Allgemeine Berichte | 21.05.2025

Kultursalon sorgte für Spannung: Twist im Museum

V.li. Dr. A. Kaiser-Lahme, U. Schirmer, P. Lötschert, Prof. Dr. Reifenscheid und Alexander von Canal. Fotos: P. Lötschert

Koblenz. Der Kultursalon Koblenz, der gerade auf sieben Jahre seine Heimat wegen Sanierungen am und im Kurfürstlichen Schloß der Brückensanierung seine Heimat verloren hat, ist jetzt mit seiner Kultur on Tour.

Erste Haltestation fand er im 2. OG des Ludwig Museums Koblenz. Hier unterstützte der Kultursalon mit seiner Gründerin Petra Lötschert das Museumsfest mit dem Thema „Der spannende Twist – Kunst + Denkmalschutz“. Die 40. Veranstaltung des Kultursalon Koblenz war mit interessanten Talkgästen bestückt: Prof. Dr. Reifenscheid - Direktorin des Ludwig Museums vor Ort; Alexander von Canal – Architekt mit UNESCO-Siegel und BUGA Planer, Koblenz; Ursula Schirmer - Pressesprecherin Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn sowie Dr. Angela Kaiser-Lahme - Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Direktion Burgen, Schlösser, Altertümer, Festung Ehrenbreitstein. Moderation: Petra Lötschert - Publizistin und Leiterin des Kultursalon Koblenz.

Wer kam

Husch von Hohenzollern, die Bewohnerin der Schloßburg Namedy bei Andernach am Rhein saß im Publikum, sie lebt und arbeitet in einem Denkmal. Auch Denkmalpfleger des Fort Konstantin und viele andere waren gekommen.

Deutsche Stiftung Denkmalschutz: Die DSD Bonn war durch Ursula Schirme vertreten. Die größte private Denkmalpflege-Institution Deutschlands mit 500 Ehrenmitgliedern feiert 2025 ihr 40-jähriges Bestehen. Pressechefin Schirmer diskutierte mit der Moderatorin die Frage: Müssen Denkmäler schön sein? Nachkriegsbauten aus Beton sahen selten gut aus. Nach dem Mauerfall waren diese als Ostbrutalismus bekannt und stehen dennoch unter Denkmalschutz. Nutzbauten statt schöner Wohnen. Doch gehören diese Betonbunker zu unserer Geschichte. Die Enkel, eine Generation weiter, empfinden diese Epoche weitaus weniger schlimm. Der Generationenabstand machts.

„Darf ein Künstler einfach einen Nagel für eine Hängung in eine historische Wand schlagen?“, fragte P. Lötschert. Um Gebäudeschäden zu vermeiden entscheidet dies die untere Denkmalbehörde. Maximal 4% aller Gebäude sind in Deutschland Denkmäler. Ca. 20 Millionen gibt die DSD als Sanierungshilfe mit 200.000 Förderern für diese jährlich aus. Die Galerie der HWK Koblenz in der Rizza-Str. zeigt derzeit die prämierte DSD Wanderausstellung zur Arbeit und zu Fördermaßnahmen der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Eintritt frei. Beratungen können zusätzlich kostenfrei angefordert werden. Nichts wie hin.

Direktion Burgen, Schlösser Altertümer: Dr. Angela Kaiser-Lahme, Historikerin und Burgenforscherin verwaltet derzeit für die Generaldirektion Kulturelles Erbe RLP 87 Objekte. Für sie ist jedes Denkmal auch ein Kunstwerk mit eigener Aura und Würde. Auf die Frage wie sie zu postmoderner Kunst in alten Denkmälern stehe, meinte sie: „Hier passen am besten in Auftrag gegebene Kunstobjekte zum Denkmal“. Die künstlerische Anpassung, Aussage ist für ein passendes Match ausschlaggebend. „Die Trierer Installation im Jahr 2013 an der Portra Nigra mit 500 rötlichen Marxfiguren aus Kunststoff - eine Anspielung auf die Rote Arme, hier Marx-Armee von Konzeptkünstler O. Hörl ist für sie, so scheint es, nicht akzeptabel. Ebenso ergeht es ihr mit Street Art und Graffiti.

Street Art &Graffiti: Sind beide Maltechniken im öffentlichen Raum meist nicht genehmigt. Die Historikerin empfindet das illegale Ansprayen und Malen auf öffentliche wie private Gebäude als ein Zeichen der Respektlosigkeit, eine Zumutung für die Gemeinschaft und plädiert für Strafverfolgung und Wiedergutmachung, eine ordentliche Geldstrafe. „Illegales Pinkeln an Gebäuden“, meint sie, „werde schließlich auch strafrechtlich verfolgt.“ „Die Bundesbahn“, so Salonleitung Petra Lötschert, „gab schon 2012 fast 33 Millionen für die Wiederherstellung von angemalten Zugwagons aus. Das nächtliche, anonyme Sprayen hat sich inzwischen vermehrt. Was wohl 2025 die Schadens-behebung kosten mag?“, fragt die Moderatorin ins Publikum. Diese nicht vorhergesehenen Ausgaben der DB finden sich in der Erhöhung von Zugfahrten wieder. Das bedeutet, die Gemeinschaft trägt den Schaden und hat zu zahlen.

Die Powerfrau vor Ort

Prof. Dr. Beate Reifenscheid hat in Gelsenkirchen das Licht der Welt erblickt. Sie kommt aus dem Bereich Kunstgeschichte, Publizistik und hat in Bochum und Madrid studiert. Seit 1997 ist sie Direktorin des Koblenzer Ludwig Museums. In dieser Zeit war die Museumsleiterin zweimal Präsidentin der ICOM, ein bedeutender europäischer Museumsrat mit Sitz in Paris. Sie hat zwei Gastprofessuren in China hinter sich gebracht und zwei Kinder großgezogen. Typisch für Ludwig Museen ist es, die Leitung eines Hauses, wenn möglich nicht zu wechseln. Frau Prof. Dr. Beate Reifenscheid hat alle Hürden genommen. Seit 1997 ist sie in Koblenz zuhause.

Place of Excellence: Die Bananen-Abbildung am Museumseingang, ein Signet des Sprühkünstlers Thomas Baumgärtel, sieht sie als Auszeichnung. Baumgärtel hat weltweit über 4000 museale Einrichtungen mit seiner Banane an Eingängen versehen. Von der MoMA, über das Centre Georges Pompidou bis hin zu den Ludwigs Museen. Frau Prof. Dr. Reifenscheid spricht hier von der Freiheit der Kunst und lächelt. Moderatorin Lötschert wird im Juni in der cubus kunsthalle duisburg die Laudatio zur neuen Baumgärtel-Ausstellung halten.

Mehr Kooperation erwünscht: Derzeit wird das Dach des Museums saniert, der Eifel-Schiefer wird in Portugal behauen, geschliffen, da hier das Handwerk nicht mehr ausgeführt wird. Sie hätte den 300qm Dachboden gern als zusätzliche Ausstellungsfläche gesehen, leider wird er nur zur Lagerfläche hergerichtet. Das Ludwig Museum ist das einzige Haus dieser Art, das in Koblenz international über den Gartenzaun sieht. Eine zusätzliche Ausstellfläche hätte dem nationalen wie internationalen Ruf des Museums wie der Stadt nur gut getan. Auch wünscht sie sich eine bessere Zusammenarbeit mit der Touristik. Ausstellungen könnten über die Stadtgrenze hinaus touristisch beworben werden und könnten somit zu mehr Stadtbesuchen auffordern. Auch Werbung für die Museen auf Autobahnabfahrtsschildern, innerstädtischen Beschilderungen; Werbung an Bahnhöfen, in den Rhein- und Moselanlagen könnten dem Image der Stadt und seiner Museen dienen.

Der Mann vom Torhaus

Alexander von Canal hat das Torhaus und ein Stück Mauerwerk des Deutschritterordens modern mit einem gläsernen Kasten versehen und zu einem vorbildlichen transparenten Architektenbüro umfunktioniert. Dafür hat er das Siegel der UNESCO erhalten. Ihm gehören einige hundert qm dieses bedeutenden historischen Geländes unten am Rhein. Seine Frau Martina hatte ihn gebeten das Areal zu erstehen. Das von ihm verpachtete Restaurant steht heute auf den Mauern, dem Kreuzgewölbe des Nikolaushospitals, das einst von dem Deutschritterorden betrieben wurde. Der Deutsche Orden „Ordo domus Sanctae Mariae Theutonicorum“, prägte den Namen unseren Staates. Im Sommer, so berichtet er, kommen hier täglich bis zu 3000 Menschen vorbei, die gern im Blumenhof verweilen. Gern sähe er dort die Kapelle wieder in Stand gesetzt. „Wenn schon das Kurfürstliche Schloß die nächsten Jahre kein Standesamtszimmer bietet, wäre die marianische Kapelle am Blumenhof ein schöner Platz dafür sich das Ja-Wort zu geben“, meinte Moderatorin Petra Lötschert. Koblenz wäre um eine weitere Attraktivität reicher.

Legalisieren und kontrollieren

Illegale Graffitis scheinen auch ihn nicht zu begeistern, da diese einem Gebäude oft die Würde nehmen. Besonders die Wiederherstellung einer historischen Mauer ist von hohen Kosten, manchmal auch von teurem Substanzverlust begleitet. Die Stadt könnte zu Sprüh- und Malaktionen Gebäudewände, Mauern freigeben, um selbstautorisierte Malaktionen und die Wut der Betroffenen einzudämmen, ist der Talkgastkonsens. Sie könnte sogar zu Malwettbewerben aufrufen. Prof. Dr. Reifenscheid spricht von einem Streetart Festival in Wilhelmshaven, eine Urban Art Biennale soll es sogar in Völklingen geben.

Die nächsten Termine für weitere Diskurse zur Stadt Koblenz ihren Menschen, Häusern und Anliegen finden Interessierte auf www.kultursalonkoblenz.de

Pressemittelung Kultursalon Koblenz

Gute Gespräche auf historischem Areal.

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Der 100. Geburtstag von Dr. Peter Ludwig, dem Gründer der Ludwigstiftung, findet im Juli 2025 statt.

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Husch von Hohenzollern - Schloßburg Namedy, zu Gast beim Diskurs im Ludwig Museum.

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V.li. Dr. A. Kaiser-Lahme, U. Schirmer, P. Lötschert, Prof. Dr. Reifenscheid und Alexander von Canal. Fotos: P. Lötschert

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