Allgemeine Berichte | 25.09.2017

Arbeitskreis Gesundheit Mayen Koblenz diskutiert in Andernach über Suchtprobleme am Arbeitsplatz

Suchtkrankheiten machen auch vor Werkstoren nicht Halt

Die Verantwortlichen und ihre Gäste im Foyer der Mittelrheinhalle. UBU

Andernach. Das Thema Sucht ist häufig in aller Munde und trotzdem fällt es meist schwer, sich diesem Thema aus betrieblicher Sicht zu nähern. Wie erkenne ich eine Person mit Suchtproblemen? Wie gehe ich damit um, wenn ich bemerke, dass ein Kollege ein Alkoholproblem hat? Was kann der Arbeitgeber tun, um seinen Mitarbeiter auf dem Weg aus der Sucht zu unterstützen? Unter den Gesichtspunkten „Wege in die Sucht, Leben mit der Sucht und Auswege aus der Sucht“ diskutierten rund 110 Teilnehmer der Veranstaltung „Arbeit ohne Sucht. Sucht ohne Arbeit“ in der Mittelrheinhalle in Andernach in dem Ex-Fußballprofi Uli Borowka, Dr. Peter Hotz, Chefarzt der Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach und dem Suchtberater der Shell Deutschland Oil (SDO) Ralf Laus.

Der Arbeitskreis Gesundheit Mayen-Koblenz, zu dem die AOK Rheinland-Pfalz/Saarland, die Bezirksärztekammer Koblenz, die Deutsche Rentenversicherung Rheinland-Pfalz, die Industrie- und Handelskammer Koblenz, die Jobcenter des Landkreises sowie die Rhein-Mosel Fachklinik Andernach zählen, hatte Führungskräfte, Betriebs- und Personalräte, Personalverantwortliche und Beschäftigte aus kleinen und mittleren Unternehmen der Region zu der Veranstaltung eingeladen.

Allein die Zahl der alkoholabhängigen Menschen in Deutschland schätzt Uli Borowka auf acht Millionen. „Jeder hat in seiner Familie mindestens ein oder zwei Suchtkranke“, verweist der ehemalige Fußballprofi in seinem Impuls-Vortrag darauf, dass es sich bei Suchterkrankungen nicht um ein individuelles, sondern um ein gesellschaftliches Problem handelt. Borowka war 16 Jahre lang Fußballprofi bei Borussia Mönchengladbach und Werder Bremer und gleichzeitig von Alkohol und Medikamenten abhängig. In seiner Autobiografie „Volle Pulle. Mein Doppelleben als Fußballprofi und Alkoholiker“, berichtet er davon, wie seine Sucht im Profisport systematisch unter den Teppich gekehrt wurde „In unserer Leistungsgesellschaft können sich Leistungsträger viel herausnehmen“, prangert der ehemalige Fußballprofi an. „Insbesondere Letztere seien sowohl im beruflichen, als auch im privaten Umfeld oft von Menschen umgeben, die alles daran setzten, die Fassade aufrechtzuerhalten“, spricht Borowka die Co-Abhängigkeit an. Er selbst wurde seinerzeit von seinem Trainer Otto Rehagel geschützt. „Es wurde eine Grippe oder eine Verletzung vorgeschoben, wenn ich nicht zum Training kommen konnte, weil ich einen Kasten Bier und zwei Flaschen Wodka intus hatte - solange auf dem Platz alles funktionierte, haben alle weggesehen“, so Borowka. Die Co-Abhängigkeit sei fast noch schlimmer, als die Sucht selber“, verweist Borowka auf die Fürsorgepflicht, die Unternehmen gegenüber ihren Mitarbeitern hätten.

In welcher Form die Shell Deutschland Oil ihre Fürsorgepflicht wahrnimmt erläutert Ralf Laus, Suchtberater des Unternehmens. Auf dem Weg in die Sucht, sei es sehr schwer einzugreifen. Um den Suchterkrankten zu helfen und sie an entsprechende Stellen weiterzuvermitteln, müsse man sie zunächst erkennen. Deshalb arbeite das Unternehmen daran, die Co-Abhängigen unter den Mitarbeitern zu minimieren. „Vor fünf Jahren waren es noch 80 Prozent“, sagt Laus. Die Shell Mitarbeiter werden in Schulungen darüber informiert, welche Schritte einzuleiten sind, wenn sie die Vermutung haben, einer ihrer Kollegen habe ein Alkoholproblem. „Die Teilnahme ist für die Mitarbeiter verpflichtend“, betont Laus. Denn Co-Abhängige fühlten sich oft als Verräter, deshalb brauche es Druck, einen Suchterkrankten zu entlarven. Diese Schulungen kosteten die Unternehmen zwar Geld, ersparten ihnen aber hohe Folgekosten, indem sie die Arbeitskraft der Betroffenen langfristig erhalten. „Würden wir allen Suchtkranken kündigen, hätten wir etwa acht Prozent weniger Mitarbeiter“, so Laus. „In einem großen Unternehmen wie Shell Deutschland Oil ist dies natürlich viel einfacher, als in einem kleinen Unternehmen“, weiß der Suchtberater.

Dr. Peter Hotz, Chefarzt der Suchtmedizin und Sozialpsychiatrie an der Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach sieht bei der Suchtprävention noch einen großen Aufklärungsbedarf. „Die meisten Betroffenen wissen gar nicht, das eine Suchterkrankung ausgesprochen gut behandelbar ist“, so der Mediziner. Zwei Drittel aller Suchtkranken könne geholfen werden. „Je früher die Behandlung beginnt, umso erfolgreicher ist sie“, betont Hotz. Dass eine Therapie nur erfolgreich sei, wenn der Betroffene von sich aus Hilfe suche, sei ein Mythos. „Für den Therapieerfolg spielt es keine Rolle, ob der Betroffene sich freiwillig in Behandlung begibt, oder dazu gezwungen wird“, appelliert Hotz an die Unternehmen, ihre Mitarbeiter stärker für das Thema zu sensibilisieren.

Teil des Problems sei auch der gesellschaftliche Umgang mit Suchterkrankungen. So würden auch am Arbeitsplatz Suchtprobleme vor allem aus Angst vor Stigmatisierung vertuscht. „Dem müsse man entschieden entgegentreten“, waren sich die drei Experten einig.

Suchtkrankheiten machen auch vor Werkstoren nicht Halt

Suchtkrankheiten machen auch vor Werkstoren nicht Halt

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Die Verantwortlichen und ihre Gäste im Foyer der Mittelrheinhalle. Fotos: UBU

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