Allgemeine Berichte | 17.02.2026

Neulich beim achten Weltwunder

von Gregor Schürer

Autor Gregor Schürer.  Foto: privat

Neulich habe ich, völlig überraschend und ungeplant, das achte Weltwunder gesehen. Naja, vielleicht ist das ein wenig übertrieben. Aber an ein Wunder grenzt es schon. Und damit passt auch wunderbar zur gerade beendeten närrischen Zeit.

Ich bin unterwegs zu einem Spiel der Fußball-Bundesliga, zur Anreise nutze ich wenn möglich den Zug. Ich stelle mein Auto meist in Sinzig ab, weil man da umsonst parken kann. Am Bahnhof will ich wie immer rechts vorbei, um auf mein Gleis zu kommen, da fällt mein Blick auf eine Öffnung vor dem Bahnhofsgebäude. Die Erde hat sich aufgetan, da sind plötzlich Treppen, die hinab führen zur Unterführung. Ich reibe mir die Augen, aber es ist kein Traum, sondern Wirklichkeit. Fast ein wenig ehrfürchtig steige ich hinab in den Tunnel. Er ist hell gestrichen (noch!) und ausgeleuchtet, man kann hindurchschauen bis zum mittleren Aufgang zu den Gleisen 2 und 3 und bis zur anderen Seite. Wahnsinn, die Unterführung ist tatsächlich fertig geworden. Also fast, die Aufzüge vorn und hinten fehlen noch, damit der Bahnhof wirklich barrierefrei ist. Sie sollen bis Ende 2026 eingebaut werden. In der Mitte, zu den Gleisen hoch, gibt es schon einen Lift.

Wie lange es diese unvollendete Unterführung schon gab, weiß ich nicht. Vermutlich müsste ich auf alten Steintafeln im dortigen Stadtarchiv nachschauen. Was ich weiß, ist dass der Durchbruch zum Kaufland bei dessen Errichtung im Jahr 2010 gebaut wurde. Das sind 16 Jahre. Um zurück zu einem der sieben Weltwunder zu kommen: Der Bau der Cheops-Pyramide in Ägypten dauerte 20-25 Jahre, da ist also noch Luft. Deshalb nehme ich lieber ein anderes Beispiel: Die Schweizer haben 17 Jahre gebraucht, um den Eisenbahntunnel unter dem Sankt Gotthard zu bauen. Der ist übrigens 57,1 km lang.

Aber ich will nicht meckern, sondern mich lieber am kleinen Weltwunder von Sinzig freuen. Vielleicht wird es ja auch, wie die Pyramiden, eine Touristenattraktion.

Autor Gregor Schürer. Foto: privat

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