Das Arp Museum Bahnhof Rolandseck veranschaulicht den regen Ideenaustausch zwischen den Künstlern

„Rendez-vous des amis: Kurt Schwitters und Hans Arp“

06.03.2018 - 13:51

Rolandseck. Zeitgleich mit der großen Präsentation polsterartiger Farbwandbilder und einiger Papierarbeiten Gotthard Graubners ist im Arp Museum Bahnhof Rolandseck eine weitere Ausstellung angelaufen: das Freundschaftstreffen „Rendez-vous des amis: Kurt Schwitters und Hans Arp“.


Innerhalb der Ausstellung zum Dadaisten Hans Arp wird insbesondere im Kabinett die intensive Künstlerfreundschaft zwischen Arp ((1886–1966) und Kurt Schwitters (1887–1948) gewürdigt, die sich zum 100. Mal jährt. 1918 begegnen sie sich erstmals im Berliner Café des Westens. Die aufrüttelnde Realität des Krieges hatte auch die Kunstwege erschüttert. Beide Künstler wollten mit Kunst die Welt verändern und akademische Traditionen abschütteln. „Die ‚Nicht-Kunst‘“, so das Arp Museum, „wurde zu ihrer Waffe gegen die Konventionen der wilhelminischen Gesellschaft und brach mit dem zeitgenössischen etablierten Kunstbegriff“. Der Blick auf die Welt musste wieder neu zusammengesetzt werden, da scheint es eine sinnfällige Analogie zu sein, dass die Collage mit dem Prinzip des Gestückelten zum wichtigen Medium des Schaffens von Arp und Schwitters wurde. Letzterer setzte sie bevorzugt aus kunstfernen Materialien wie Fahrkarten zusammen.


Reger Ideenaustausch


Die enge Freundschaft schloss einen regen Ideenaustausch ein, mehr noch, bei vielen Gelegenheiten arbeiten Arp und Schwitters gemeinsam und die kreativen Resultate des einen wanderten in die des anderen ein. So enthält eine Arbeit von Schwitters, der seine Form von Dada „Merz“ nennt, die „Schnurruhr“ von Hans Arp. In einer weiteren bringt er Arps „Nabel“ ein. Die Schnurruhr gehört wie der Nabel zu den sieben Arpaden, Lithografien von Hans Arp mit assoziativem Charakter. Schwitters veröffentlichte die Arpaden komplett in seiner Zeitschrift Merz. Umgekehrt hat auch Arp ein Exemplar der fünften Merz-Lieferung zerrissen und daraus eine Collage geschaffen. Gleichfalls zeigt die Ausstellung Arps „i-Bild“, womit er in Schwitters‘ Terrain „wildert“, der sich mit dem formalen Eigenwert der Buchstaben auseinandersetzte. Es gibt gegenseitige Verbeugungen voreinander: zu erkennen in einer Grafik von Schwitters mit den Wörtern „Arp“ und „Merz“ und in Arps Collage „Puppe, Schwitters tragend“ mit dem Einschluss einer Collage Schwitters‘. Beide teilten dieselbe Art Humor, die ihnen offenbar zur steten Anregung wurde, sich spielerisch-künstlerisch aufeinander zu beziehen. „Daher beim Lilienknicken linke Hand am linken Griff“, griff Hans Arp lustvoll spöttelnd eine typografische Gestaltung Kurt Schwitters‘ auf. Im Mittelpunkt von Schwitters‘ Layout für eine korrekte Bus-Benutzung standen allerdings die steifen Verse von Hermann Strodthoff: „Rechte Hand an rechtem Griff/So steig ein beim Abfahrtspfiff/Steigst Du aus, merk Dir den Kniff/ Linke Hand am linken Griff“.


„Gedichtet, gemerzt und gearpt“


Wie eine ganze Reihe von Künstlern verbrachten Hans Arp, seine Frau Sophie Taeuber-Arp und Kurt Schwitters gemeinsame Urlaubstage an der Ostsee. In einem Brief an Tristan Tzara hielten Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp euphorisch die Atmosphäre auf Rügen 1923 fest: „Es wird gedichtet, gemerzt und gearpt, den ganzen Tag“. Wie nah sich die Kreativen in ihrer Kunstauffassung waren, rücken auch eine geometrische Komposition Taeuber-Arps und eine ebensolche Collage Kurt Schwitters‘ in den Fokus, die sich sogar im gleichen Farbspektrum bewegen. „Als hätten sie am selben Schreibtisch gesessen…“, kommentiert die Kuratorin der Ausstellung Astrid von Asten.

Die Ausstellung in der Hans-Arp-Allee 1 ist bis 17. Juni, dienstags bis sonntags und an Feiertagen von 11 bis 18 Uhr, geöffnet.

HG

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Ehe Herr Kamphausen sich hier wichtig macht, sollte er zuerst mal die deutsche Rechtschreibung und Interpunktion beherrschen. Was das THW als erforderlich ansieht, wird es schon selbst wissen. Beate J....
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