Allgemeine Berichte | 17.12.2025

Interview mit Chefarzt Dr. Spell: Fragen zu den Folgen der Schließung

Von Maria Stern nach Linz: Kontinuität trotz Standortschließung

Das Krankenhaus in Remagen musste Ende November 2025 schließen.Foto: ROB

Linz/Remagen. Trotz langer Bemühungen von Geschäftsführung und Insolvenzverwaltung musste der Remagener Standort des Verbundkrankenhauses Linz-Remagen, das Krankenhaus Maria Stern, Ende November 2025 leider schließen.

Es war möglich, mehr als hundert Beschäftigte in das Schwesterkrankenhaus auf der anderen Rheinseite, das Franziskus Krankenhaus in Linz, zu übernehmen, die dort am 1. Dezember die vorhandene Belegschaft verstärkten. Im folgenden Interview beantwortet Dr. Spell, Chefarzt für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Fragen zu den Folgen der Schließung für Patienten, Zuweiser und die Organisation der Versorgung.

Frage: Dr. Spell, zunächst kurz: Was bedeutet die Schließung des Standorts Remagen für die Patienten vor Ort? Gibt es auch Vorteile, die sich daraus ergeben können?

Dr. Spell: Durch das Krankenhausstrukturgesetz ist eine stärkere Zentralisierung vieler Leistungen vorgesehen. Wir hatten uns darauf bereits in der Vergangenheit vorbereitet. Besonders onkologische Eingriffe im Bauchraum sollen an einem Standort gebündelt werden. In Linz haben wir dafür mehr und bessere Ressourcen, etwa eine deutlich größere Intensivstation. Das erlaubt uns, komplexe Operationen sicher und effizient durchzuführen.

Frage: Wie lief die Umstellung organisatorisch ab? Gab es Verwirrung oder Unterbrechungen im Betrieb?

Dr. Spell: Die Organisation der Zentralisierung in Linz war bereits im Vorfeld angelaufen, weil die Rahmenbedingungen sich geändert haben bzw. sich 2026 weiter ändern werden. Deshalb kam es jetzt nicht zu großen Verwerfungen, wir haben vorbereitete Pläne einfach schneller umgesetzt. Der Betrieb läuft daher ungestört weiter, nur jetzt konzentriert an einem Standort.

Frage: Bleibt für Remagen trotzdem eine Anlaufstelle bestehen?

Dr. Spell: Ja. In Remagen gibt es weiterhin unser chirurgisches/orthopädisches und gastroenterologisches MVZ als direkte Anlaufstelle. Dort wird durch Ärzte, die auch im Krankenhaus in Linz beschäftigt sind geprüft, ob ein Problem vor Ort gelöst werden kann oder ob eine Operation nötig ist. Falls eine OP erforderlich ist, melden wir die Patienten direkt in Linz an und vergeben Termine. Vorteile für die Patienten sind der bekannte Operateur, keine weiteren Terminsuchen, direkte Informationsweitergabe zwischen Arztpraxis und Krankenhaus. Auch nach der Operation, wenn gewünscht oder erforderlich. Das gilt natürlich auch für die Patienten des orthopädisch tätigen Kollegen, der im MVZ in Remagen arbeitet.

Frage: Müssen Zuweiser jetzt anders arbeiten?

Dr. Spell: Grundsätzlich nicht. Zuweiser können Patienten weiterhin über das MVZ in Remagen vorstellen oder direkt bei uns in Linz. Beides ist möglich, wie zuvor. Wir haben die Kapazitäten hochgefahren, um die zusätzliche Versorgung sicherzustellen.

Frage: Wie wirkt sich die Übernahme von Personal aus Remagen aus?

Dr. Spell: Wir konnten über 100 Mitarbeitende übernehmen, was uns sehr geholfen hat. In unserem neuen OP-Bau nutzen wir jetzt mehr Säle als ursprünglich geplant. Früher waren nicht alle vier Säle an jedem Tag voll belegt; jetzt fahren wir fünf Tage die Woche vier Säle komplett und prüfen, ob wir die Auslastung weiter steigern können.

Frage: Hat sich das Leistungsspektrum verändert?

Dr. Spell: In meinem Fachgebiet bleibt im Grunde das Angebot das gleiche wie zuvor. Wir decken das komplette Spektrum der Bauchchirurgie ab: Darmoperationen inklusive Darmkrebs, endoskopische Eingriffe, Gallenblasenoperationen, alle Arten von Bauchwandbrüchen, Schilddrüsenchirurgie sowie proktologische und enddarmchirurgische Eingriffe. Die Patienten erhalten weiterhin die gewohnten Leistungen, jetzt zentralisiert und mit den vorhandenen Ressourcen in Linz.

Frage: Eine letzte Frage: Was würden Sie den betroffenen Patienten mitgeben?

Dr. Spell: Dass die Versorgung gesichert ist. Auch wenn das Krankenhaus in Remagen geschlossen wurde, bleibt das MVZ vor Ort als Ansprechpartner bestehen. Wir sorgen dafür, dass alle Patienten weiterhin gut versorgt werden — mit gebündelter Expertise und stabilen Kapazitäten in Linz.

Abschließend lässt sich festhalten: Die Schließung des Standorts Maria Stern in Remagen führt nicht zu einem Bruch in der Versorgung, sondern zu einer Zentralisierung, die bereits vorbereitet war. Für die Patienten bleibt die lokale Anlaufstelle, das MVZ für Chirurgie und Orthopädie erhalten, komplexe Eingriffe werden künftig am besser ausgestatteten Standort in Linz durchgeführt. Durch die Übernahme von über 100 Mitarbeitenden konnten die Kapazitäten so erweitert werden, dass der Betrieb stabil und planmäßig fortgeführt werden kann.

Pressemitteilung Verbundkrankenhaus Linz-Remagen

Mehr als hundert Beschäftigte konnten in das Schwesterkrankenhaus auf der anderen Rheinseite, das Franziskus Krankenhaus in Linz, übernommen werden.Foto: SvM

Mehr als hundert Beschäftigte konnten in das Schwesterkrankenhaus auf der anderen Rheinseite, das Franziskus Krankenhaus in Linz, übernommen werden. Foto: SvM

Chefarzt Dr. Christian Spell.Foto: Kerstin Güntzel

Chefarzt Dr. Christian Spell. Foto: Kerstin Güntzel

Das Krankenhaus in Remagen musste Ende November 2025 schließen. Foto: ROB

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