Lana Horstmann und Rene Heinersdorff erzählen über „Gott und die Welt“
Talk im Turm in Kneipen-Atmosphäre
Neuwied. Nach dem großen Erfolg der ersten Ausgabe von Talk im Turm Ende letzten Jahres war klar, dass es eine Fortsetzung geben musste. Der als „Deichgesicht“ und ehemaliger Chef der Kleinkunstbühne bekannte Moderator Gerd Finkemeier war damals selbst überrascht vom riesigen Interesse. Und nach der ersten Ausgabe mit OB Einig und dem Koblenzer Comedian Reiner Zufall lag die Messlatte ziemlich hoch.
Und das wurde bei der Februar-Ausgabe noch einmal weit übertroffen. Das Bistro Turm in der Museumstraße platzte aus allen Nähten; es wurden sogar „Höhr-Plätze“ angeboten, von denen man die Gäste nicht sehen, aber die Gespräche wie bei einem Podcast verfolgen konnte.
Der Zuspruch lag sicherlich auch an der Attraktivität der Gäste. Lana Horstmann ist nicht nur als Landtagsabgeordnete bekannt, sondern gilt auch im politischen Geschäft in Mainz als kompetente, gradlinige Hoffnungsträgerin der SPD, die trotz ihrer jungen Jahre (sie ist noch U 40!) schon über viel Erfahrung verfügt. Schließlich hat sie nach dem Abitur Bürokauffrau gelernt und hat sich von ganz unten durchgekämpft. So konnte sie sich natürlich auch in der Männerrunde behaupten und ihre Standpunkte – insbesondere zur Arbeitsmarktpolitik - deutlich vertreten. Sie berichtete auch von ihren unterschiedlichen Begegnungen im Haustür-Wahlkampf, wo sie schon mal mit den Zeugen Jehovas verwechselt wurde. Aber auch ihr Humor blitzte auf, und als sie ihre Lieblingsfilme (Bodyguard und Pretty woman) verriet, war klar: sie hat auch eine romantische Seite!
Das animierte Rene Heinersdorff, der als Intendant des Schlosstheaters das Boulevard liebt, zu manch spontanem Kommentar. Er konnte und wollte seine Lana-Sympathie kaum verbergen, auch wenn er als FDP-Mitglied und Lindner-Freund einen schweren Stand hatte. Aber wenn ihm die Argumente ausgingen, hatte er immer noch einen Spruch auf Lager und konnte aus seinem reichhaltigen Schatz an Anekdoten aus der Theaterwelt punkten. Moderator Finkemeier legte aber immer wieder nach und wollte von Heinersdorff wissen, warum er das Neuwieder Theater fast komplett zum Boulevard-Tempel umgebaut hat. Dabei erwiesen sich „Tiefgang“ und „Anspruch“ als Reizworte für den Mann, der insgesamt sechs Theater von Bielefeld bis München betreibt und deshalb betriebswirtschaftlich denken muss. Er versprach aber, in Zukunft auch an andere Stücke auf den Spielplan zu setzen.
Nach zwei Stunden Talk im proppevollen Turm war klar: so unterhaltsam und trotzdem informativ kann ein Abend sein. Wenn er in lockerer Kneipen-Atmosphäre mit Gästen stattfindet, die etwas zu erzählen habe. Das Publikum dankte es mit langanhaltendem Applaus und aus den strahlenden Gesichtern war abzulesen: Hoffentlich bald wieder Talk im Turm!
Der Offene Kanal Neuwied hat den Talk aufgenommen. Er ist ab sofort über die Mediathek des OK zu sehen oder im Internet (googeln: Talk im Turm Neuwied).
