Allgemeine Berichte | 22.09.2023

Kreis MYK: Kommunale Pegel sollen Katastrophenschutz verbessern

Der Pegelstandort „Thür“ am Thürer Bach.  Foto: Kreisverwaltung MYK

Kreis Mayen-Koblenz. Die verheerenden Überschwemmungen im Juli 2021, von denen das Ahrtal sowie Teile von Mayen-Koblenz betroffen waren, haben deutlich gemacht, wie wichtig eine präzise Hochwasserüberwachung ist. Aus diesem Grund wird im Landkreis die Weiterentwicklung des regionalen Katastrophenschutzes vorangetrieben: Mithilfe „Kommunaler Pegel“ an Nette, Elzbach, Saynbach, Nitzbach und Thürer Bach sollen künftig lokal schnell ansteigende Wasserstände erfasst werden. Umgesetzt wird das Projekt durch die „Smarte Region MYK10“ in enger Zusammenarbeit mit der Unteren Wasserbehörde der Kreisverwaltung sowie dem obersten Katastrophenschützer im Landkreis, Rainer Nell.

„Deutschlandweit hat man Lehren aus den tragischen Ereignissen im Ahrtal gezogen. Dieses folgenschwere Ereignis hat uns verdeutlicht, wie entscheidend eine Vorbereitung auf Hochwasserereignisse im Katastrophenschutz ist. Genau diesen Vorteil bringen die sechs zum Einsatz kommenden Kommunalen Pegel mit sich, die als Frühwarnsysteme dienen“, sagt Landrat Dr. Alexander Saftig und dankt zugleich den benachbarten Landkreisen Vulkaneifel und Westerwald für die gute kommunale Zusammenarbeit, da zwei der sechs Kommunalen Pegel ebendort installiert werden.

Um zu messen, wann der Pegelstand ein kritisches Niveau erreicht, werden an maßgeblichen Gewässern dritter Ordnung sowie an Oberläufen zweiter Ordnung sechs Pegellatten und Pegelmasten mit solarbetriebenen Radarsensoren an Brücken angebracht. „Bei bestimmten Wasserständen können so Feuerwehren und Katastrophenschutz basierend auf den erhobenen Daten alarmiert werden. Durch die ermittelten Vorwarnzeiten, die sich aus Fließstrecke und Fließgeschwindigkeit ergeben, kann abgeschätzt werden, wann die Hochwasserwelle in einer Ortschaft ankommt. So können noch entsprechende Maßnahmen getroffen werden, um Menschen und Sachgüter zu schützen“, betont Brand- und Katastrophenschutzinspekteur Rainer Nell von der Kreisverwaltung Mayen-Koblenz.

Das Netz der bestehenden Landespegel liefert in der Fläche derzeit keine ausreichende Informationsgrundlage, die für eine Vorwarnung und den Katastrophenschutz dienen könnte. Die bisherigen Landespegel im Landkreis Mayen-Koblenz und Umgebung – die Pegel „Wernerseck“ und „Nettegut“ an der Nette sowie der Pegel „Burgen 2“ am Baybach – liegen in den Unterläufen der Gewässer zweiter Ordnung, kurz vor der Mündung in Rhein und Mosel.

Ergänzung ist unumgänglich

Um potenziell größtmögliche Vorwarnzeiten zu erhalten, ist die Ergänzung durch Kommunale Pegel daher unumgänglich. Das bestätigt auch Prof. Dr. Lothar Kirschbauer von der Hochschule Koblenz, der Experte für Siedlungswasserwirtschaft und Wasserbau ist und den Einsatz Kommunaler Pegel befürwortet. „Es ist sehr gut, dass diese Pegel errichtet werden, da es ganz andere Pegel sind als die bekannten gewässerkundlichen Pegel. Über letztere, die weiter unten an den Gewässern installiert sind, will man in erster Linie keine Warnungen aussprechen, sondern Daten zur hydrologischen Beschreibung des Einzugsgebietes ableiten“, erläutert Prof. Dr. Kirschbauer. Die Warnungen, die mithilfe der bisherigen Landespegel für den Rhein und die Mosel ausgesprochen werden, erfolgen in der Regel zwei bis drei Tage im Voraus. „Die Nette beispielsweise reagiert aber im Oberlauf viel schneller auf Niederschläge. Daher bleibt einem nur die Möglichkeit, kurzfristige Vorhersagen zu machen, indem man Kommunale Pegel einsetzt. Das ist ein wichtiger Schritt zur Vorsorge.“ Die Pegelstände der Kommunalen Pegel werden gemeinsam mit den gewässerkundlichen Pegeln des Landes auf auf dem Online-Portal „Hochwasser RLP“ und in der App „Meine Pegel“ veröffentlicht und stehen neben dem Katastrophenschutz im Landkreis Mayen-Koblenz so auch der Bevölkerung auf einen Blick zur Verfügung.

Ideale Standorte

Die idealen Standorte für die Kommunalen Pegel wurden von der Kreisverwaltung Mayen-Koblenz mithilfe einer Masterthesis an der Hochschule Koblenz und in enger Absprache mit dem Gewässerkundlichen Dienst der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord ausgewählt. Die SGD Nord hat die Kreisverwaltung darüber hinaus maßgeblich hinsichtlich Ausstattung und Aufbau der Kommunalen Pegel beratend unterstützt. Standorte wurden festgelegt:

Der Pegel „Breitenau“ wird am Saynbach in der Verbandsgemeinde Ransbach-Baumbach im benachbarten Westerwaldkreis installiert. Die Schutzziele, für die Vorwarnzeiten mithilfe des Pegels ermittelt werden, sind die Ortsgemeinden Kausen und Isenburg sowie die Stadt Bendorf.

Der Pegel „Thür“ kommt am Thürer Bach in der Verbandsgemeinde Mendig zum Einsatz und liefert Vorwarnzeiten für Kruft und Plaidt.

Der Pegel „Camping Falkley“ wird an der Nette in der Verbandsgemeinde Vordereifel installiert. Die Schutzziele sind Rieden und Mayen.

Die Fertigstellung und Inbetriebnahme dieser drei Kommunalen Pegel ist bis Ende November geplant. Die Kosten werden zu 100 Prozent über die „Smarte Region MYK10“ finanziert, die im Landkreis mithilfe des Förderprogramms „Modellprojekte Smart Cities“ vom Bundesbauministerium sowie der KfW zukunftsweisende analoge und digitale Strategien sowie Lösungen für alle Daseinsbereiche entwickelt und erprobt. „Mithilfe einer umfassenden digitalen Überwachung von Pegelständen, perspektivisch aber auch Bodenfeuchte sowie Niederschlagsmengen erfassen wir in Echtzeit Daten rund um unsere Bäche und Flüsse und können in absehbarer Zukunft darauf basierend mithilfe künstlicher Intelligenz den weiteren Verlauf der Pegelstände voraussagen. So können Warnungen deutlich früher veranlasst werden. Darüber hinaus helfen Projekte wie dieses uns dabei, die komplexen Wechselwirkungen in unserer Umwelt besser zu verstehen und dies wiederum bei zukünftiger Gewässerentwicklung zu berücksichtigen“, sagt Sonja Gröntgen, die als Chief Digital Officer (CDO) das Digitalprojekt der „Smarten Region MYK10“ leitet.

Drei weitere Pegel in 2024

Die Umsetzung der drei weiteren Kommunalen Pegel ist im Laufe des Jahres 2024 vorgesehen. Sie werden zu 60 Prozent vom Land Rheinland-Pfalz und zu 40 Prozent durch die „Smarte Region MYK10“ finanziert:

Der Pegel „Bermel“ wird am Elzbach in der Verbandsgemeinde Vordereifel installiert. Die Schutzziele sind Weiler-Niederelz, Monreal und Moselkern.

Der Pegel „Hammesmühle“ kommt an der Nette in der Verbandsgemeinde Vordereifel zum Einsatz. Er liefert Vorwarnzeiten für Mayen, Trimbs und Plaidt. Derzeit ist dort bereits ein digitaler Behelfspegel installiert, da die dortige Brücke beim Hochwasser 2021 zerstört wurde und wieder aufgebaut wird.

Und der Pegel „Nitz“ wird am Nitzbach in der Verbandsgemeinde Kelberg im benachbarten Landkreis Vulkaneifel installiert. Er sorgt für Vorwarnzeiten für Virneburg, die Stadt Mayen und Trimbs.

Solche Pegelmasten mit solarbetriebenen Radarsensoren werden im Rahmen des Projektes „Kommunale Pegel“ an drei von insgesamt sechs Standorten auf Brücken installiert.

Solche Pegelmasten mit solarbetriebenen Radarsensoren werden im Rahmen des Projektes „Kommunale Pegel“ an drei von insgesamt sechs Standorten auf Brücken installiert.

Der Pegelstandort „Hammesmühle“ liegt an der Nette. Hier wird bis zum Wiederaufbau der Brücke ein digitaler Behelfspegel eingesetzt.

Der Pegelstandort „Hammesmühle“ liegt an der Nette. Hier wird bis zum Wiederaufbau der Brücke ein digitaler Behelfspegel eingesetzt.

Der Pegelstandort „Camping Falkley“ an der Nette.

Der Pegelstandort „Camping Falkley“ an der Nette.

Der Pegelstandort „Thür“ am Thürer Bach. Foto: Kreisverwaltung MYK

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