
Die Spendenausgabe ist noch bis Ende Juli vorgesehen.
Spendenverteilzentrum Ahrtal
Das „Spendenverteilzentrum Ahrtal“ in Grafschaft Gelsdorf leistete bereits zu Beginn der Flutbewältigung einen wichtigen Beitrag zur Koordination der Sachspenden. Die fortlaufend generierten Spendenmittel müssen jedoch in einem adäquaten Verhältnis zu den laufenden Kosten des Betriebs des Verteilzentrums stehen. Da dies mit wachsendem zeitlichem Abstand zur Hochwasserkatastrophe aber nicht mehr gewährleistet ist, hat auch hier der Kreistag entschieden, die Spendenannahme zum 31. Mai 2022 zu beenden. Eine Verteilung der Spenden ist dann ebenfalls noch bis Ende Juli geplant.
Finanzierung der Standorte für Helfer-Organisationen
Noch im November 2021 waren die Verwaltung und die Mitglieder des KUA nach damaligem Kenntnisstand und aufgrund von Aussagen des Landes Rheinland-Pfalz davon ausgegangen, dass die finanziellen Mittel für Umzug, Betrieb und Abbau des „Helfer-Zentrums“ in Höhe von rund 3,5 Millionen Euro über den Wiederaufbaufonds abgerechnet werden können. Zwischenzeitlich wurde bekannt, dass dies nicht möglich ist. Die entstandenen Kosten für das Helfer-Zentrum Ringen wurden den Soforthilfeleistungen zugerechnet. Die Mittel der Soforthilfe sind jedoch vollständig erschöpft. Die Kreisverwaltung steht hierzu in engem und konstruktivem Austausch mit dem Land, das derzeit prüft, ob anderweitige finanzielle Mittel bereitgestellt werden können.
Auch die Finanzierung des Spendenverteilzentrums ist nicht durch den Wiederaufbaufonds abgedeckt und wird derzeit zwischen Kreis und Land geklärt.
Pressemitteilung Kreis Ahrweiler
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