Allgemeine Berichte | 22.02.2019, 17:03 Uhr

Die Andernacher Möhnen „Ewig Jung 1948“ riefen zur rheinischen Gaudi

Närrische Frauen zündeten fünfstündiges Stimmungsfeuerwerk

Der Sitzungskarneval ist längst keine Männer-Domäne mehr

Die „Schönsteher“ begeistern Menschen und verscheuchen Vögel. Fotos: MKA
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Andernach. Dienstag, 15.04 Uhr: Das Stimmungsduo „Die Mickeys“ bringt die „Abordnung“ (für den Rest war kein Platz mehr) der schönsten Frauen Andernachs in der voll besetzten Mittelrheinhalle auf Betriebstemperatur. Stunden später: Das Programm mit Höhen und … nix „und“: mit Höhen (!) geht zu Ende. Die Möhnen „Ewig Jung 1948“ nutzten die fünf Stunden ihrer Sitzung, das Zwerchfell ihrer Gäste zu attackieren. Aber auch deren Augen und Herzen wurden erfreut und durch Gesang und Begeisterungsjubel ihre Stimmen in Mitleidenschaft gezogen.

0Wie man mit Herz und Natürlichkeit bei Laune hält

Schon kurz nach dem Einzug des Damenkomitees und der Begrüßung durch Obermöhn Ingeborg Ludwig-Kraemer folgte bereits ein Höhepunkt des Programms. 45 Minuten redeten und sangen sich Seine Tollität Prinz Tubak II. „Mit Pinsel und Quast in den Prinzenpalast“ und Ihre Lieblichkeit Prinzessin Jessica I. „Dat Herzchen von Rot-Wieß aus dem Baggerparadies“ mit ihrem Hofstaat in die Herzen der Zuschauerinnen und der wenigen Männer im Saal. FC-Bayern-Anhänger und Möhnenmann Tubak wurde von seinen Tanzkameraden mit einem beleuchteten Fan-Grill überrascht. Charmant dankte Prinzessin Jessica ihrem Narrenvolk für die Unterstützung in diesen Wochen, musikalisch hofiert von „Mickey“ Ewald Müller: „Jessica, du bist einfach wunderbar!“ Vizemöhn Valeska Ludwig Leinen, seit dem zwölften Lebensjahr karnevalistisch aktiv, erhielt von Festausschusspräsident Jürgen Senft für ihr unermüdliches Engagement den „Großen Verdienstorden“. Prinz Tubak II. war es ein Anliegen, seinem Freund und Mit-Möhnenmann Paul Krämer („Herz und Seele der Truppe“) seinen Ehrenorden zu verleihen. „Mir zesamme, mir sain äens!“, schallte das Prinzenlied in der Mittelrheinhalle, bevor die Möhnemänner auf der Bühne und im Saal zum kurzen Tanz aufforderten. Gut aufgelegt moderierten Sitzungspräsidentin Eva Zinken und Andrea Schmitz-Blum den weiteren Programmablauf. Auf Wunsch des zwei- bis zehnjährigen Möhnennachwuchses wurde für die Tanzdarbietung der „Möhnenhüpfer“ die Feuerwehr zum Thema des Kostüms und der Musik gewählt. Zugabe-Rufe für den entzückenden Einsatz der kleinen Floriansjünger. Den diesjährigen Kinderverdienstorden gab es für Lotta Zinken. Gut, wenn man eine Tochter hat, die einen darauf hinweist, dass die Mutter seit Stunden bei Schnee und Kälte vor der Haustür steht. In bewährt frech-fröhlicher Art plauderte Celina Ebert aus der Familie. Ihre Spezialität: Die Yoga-„Duftkerze“ – garantiert mit Pups. Als ihre fromme und nicht mehr sehkräftige Oma ihren 80. Geburtstag feierte und man dieser einen teuren bibelfesten und sprechenden Papagei schenkte, zeigte die sich besonders dankbar: „Das Hähnchen war echt lecker!“ Der Stargast im Programm war Andrea Berg (Oliver Dittert). Mit angesagten Titeln wie „Die Gefühle haben Schweigepflicht“ oder „Du hast mich tausendmal belogen“ riss der Parodist seine Fans von den Stühlen. Das „Müsli-Flatrate“-geschädigte Stadtsoldaten-Nachwuchstalent Johannes Fischer („Der Lurch“) lästerte in gereimter Form über Veganer und Ökofreaks, aber auch über Fernsehgrößen und Smartphone-Apps. Zu den Klängen der Kölner Stimmungsband Kasalla legte Katharina Versch bei ihrem Gardetanz eine flotte Sohle aufs Parkett. Das Solo-Tanzmariechen der Rot-Weißen Husaren überzeugte mit seiner Ausstrahlung und der Vielfalt seiner Sprung- und Tanzschritte.

Sechs Piratinnen präsentierten sich mit ihrem Jack Sparrow und Totenkopffahnen „wild und frei“. Die „Youngstars“ ertanzten sich die Anerkennung des Publikums. Kennen Sie schon das „Frauen-Karnevals-Komitee“ (FKK)? Die sich am liebsten selber mit Orden dekorierenden und „Hu-Go“ rufenden Faasenacht-Expertinnen casten ausnahmslos nur Andernacherinnen für die närrische Session. Da müssen die „Herren der Schöpfung“, vor allem Neuwieder, zwangsweise zu unlauteren Mitteln greifen. Eine originelle und amüsante Darbietung zum Ende der ersten Halbzeit.

Das Stimmungsfeuerwerk zündet weiter

Sie sind die musikalischen Stimmungs-Könige Andernachs: die Party-Zwillinge „De Spruddler“ (Gerd und Fred Thelen). Bei ihren auch überregional bekannten Songs „Zickezacke, halli galli“, „Kleine Engel“ oder „Hauptsache schön“ hält es nur wenige auf den Plätzen. Zugabe! „Frau Butterweck“ (Birgit Freitag) hat so ihre Mühe, ihren Göttergatten zu betören. Satin, Trauben und ihr 40-knöpfiges Nachthemd überwältigen diesen wohl weniger als sein Schlafbedürfnis.

Viel Spaß brachte der Vortrag der Möhnen-Geschäftsführerin. Der Countdown für ihren Abschied lief bereits, als das Möhnentanzpaar Luisa Karbach und Sebastian Schneider seinen Tanz präsentierte. Dieser zeichnete sich durch Kreativität, Schritt- und Bewegungsvielfalt, erstaunliche Hebungen und eine ansprechende Choreografie aus.

Riesenapplaus und ein tränentreibendes „Tschüss!“ an Luisa und Sebastian, die seit zehn Jahren nicht nur das Möhnenpublikum mit ihren Tänzen begeistern. Wenn „Utschebebbes“ (Jürgen Zerwas) aus seinem Leben erzählt, bleibt kein Auge trocken. „Wo steht mein Essen?“, fragte er seine Elvira, die konterte „Steht im Kochbuch auf Seite 12!“

Dabei suchte er noch im Fitness-Studio nach einem Gerät, mit dem er seine Angebetete beeindrucken kann. „Nehmen sie einen Geldautomaten“, empfahl ihm der Trainer. Sehende Ovationen für den Humor-Experten.

Für die Vogelwelt mögen sie Scheuchen gewesen sein, für die im Saal unterrepräsentierte Männerwelt 16 attraktive Damen vom Teenager- bis zum angehenden Seniorenalter:

Die „Schönsteher“ bezauberten als Vogelscheuchen in aparten Kostümen und erwiesen sich als tänzerische Augenweide. Ein Beifallsorkan war der Dank. Von den Möhnen aus Heimbach-Weis konnten wieder Ute Bresgen und Elke Thon für einen Auftritt gewonnen werden. Als „Martha und Bertha“ boten die beiden fernsehreifen Meisterinnen des Humors ein Zwiegespräch „zum Brüllen“. Sie amüsierten mit der Schilderung ihrer Bettgeschichten, Missgeschicke und Missverständnisse und scheuten sich auch nicht, sich gegenseitig ihre Äußerlichkeiten vorzuhalten. 25 Jahre Bühnenerfahrung zahlen sich aus: Dauergelächter im Saal und stehende Ovationen! Im Männerballett der Möhnenmänner tanzte in diesem Jahr auch der Hochadel mit.

Prinz Tubak II. und sein Verkehrsminister Stephan verstärkten ihre Kameraden, mit denen sie, zur frenetischen Freude der Damen im Saal, als Wolfgang-Petry-Doubles die Bühne rockten.

Ohrenbetäubend und mitreißend begleiteten dann die Guggemusiker der „Gasseputzer“ das Finale der Mitwirkenden. Traditionell gab es zwar für die Gäste während der Sitzung wieder Kaffee, Kuchen und Würstchen, über das Image eines gemütlich-stimmungsvollen Nachmittags für Frauen ist die Möhnensitzung jedoch längst hinausgewachsen.

„Das ist Wahnsinn“ – die Möhnemänner als Wolfgang-Petry-Doubles.

„Das ist Wahnsinn“ – die Möhnemänner als Wolfgang-Petry-Doubles.

„Das ist Wahnsinn“ – die Möhnemänner als Wolfgang-Petry-Doubles.Für den FC-Bayern-Fan Prinz Tubak II. einen Bayern-Grill.

„Das ist Wahnsinn“ – die Möhnemänner als Wolfgang-Petry-Doubles. Für den FC-Bayern-Fan Prinz Tubak II. einen Bayern-Grill.

Riesenapplaus für Luisa Karbach und Sebastian Schneider, die sich nach zehn Jahren als Tanzpaar von der Möhnenbühne verabschiedeten.

Riesenapplaus für Luisa Karbach und Sebastian Schneider, die sich nach zehn Jahren als Tanzpaar von der Möhnenbühne verabschiedeten.

Die „Schönsteher“ begeistern Menschen und verscheuchen Vögel. Fotos: MKA

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