Rathhaussturm der Möhnen
Mayener Möhnen fordern Stadtschlüssel
Mayen. Es regnete – wie seit Tagen vorhergesagt. Doch seit vielen Jahren erprobt auch in solch widrigen Umständen, ließen sich die Möhnen und ihre Begleitung nicht von ihrer Entschlossenheit abbringen. Mehrheitlich in zusätzliche transparente Regenumhänge gehüllt, unter der Uniform oder Verkleidung noch gut erkennbar waren, trotzten sie der Nässe und fanden sich bei bester Laune unterhalb der Burg zum Rathaussturm zusammen.
Pünktlich setzte sich der Marsch mit wortwörtlich Pauken und Trompeten, nämlich denen des Fanfarencorps Grün Weiß Mayen, in Bewegung, natürlich mitsamt der Alten Großen Mayener Karnevalsgesellschaft mit ihrem Präsident Uli Walsdorf, der Prinzengarde, den Blauen Funken Mayen, der Jungen Alten Großen Mayener Karnevalsgesellschaft und noch vielen anderen Vereinen, Korporationen und Närrinnen und Narren, die die Möhnen beim Sturm auf das Rathaus unterstützten.
Vorbei am Applaus der Zuschauer ging es, bis man sich vor dem Alten Rathaus versammelte, wo die Möhnen – bei inzwischen schon weniger Regen – lautstark nicht nur Einlass, sondern auch die Herausgabe des Schlüssels verlangten.
Auf dem Balkon OB Dirk Meid, der neben sich außer dem Beigeordneten Thomas Schröder mit Fachbereichsleiter Uwe Hoffmann einen treuen Mitstreiter von der Stadtverwaltung zu haben glaubte (obwohl dieser ja, unlängst ausgezeichnet mit dem „Städtischen Verdienstorden der Mayener Faasenaacht“, wohl eher als eingeschmuggelter Agent der Gegenseite anzusehen war), leistete zunächst deutlichen Widerstand; er wolle und könne die Stadt und ihre seriöse Verwaltung nicht in die Hand einer bunten Truppe legen, die auch noch ohne Prinz angetreten war. Die Möhnen, für die Nicole Walsdorf (Feuerwehrmöhnen), Barbara Münnich (Lewe Mädcha vom Gevelsberg), Silvia Distelkamp (Fidele Möhnen Hausen) und Kerstin Müller (Möhnen Nitztal) das Wortgefecht führten, hielten dagegen, sie seien ja dafür mit gleich vier Prinzessinnen erschienen – worauf der OB wiederum konterte mit der Bemerkung, mit gleich vier Frauen und keinem Mann am Ruder könne das doch nur im Chaos enden.
Daher verlangte er wenigstens die Beherrschung von Grundkompetenzen zur Verwaltung einer Stadt wie Mayen. Als Erstes sollten die Möhnen mindestens 33 Paare finden, die einen schwungvollen Kölschen Walzer tanzen konnten, und dies auch live vor Ort unter Beweis stellen. Die Funkemariechen griffen sich aus den Zuschauern beherzt jeweils den nächsten als Tanzpartner, so dass der OB schnell zugeben musste, dass diese Forderung schon mal erfüllt war. Aber das allein reichte ihm noch nicht. Er wollte hören, ob man auch das Lied vom „Mayener Mädche“ flüssig und schwungvoll schmettern könne. Als auch dies sich als problemlos, vielstimmig und kraftvoll machbar erwiesen hatte, gab der OB sich geschlagen und ließ einen riesigen Schlüssel vom Rathausbalkon herunter.
Und just als die Möhnen lautstark jubelnd ins Alte Rathaus eindrangen und das Zepter übernahmen, war es nicht nur trocken; der Himmel hatte sich beträchtlich aufgehellt und zeigte sogar manch blaue Stellen. Und damit war der Straßenkarneval 2026 offiziell eröffnet; bis zum Ausklang des Veilchendienstag regieren Narren die Stadt – nicht ohne gleich vor Ort den Dank durch Uli Walsdorf, stellvertretend für alle Karnevalisten und Möhnen, ausgesprochen zu haben an die Leute von Feuerwehr, Ordnungsamt, Stadtverwaltung und Polizei, ohne die auch diese Veranstaltung und der ganze Karneval nicht möglich sei: „Diese Leute arbeiten, wenn wir feiern.“
ML
Die Alte Große Mayener Karnevalsgesellschaft. Foto: ML
Die Blauen Funken Mayen. Foto: ML
Die Prinzengarde Mayen. Foto: ML
