Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Der schwierige Auftrag an die Kinder- und Jugendhilfe

„Systemsprenger“: Herausforderung und Herzenssache

Schwer traumatisierte Kinder und Jugendliche brauchen intensive und zielgerichtete Hilfe

„Systemsprenger“: Herausforderung und Herzenssache

Daniela Hoffmann, Bereichsleitung der Jugendhilfeabteilung der Mayener Lebenshilfe. Foto: Behrendt&Rausch

27.03.2020 - 15:27

Kreis MYK. Aktuell stellt die Corona-Krise auch die Jugendhilfe und ihre Mitarbeiter vor eine große Herausforderung. Neben der Infektionsgefahr steht dem sinnvollen Abwägen zwischen Schutz der Gesundheit jedes einzelnen Kindes und Mitarbeiters, vor allem die Aufrechterhaltung des Kinderschutzes weiter im Fokus. Viele Kinder, die in den Wohngruppen der Lebenshilfe leben, können nicht einfach nach Hause geschickt werden. Daher müssen die Mitarbeiter in Verantwortung ihrer betreuten Kinder, Jugendlichen und Familien ihre Hilfsangebote aufrechterhalten und tagesaktuell sinnvoll anpassen. Hier ist eine individuelle Abstimmung mit dem jeweiligen Sachbearbeiter im Allgemeinen sozialen Dienst des Jugendamtes notwendig, um gemeinsam jeden einzelnen Fall verantwortungsvoll durch diese Zeit zu begleiten.

Einen kleinen Einblick in die Herausforderungen der täglichen Arbeit der Jugendhilfe zeigt der aktuelle preisgekrönte Kinofilm „Systemsprenger“, der derzeit das Publikum berührt.

Das Drama stellt ein Mädchen in den Mittelpunkt, das als titelgebender Systemsprenger einen Leidensweg zwischen wechselnden Pflegefamilien, Aufenthalten in der Psychiatrie, Jugendhilfeeinrichtungen und erfolglosen Teilnahmen an Anti-Aggressions-Trainings durchläuft.

Ende des vergangenen Jahres veranstaltete die Mayener Lebenshilfe gemeinsam mit dem Jugendamt einen Kinoabend mit anschließender Diskussionsrunde für ihre Mitarbeiter. Zwei Stunden war es still im Corsokino. Keine Chipstüte, kein Popkornbeutel raschelte. Betroffenheit und Sprachlosigkeit machten sich bis zum letzten Platz im gefüllten Saal breit.

Mit gerade mal neun Jahren ist die Hauptfigur Benni aufgrund ihrer Wut- und Gewaltausbrüche durchs Netz beinahe jeder Institution gefallen und zu einem Fall geworden, der in der Kinder- und Jugendhilfe als „Systemsprenger“ bezeichnet wird. Dass hinter Bennis unberechenbarem Verhalten eine schwere frühkindliche Traumatisierung steckt, ist den Behörden bekannt. Trotzdem sind die meisten Pädagogen, die sich um ihre Reintegration bemühen, angesichts ihres Verhaltens hilflos.

Für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Jugendhilfe trauriger Alltag weiß Daniela Hoffmann, Bereichsleitung der Jugendhilfeabteilung der Mayener Lebenshilfe:

„Der Film bewegt und spiegelt sehr eindrucksvoll unseren ganz normalen Arbeitsalltag wider. Beim Schauen hatte ich sofort einige Kinder unserer Jugendhilfegruppen vor Augen, die ein fast identisches Schicksal teilen“, so Hoffmann und benennt insbesondere das Problem der Bindungsstörung als eine Ursache für Verhaltensauffälligkeiten.

Die Kinder haben häufig in ihrer Ursprungsfamilie aufgrund verschiedenster Problemlagen nie eine sichere Bindung erleben können. Gravierend sei es dann, wenn die Kinder und Jugendlichen selbst in Facheinrichtungen nicht tragbar für das vorhandene System seien, zum Beispiel wegen massiver Regelbrüche oder fremd- und eigengefährdenden Verhaltens.

„Das sind deutliche Grenzen, mit denen wir als Fachkräfte konfrontiert werden. Wir können in unseren Gruppen familienähnliche Wohnsettings gestalten und versuchen zumindest eine solide Basis und Stabilität zu gewährleisten. Das primäre Ziel ist häufig nicht „die Heilung.“ Massive Bindungsstörungen, wie sie bei einigen unserer Kinder und Jugendlichen vorliegen, sind leider oft irreversibel. Wir arbeiten vorwiegend an der Reduzierung von Quantität und Qualität der Krisen. Das Erreichen wir nur, wenn wir vor allem in Krisenzeiten beweisen, dass wir ein tragfähiges Beziehungsangebot aufrechterhalten wollen. Unsere Mitarbeiter müssen aber stets eine professionelle Distanz wahren und können nicht die Bindung eines Elternteils ersetzen,“ erklärt die Bereichsleiterin.

Dieses Problem wird in dem Film unter anderem deutlich, als das Mädchen Benni eines Abends aus der Wohngruppe abhaut, bei ihrem Betreuer zu Hause und dessen Familie auftaucht und zu ihm ins Bett kriechen möchte, weil es Nähe sucht. „Dies geht natürlich nicht, auch wenn es in dieser Situation genau das gewesen wäre, was das Kind gebraucht hätte“, so Daniela Hoffmann und macht deutlich, dass dies auch ein großes Problem für die Mitarbeiter darstelle, die selber emotional eng mit den Kindern und deren Schicksal verbunden seien. „Unsere Mitarbeiter üben täglich einen Drahtseilakt aus. Auf der einen Seite müssen sie Empathie, Kontinuität, Echtheit, Zuwendung und viel Geduld gewährleisten – auf der anderen Seite müssen sie sich auch selbst abgrenzen, um weiter professionell Helfer sein zu können. Jeder Ein- und Abbruch ist auch eine Enttäuschung und emotionale Belastung für die Betreuer. Die Leitung muss stets sowohl das Kind im Blick haben als auch die Mitarbeiter aber auch das Wohl vom Rest der Gruppe.“ Der Knackpunkt sei, nicht zu früh aufzugeben aber auch nicht den Punkt zu überschreiten, intensivere Hilfen zum Schutz aller einzuleiten. Die erfahrene Pädagogin sieht vor allem in der frühzeitigen Intervention und Prävention die einzige Chance diesem Problem zu begegnen.

„Kein Kind kommt als Systemsprenger zur Welt. Vielmehr liegt eine Verkettung von zumeist frühkindlicher, traumatischer Ereignisse zugrunde. Erste Verhaltensauffälligkeiten zeigen sich meist bereits in der Kita und genau hier muss schon angesetzt werden“, beschreibt Hoffmann die schwierige Aufgabe, der sich die Kinder- und Jugendhilfe stellen muss.

„Kontextnahe Krisenintervention zwischen Kindeswohlgefährdung und Rückführung in die Familie sowie Hilfe für Familien in Krisensituationen mit einer Verknüpfung von ambulanter und stationärer Erziehungshilfe kann nur durch verzahnte Zusammenarbeit aller Akteuren gelingen“, so Hoffmann und verweist auf die gute Vernetzung in Mayen und die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Team des Mayener Jugendamtes.

Pressemitteilung der

Lebenshilfe Kreisvereinigung

Mayen-Koblenz e.V.

Artikel bewerten

rating rating rating rating rating
Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.
Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag erstellen zu können.
Weitere Berichte

Zweiradkontrollen in Stadtgebiet Bendorf

Vier von elf Fällen ohne Fahrerlaubnis

Bendorf. Am späten Freitagnachmittag bzw. frühen Freitagabend wurde im Stadtgebiet Bendorf durch Einsatzkräfte der Polizeiinspektion Bendorf der motorisierte Zweiradverkehr in den Focus der Ermittlungen genommen. Hierbei wurden insgesamt 11 Fahrzeuge kontrolliert, bei welchen es sich um Mofas, Klein- und Leichtkrafträder handelte. In insgesamt 4 Fällen konnten Verfahren wegen Fahren ohne Fahrerlaubnis gegen die jeweiligen Fahrer vorgelegt werden. mehr...

Weitere Berichte
Illegales Straßenrennen

Zeugenaufruf wegen Straßenverkehrsgefährdung

Illegales Straßenrennen

Linz. Am Samstagnachmittag, 30. Mai, gegen 15 Uhr kam es auf der L 144, zwischen den Ortslagen Rottbitze und Schmelztal zu einer mehr...

Volksbank RheinAhrEifel führt ihre Vertreterversammlung erstmals digital durch

Online abstimmen und Fragen stellen

Koblenz/Region. Die Vertreterversammlung der Volksbank RheinAhrEifel findet in diesem Jahr zum ersten Mal digital statt. Grund ist die Coronakrise, die aktuell keine größeren Präsenzveranstaltungen erlaubt. mehr...

Shari möchte geliebt und verwöhnt werden

Katzenschutzfreunde Rhein-Ahr-Eifel e.V.

Shari möchte geliebt und verwöhnt werden

Kreis Ahrweiler. Shari (4 Jahre) ist eine liebe, wunderschöne Norwegische Waldkatze. Sie ist etwas schüchtern und braucht Zeit zum Auftauen. Wenn sie aber einmal Vertrauen gefasst hat, so ist sie sehr anhänglich und genießt menschliche Zuneigung und Streicheleinheiten. mehr...

Politik
Dringlichkeitsantrag als
Lösung für Münzplatzproblem

Freie Wähler fordern ein Alkoholverbot für das gesamte Platzgelände

Dringlichkeitsantrag als Lösung für Münzplatzproblem

Koblenz. Wie in den Medien berichtet wurde, kam es in letzter Zeit auf dem Münzplatz wiederholt zum Einsatz von Polizei und Ordnungsamt, weil zu viele Menschen auf dem Platz waren, von denen einige die Corona-Abstandsregeln nicht einhielten. mehr...

Antrag der WGS-Stadtratfraktion

Ehrenamtliche Friedhofspaten gesucht

Koblenz. Im vergangenen Jahr stellte die Wählergruppe Schupp den Antrag, für die städtischen Ortsteilfriedhöfe ehrenamtlichen Friedhofspaten einzuführen. mehr...

Sport
Frauenpower
unter Coronaschutzmaßnahmen

TGO-Gruppe „Frauengymnastik“

Frauenpower unter Coronaschutzmaßnahmen

Lahnstein. Die TGO-Gruppe „Frauengymnastik“ mit Übungsleiterin Rita Bender hatte sich gemäß der aktuellen Coronaschutzmaßnahmen mit großer Beteiligung zu ihrem wöchentlichen Training verabredet. mehr...

E Jugend wieder im Training

JSG Selters/Maxsain

E Jugend wieder im Training

Selters. Das erste Training nach der Corona-Pause stand am 27. Mai 2020 unter Einhaltung der Hygienevorschriften für die E Jugend der JSG Selters/Maxsain an. mehr...

HSV RaBa

Welpentraining darf wieder stattfinden

Ransbach-Baumbach. Das Training darf unter Auflagen wieder stattfinden. Dazu gehört auch das beliebte Welpentraining, bei dem auch Nichtmitglieder herzlich willkommen sind. Damit das Welpentraining wieder... mehr...

Wirtschaft
Jetzt vormerken

- Anzeige -Musikalisches Online-Weinseminar

Jetzt vormerken

Region. Wein, Musik und Heimat sind immer da! Wenn nicht in Präsenz, dann eben online. mehr...

Alle Geschäftsstellen wieder geöffnet

- Anzeige -Sparkasse Neuwied ist wieder überall für ihre Kundinnen und Kunden da

Alle Geschäftsstellen wieder geöffnet

Kreis Neuwied. Bereits mit den allgemeinen Lockerungen Ende April hatte die Sparkasse Neuwied begonnen, die wenigen geschlossenen Geschäftsstellen wieder Schritt für Schritt zu öffnen. Ab dem 2. Juni 2020 sind nun auch die Geschäftsstellen in Rheinbreitbach, St. mehr...

- Anzeige -In kleinen Schritten Großes bewirken

Jeder kann

Region. Ob Klimaschutz, Engagement vor Ort oder die aktuelle Corona-Pandemie: Jeder kann in kleinen Schritten Großes bewegen. Diesen Gedanken greift die Energieversorgung Mittelrhein (evm) in ihrer aktuellen „Jeder kann“-Kampagne auf. mehr...

Lesen Sie Jetzt:
Umfrage

Wollen Sie dieses Jahr Urlaub in der Region machen?

Ja, klar! Ich habe schon gebucht.
Mich zieht es in die Ferne!
Sehr gern, aber ich weiß noch nicht genau, wann und wo...
Nein, ich fahre lieber an die See.
Hier kenne ich doch bereits jeden Winkel!
Ehrlich gesagt: Weiß nicht.
aktuelle Beilagen
 
Kommentare
Jean Seligmann:
Das zwanghafte und angestrengte Bemühen, die AfD zu diskreditieren, produziert Widerspruch und Lächerlichkeit am laufenden Band.
Siegfried Kowallek:
Beim Komplex AfD, Spenden und Geheimnistuerei denke ich eher an die verdeckten Zahlungen von rund 132.000 Euro an die AfD-Politikerin Alice Weidel, bei denen die Bundestagsverwaltung wegen möglicher Verstöße gegen das Parteiengesetz Sanktionen gegen diese Partei prüft. Es stehen Strafzahlungen in dreifacher Höhe der Spenden aus der Schweiz im Raum, also rund 396.000 Euro. Jetzt will aber die AfD-Fraktion im Neuwieder Stadtrat einen Teil ihrer Aufwandsentschädigungen für einen guten Zweck spenden, was auf jeden Fall sympathisch ist im Gegensatz zu einer verdeckten Entgegennahme großer Spenden von jemandem, der etwas zu verbergen hat. Der angekündigte Verzicht auf eine medienöffentliche Bekanntgabe von Empfängern dieser Spenden befremdet mich jedoch aus zwei Gründen. Zum einen wirkt das heimliche Spenden an gemeinnützige Vereine oder Organisationen dadurch vergleichbar anrüchig wie etwa ein heimlicher Bordellbesuch, den man auch nur dann selbst öffentlich macht, wenn man erfolgreicher Kommunalpolitiker in Ochtendung ist. Zum anderen überzeugt die Begründung nicht, in der Vergangenheit sei vielerorts Druck auf Organisationen ausgeübt worden, die von der AfD eine Spende angenommen hätten. Wäre das der Fall gewesen, hätte diese Partei das doch auf jeden Fall laut und heftig angeprangert. Dieses Liebäugeln mit einem Opfermodus erinnert an den bisherigen geheimnistuerischen Umgang der AfD mit ihren Freitagsveranstaltungen im Kreis, deren Veranstaltungsort man nur auf Nachfrage mitgeteilt bekam. Dabei weiß nicht nur ich, in welcher Neuwieder Gaststätte diese Veranstaltungen stattfanden. Zudem stand deren Name sogar in einem ausgewogenen Artikel über eine AfD-Freitagsveranstaltung. Und als ich die letzte Veranstaltung dieser Partei vor den Corona-Einschränkungen in Oberbieber zum Thema „Wald und Wild“ besuchte, sah ich dort keinen einzigen Gegendemonstranten, obwohl die Partei den Veranstaltungsort zuvor sogar hinreichend öffentlich bekanntgegeben hatte. Siegfried Kowallek, Neuwied
S. Schmidt:
Das ganze Geschäftsmodell um einen „unnatürlichen“ Klimawandel beruht auf Modellberechnungen und den Verlautbarungen des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change). Nun hat die „University of Michigan“ in einer Pressemeldung vom 30.04.2020 die Katze aus dem Sack gelassen: Etliche der IPCC-Klimamodelle prognostizieren eine unrealistisch hohe Erwärmung für die Zukunft! Wie die „Berechnungen“ für die zu erwartenden „Corona-Opfer“ (es wurden bis zu 560.000 Tote prognostiziert), vollkommen falsch!
Heinrich Heine:
Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.
Service
LESETIPPS
GelesenEmpfohlen
Anzeige Online bestellen

Geben Sie Ihre Anzeige in wenigen Schritten einfach selbst auf - Rund um die Uhr auf unserer Online-Anzeigenaufgabe! Wählen Sie hier einfach die passende Rubrik aus.