Allgemeine Berichte | 20.07.2023, 09:26 Uhr

Realschule plus auf der Karthause

Seit Jahren vermisst!

Der neu verlegte Stolperstein.  Foto: Frauke Rittscher
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Koblenz. Am 20. Januar 2009 soll in der Frankenstraße 13 ein Stolperstein für Edmund Zimmer verlegt worden sein. Wie man aber schon vor Jahren auch in der Zeitung lesen konnte, ist dieser Stolperstein seit mindestens 2017 im Koblenzer Straßenbild verschwunden.

Edmund Zimmer wurde 1920 als junger Mann geboren. Sein Leben verlief „ganz normal“, bis er als Jugendlicher unter epileptischen Anfällen litt. Auf ärztlichen Rat wurde er in die Heil- und Pflegeanstalt Bonn eingewiesen. Von dort kam er nach Andernach. Kurz nach seinem 21. Geburtstag wurde Edmund am 20. Juni 1941 von Andernach nach Hadamar gebracht und noch am Tag seiner Ankunft in der Gaskammer im Keller der Anstalt ermordet.

Ausgehend von der Recherchearbeit von Joachim Hennig, Mahnmal Koblenz, zur Lebensgeschichte von Edmund Zimmer, machte sich die Arbeitsgemeinschaft Demokratie leben“ der Realschule plus auf der Karthause daran, mit Hilfe des Stadtarchivs und der Gedenkstätte Hadamar die Lebensgeschichte von Edmund Zimmer erneut zu recherchieren und nach seinem Grabstein zu suchen. Nach ausgiebiger Suche fanden die drei Zehntklässler Arya Noruzi, Maik Sperling und Andi Zeneli mit ihrer Lehrerin Frau Rittscher den unverlegten Stein im Koblenzer Bauhof und organisierten nun die Wiederaufstellung.

Mit Hilfe des Stadtarchivs musste der genaue Standort des Steins ermittelt werden. Das erwies sich als schwieriger als gedacht, denn die damalige Frankenstraße 13 hieß 1902 noch Löhrchaussee und liegt heute in der Chlodwigstraße.

Im Rahmen einer Gedenkveranstaltung wurde der Stolperstein von Edmund Zimmer mit Unterstützung des Teams des Kommunalen Servicebetriebes Koblenz neu verlegt. Nach der Begrüßung durch Schulleiter Bodo Dobbertin rief Oberbürgermeister Langner die versammelten Jugendlichen, Schüler, Eltern, Anwohner, Vertreter von Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage und Mahnmal Koblenz dazu auf, sich Gedanken zu machen, in welcher Gesellschaft wir leben wollen. Er machte darauf aufmerksam, welch wertvollen Schatz wir mit der Demokratie in den Händen halten und dass jeder etwas für ihren Fortbestand tun kann. Langner forderte alle auf, sich politisch zu informieren, genau hinzuschauen und von seinem Wahlrecht Gebrauch zu machen, damit ein solches Unrecht, wie es u.a. Edmund Zimmer angetan wurde, nicht mehr geschieht.

Ein Schüler-Lehrer-Ensemble der Realschule plus auf der Karthause gab der Veranstaltung mit Stücken auf Violine, Viola und Gitarre einen würdigen musikalischen Rahmen.

Arya machte darauf aufmerksam, dass „allein in Hadamar 10.000 Menschen wie Edmund Zimmer ermordet wurden und sein Stein somit für einen von 10.000 Menschen steht, die alle ein Recht auf Leben hatten und deren Würde unantastbar war. Deren Menschenrechte mit Füßen getreten wurden, die ermordet wurden“.

In Anlehnung an das Motto der Koblenzer Wochen der Demokratie 2023 „Auch Du gehörst dazu“ sagte Maik am Ende der Gedenkfeier: „Solche Steine zu verlegen und sie dann zu pflegen, ist etwas, was wir als demokratische Gesellschaft für ein besseres Miteinander tun können. Wir wollen, dass jeder einzelne Stein hier liegt und mahnt und zeigt, was unsere Demokratie bedeutet! Wie wertvoll sie ist. Wir wollen uns klar gegen Unrecht positionieren, weil wir dazu gehören und weil auch Edmund und sein Stolperstein dazu gehören!“

BA

Der neu verlegte Stolperstein. Foto: Frauke Rittscher

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