Allgemeine Berichte | 23.04.2025

Mit Lautsprecher und List: Spechtmonitoring im Stadtwald Koblenz

Trommeln für die Forschung: Spechte im Fokus der Artenvielfalt

Auch am Boden bleibt sie wertvoll: Die Baumkrone mit Spechthöhlen dient als Totholz weiterhin vielen Arten als Lebensraum. Försterin Miriam Rosenbach kontrolliert einen entsprechenden Baum im Koblenzer Stadtwald.  Fotos: Stadt Koblenz/Andreas Egenolf

Koblenz. Es ist noch früh an diesem Morgen im Koblenzer Stadtwald. Die Sonne hat sich gerade erst ihren Weg durch die letzten Nebenschleier und durch die Baumkronen gebahnt, während der Wald langsam erwacht. Vogelzwitschern ist vieler Orten zu hören – unterbrochen von einem plötzlichen Trommeln. Es ist die Sprache der Spechte. Doch dieses Trommeln ist speziell, denn es schallt nicht etwa von einem Baum. Vielmehr dröhnt es aus einer Bluetooth-Box.

Manch ein Spaziergänger beäugt Miriam Rosenbach im Vorbeigehen fragend. Doch davon lässt sich die Försterin nicht beirren. Sie nutzt die Zeit im Februar und März dafür, um den Spechtbestand in ihrem Forstrevier Kühkopf näher zu betrachten. Und dafür ist die Klangattrappe, die sie in den Händen hält und mit ihrem Smartphone bedient, Gold wert. „Die Spechte reagieren auf die aufgenommenen Rufe, die abgespielt werden. Sie fühlen sich dadurch in ihrem Revier gestört. Es könnten zum Beispiel Rivalen sein, die in ihr Revier eindringen, oder Paarungspartner. Wir geben also etwas vor, was eigentlich gar nicht da ist. Deshalb sollte man eine Klangattrappe nur für die Forschung einsetzen“, erklärt die 28-Jährige die Wirkung auf die „Trommler des Waldes“.

Im Rahmen des Programms zur Überwachung seltener Brutvögel der Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz (GNOR) werden die Spechte im Koblenzer Stadtwald systematisch kartiert. Beim Spechtmonitoring wird erfasst, welche Spechtarten vorkommen und wie häufig diese sind. „Dazu wird eine vorgefertigte Route abgegangen, die Jahr für Jahr gleich ist. Dabei werden dann wertvolle Daten zur Artenvielfalt und zur Entwicklung der Waldlebensräume gewonnen. Insbesondere wenig auffällige Arten wie der Kleinspecht würden ohne eine gezielte Erfassung oft unbemerkt bleiben“, sagt Revierleiterin Miriam Rosenbach.

Spechte sind Schlüsselarten in Waldökosystemen. Ihre Präsenz weist auf eine hohe Strukturvielfalt mit Alt- und Totholz sowie Biotopbäumen hin. „Besonders der Mittelspecht, der auf alte Eichenbestände mit hohem Totholzanteil angewiesen ist, und der Kleinspecht, der sich bevorzugt in lichten Eichenwäldern aufhält, profitieren von der naturnahen Bewirtschaftung eines Waldes“, erklärt die Försterin, um noch zu ergänzen: „Der Schwarzspecht, größter heimischer Specht, legt in alten Buchen geräumige Bruthöhlen an, die von zahlreichen anderen Tierarten wie Hohltauben, Bilchen und Insekten als Folgequartiere genutzt werden.“

Im Stadtwald Koblenz kommen laut Rosenbach zahlreiche für den heimischen Lebensraum typischen Spechtarten vor – vom Kleinspecht über den Mittelspecht bis hin zum Schwarzspecht und Grünspecht. Auch der Buntspecht ist verbreitet, wird jedoch aufgrund seiner Häufigkeit nicht im Monitoring erfasst. Für die Revierleiterin ein gutes Zeichen: „Das zeigt uns, dass unsere naturnahe Waldwirtschaft wirkt:Trotz Holznutzung finden Spechte hier geeignete Lebensräume.“ Die bisherigen Erfassungsdaten würden zusätzlich untermauern, dass die naturnahe Waldwirtschaft im Stadtwald Koblenz einen positiven Einfluss auf die Spechtpopulationen habe.

Neben dem Erhalt der Biodiversität spielt auch die nachhaltige Holznutzung eine zentrale Rolle. „Die naturnahe Bewirtschaftung des Stadtwaldes gewährleistet nicht nur den Schutz wertvoller Lebensräume, sondern auch die nachhaltige Produktion von Holz als nachwachsendem Rohstoff. Holz aus heimischen Wäldern dient als CO2-Speicher und trägt zur Reduktion klimaschädlicher Emissionen bei, indem es energieintensive Materialien ersetzt. Durch diese verantwortungsvolle Bewirtschaftung werden sowohl die ökologischen Funktionen des Waldes erhalten als auch eine langfristige Nutzung sichergestellt“, unterstreicht die Försterin.

Ein wichtiger Bestandteil dieser Bewirtschaftung ist der Erhalt von Biotop-, Alt- und Totholzbäumen, sogenannten BAT-Gruppen. Diese Baumgruppen, die durch weiße Wellenlinien gekennzeichnet sind, bestehen aus etwa 15 Bäumen pro drei Hektar und verbleiben bis zu ihrem natürlichen Zerfall im Wald. „Sie bieten nicht nur Spechten, sondern auch zahlreichen anderen Tier- und Pflanzenarten wertvolle Lebensräume“, erklärt Miriam Rosenbach.

Das Vogelmonitoring in Rheinland-Pfalz, zudem auch das der Koblenzer Försterin durchgeführte Spechtmonitoring zählt, wird durch ehrenamtliches Engagement getragen. Es ermöglicht nicht nur eine fundierte Datenerhebung, sondern trägt auch dazu bei, Schutzmaßnahmen gezielt weiterzuentwickeln. Weitere Informationen zur Teilnahme am Vogelmonitoring sind unter www.vogelmonitoring-rlp.de/mithilfe verfügbar.

Pressemitteilung der

Stadt Koblenz

Mit einer Klangattrappe lockt Försterin Miriam Rosenbach im Koblenzer Stadtwald Spechte an, um deren Population erfassen zu können.

Mit einer Klangattrappe lockt Försterin Miriam Rosenbach im Koblenzer Stadtwald Spechte an, um deren Population erfassen zu können.

Trommeln für die Forschung: Spechte im Fokus der Artenvielfalt

Auch am Boden bleibt sie wertvoll: Die Baumkrone mit Spechthöhlen dient als Totholz weiterhin vielen Arten als Lebensraum. Försterin Miriam Rosenbach kontrolliert einen entsprechenden Baum im Koblenzer Stadtwald. Fotos: Stadt Koblenz/Andreas Egenolf

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
Wir helfen im Trauerfall
Recht und Steuern
Wir helfen im Trauerfall
Heizölanzeige
Blaulichtfest in Grafschaft-Ringen, 11. – 12.07.26
10 Jahre HSH Heizung Sanitär Herschbach in Bad Neuenahr-Ahrweiler
Stellenanzeige 2026/061 Sachbearbeiter/in (w/m/d) im Bereich ÖPNV
Empfohlene Artikel
Mitten in der Altstadt von Koblenz, dort wo Touristen und Einheimische gerne stehen bleiben, steht er: der Schängelbrunnen.
169

Koblenz. Seit 1941 plätschert er auf dem Willi-Hörter-Platz in der Altstadt vor sich hin. Oder besser gesagt: er spuckt sich tapfer durch die Jahrzehnte. Dieser Brunnen ist aber kein stilles Wasserspiel, sondern wie ein echter Koblenzer ein wahres Original. Original: frech, unbeeindruckt und leicht verschmitzt. Lesen Sie den kompletten Artikel im BLICK aktuell-RegioMAGAZIN.

Weiterlesen

Symbolbild.
179

Koblenz. Die Deutsche Bahn wird ab 10. Juli bis 12. Dezember auf der rechten Rheinseite an der Strecke zwischen Troisdorf und Wiesbaden Gleise, Weichen sowie Signale erneuern. Zudem modernisiert sie außerdem 36 Bahnhöfe auf diesem Abschnitt im Rahmen der geplanten Totalsperrung. In diesem Zug wird unter anderem der Bahnhof im Koblenzer Stadtteil Ehrenbreitstein an heutige Bedürfnisse angepasst.

Weiterlesen

Weitere Artikel