Allgemeine Berichte | 03.07.2017, 14:04 Uhr

Exkursion des Fördervereins zur Denkmalpflege und des Heimatmuseums in Sinzig

Sakrale Baukunst von Vincenz Statz

Denkmalverein wandelte auf den Spuren des Architekten in Rheinbrohl, Landkern und Münstermaifeld

Architektonisch anspruchsvoll: St. Suitbert in Rheinbrohl. HG
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Sinzig. Viel gelernt und genau hingesehen haben die Teilnehmer der jüngsten Exkursion des Fördervereins zur Denkmalpflege und des Heimatmuseums in Sinzig, als sie mit Kirchenkenner und Vereinsmitglied Stephan Pauly Spuren von Vincenz Statz in der Region verfolgten. Der 1819 in Köln geborene Schreiner, Zimmermann und Maurer, nach dessen Plänen das Sinzig Schloss entstand, trat 1841 in den Steinmetzbetrieb der gerade von Ernst Friedrich Zwirner gegründeten Dombauhütte ein. 1845 wurde er Domwerkmeister, das heißt Stellvertreter des Dombaumeisters. 1854 schied er aus und wirkte als Privatarchitekt. Begeistert von den Bauformen der Neugotik, widmete Statz sein gesamtes Schaffen der Rezeption der Gotik. Dass die frühe Stilform des Historismus sich aber nicht im Aufgreifen der mittelalterlichen Architektur erschöpft, für die mächtige Raumhöhe und spitz zulaufende Bögen charakteristisch sind, das illustrierte Pauly eindrücklich bei seiner Führung in drei Sakralbauten, beginnend in der katholischen Pfarrkirche St. Suitbert in Rheinbrohl. Die von Statz entworfene, 1852 bis 1856 erbaute katholische Pfarrkirche „gilt als eine seiner besten Bauten“. In diesem Urteil stimmen König Friedrich Wilhelm IV. und die Kunstgeschichte überein. Anspruchsvoll gestaltete Statz den mächtigen Westturm, indem er im quadratischen Grundriss zweier Geschosse beim dritten zum Achteck wechselte. Eine Besonderheit auch der Turmhelm, nicht geschiefert, wie üblich, sondern gemauert. Im Innern der dreischiffigen Basilika wird deutlich, „dass man der mittelalterlichen Ideenwelt noch eigene Inspiration hinzufügte“, etwa durch die „Naht“ der Scheidbögen zwischen Haupt- und Seitenschiff. Bis ins letzte Detail durchdacht waren die Bauten: Selbst der Verzicht auf das Mittelfenster im Chor zwecks besserer Sicht auf die steil aufstrebenden Filialen des Altars ging vermutlich auf den Architekten zurück, wenn nicht sogar der Altar selbst. Die Kritik, die Kirche sei zu dunkel, beherzigte Statz wohl beim Neubau St. Servatius in Landkern, Kreis Cochem-Zell. Für das 1859 bis 1862 errichtete Gotteshaus plante er jedenfalls höhere Obergaden mit größeren Fenstern. Originell legte er den Chor zentralbauartig erweitert an. Dennoch zeigt der Rheinbrohler Bau eine individuellere Handschrift.

Innovativer und moderner

„Aber Landkern mit seiner Originalausmalung mit nachgemachtem Mauerwerk, den Disteln in den Gewölbezwickeln und seinen herrlichen Fenstern im Gesamterscheinungsbild schöner“, fand Pauly. Weil Vincenz Statz, der von sich behauptete, 500 Bauten gingen auf ihn zurück, „gemeint waren wohl Entwürfe“, auch für viele Einrichtungen von Kirchen verantwortlich zeichnete, führte das Ziel Nummer drei bei der Exkursion zur ehemaligen Stiftskirche Münstermaifelds mit dem festungsartigem Westwerk. Im Bau mittelrheinischen Übergangsstils von der Romanik zur Gotik konzentrierte man sich auf eine neugotischen Kanzel von Statz. Gotische Formen scheinen auf, aber in einem vom Mittelalter abweichenden Material. Der findungsreiche Statz wählt Stein statt Holz und erzielt eine ganz andere Wirkung. Der Vize des Denkmalvereins Matthias Röcke dankt Stephan Pauly für seine kenntnisreichen Erläuterungen, die Einzelheiten wie Zusammenhänge zu beleuchten wussten. Der Referent machte seinerseits deutlich, dass ihn das große Interesse der Teilnehmer freute.

HG

Hell und freundlich wirkt die Landkerner Kirche.

Hell und freundlich wirkt die Landkerner Kirche. Foto: unknown

Neugotische Kanzel in Münstermaifeld.

Neugotische Kanzel in Münstermaifeld. Foto: unknown

Architektonisch anspruchsvoll: St. Suitbert in Rheinbrohl. Fotos: HG

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