Allgemeine Berichte | 24.09.2025

Die Autorin präsentiert bald in Bad Breisig ihr Buch mit dem Titel „Die schamlosen Offenbarungen der Mrs. Warren“

Nie zu alt für die Liebe: Ingrid Schampel schrieb ihren ersten Erotik-Roman im Alter von 93 Jahren

Ingrid Schampel mit ihrem neuesten Buch.  Foto: KS

Bad Breisig/Bonn. Obwohl Ingrid Schampel sagt, dass das Schreiben sie sehr anstrenge und sie wohl kein weiteres Buch mehr verfassen werde, glaubt man der 93-jährigen Autorin kaum, dass es ihr Ernst damit ist. Zu interessiert blickt sie auf das Leben und die aktuellen Geschehnisse.

Ingrid Schampel, Jahrgang 1931, wuchs in einer Arztfamilie im Bad Godesberger Villenviertel auf. Eigentlich wollte sie Dolmetscherin werden, doch nach der Währungsreform 1948 reichte das Einkommen des Vaters nicht, allen Kindern ein Studium zu finanzieren. Also arbeitete sie die nächsten 15 Jahre als Arzthelferin in der Praxis ihres Vaters. Von 1964 bis 1986 verbrachte sie die Winter in Andalusien. Dort begann sie, für eine Deutsche Zeitung zu schreiben; Musikkritiken und Künstlerportraits. „Heute denke ich manchmal, dass ich nicht so alt geworden wäre, hätte ich nicht diese Winter in Spanien gehabt,“ vermutet die Seniorin. Für sie bedeute Lebensqualität und gutes Leben nicht ein hohes Einkommen, sondern angenehme Stunden mit Freunden zu verbringen oder am Meer sitzend einen Sonnenuntergang zu genießen. Sie habe immer versucht, den alltäglichen Arbeitsstress zu vermeiden.

Ihr erster Roman, ein Krimi, erschien dann 1988. Sie hatte an einem Wettbewerb des Goldmann Verlags teilgenommen, erhielt zwar keinen Preis, konnte aber den Krimi („Masken, Mord und Schneeblockade“) veröffentlichen. Es folgten zwei Romane über ihre Familiengeschichte („Bonner Serenade“ 1992 und „Berliner Intermezzo“ 1994). Insgesamt veröffentlichte sie 13 Bücher, davon sind 5 Krimis. Es folgte eine längere Pause. „Ich war die Krimis leid,“ erklärt sie. Ein Teil dieser Zeit habe sie in Norwegen verbracht und Bücher von norwegischen Autoren lektoriert. Neben Spanisch spricht sie auch Norwegisch. Sprache ist ihr immer wichtig geblieben, ebenso Musik. Wenn sie schreibt, heute meist am Tablett, achtet sie auf die Satzmelodie und den Klang der Vokale, erzählt sie. Autor sein sei ein Handwerk, die zu schreibende Geschichte brauche einen roten Faden und eine Struktur.

Die Corona-Zeit brachte auch für sie einen Einschnitt. Sie musste Norwegen verlassen und hatte viel Zeit, sich mit verschiedenen Themen zu beschäftigen. Nach dem Lesen eines wissenschaftlichen Artikels zum Thema gleichgeschlechtlichen Verhaltens im Tierreich, sei sie auf die Idee ihres neuesten Romans gekommen, erinnert sie sich. In „Die schamlosen Offenbarungen der Mrs. Warren“ erhält eine nicht mehr ganz junge englische Krimi-Autorin nach langer Zeit Post von ihrer Cousine Laura. Laura entblättert in zahlreichen Notizen ihr abwechslungsreiches Liebesleben vor der eher bürgerlichen, verwitweten Mrs. Warren, die daraufhin ihre eigenen festen Überzeugungen hinterfragt und sich so ganz neuen Eindrücken öffnet. Die erotischen Eskapaden würzt sie dabei mit einer Portion Humor und Augenzwinkern.

Die Kombination aus erotischem Roman und betagter Autorin hat in der medialen Welt für Aufsehen gesorgt. So war Ingrid Schampel im Kölner Treff und bei Kai Pflaumes „Kaum zu glauben!“ zu sehen. Nach ihren Auftritten entspann sich in den sozialen Medien eine rege Diskussion. Erotik sei kein Thema für die Generation Ü 80, die wolle nicht darüber reden, fasst die Autorin ihre Erkenntnisse zusammen. Die 70- bis 75-jährigen seien da etwas zugänglicher und die Jüngeren stünden dem Thema noch offener gegenüber. So wundert es sie auch nicht, dass die meisten Bücher des aktuellen Titels über Amazon verkauft würden, berichtet sie schmunzelnd.

Wer Ingrid Schampel live erleben möchte, hat am Samstag, 11.10.25, um 18 Uhr in der Jahnhalle in Bad Breisig die Gelegenheit dazu, dann liest sie aus ihrem Roman. Tickets dafür bekommt man über den Kulturverein BREISIG.live e.V.

KS

Ingrid Schampel mit ihrem neuesten Buch. Foto: KS

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