Allgemeine Berichte | 03.03.2026, 12:00 Uhr

Rückblick auf 75 Jahre Weinbaugeschichte der Ahr beim Gesprächskreis Ahrwein

Von der „Sozialbrache“ zur Qualitätsrevolution

Paul Gieler referierte zusammen mit Dr. Jürgen Haffke zur Weinbaugeschichte an der Ahr.
58

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Um die Weinbaugeschichte des Ahrtals in den Jahrzehnten seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs drehte sich das jüngste Treffen des Gesprächskreises Ahrwein im gut besetzten Gemeindesaal in Dernau.

Der Ahrweinbau habe in dieser Zeit „eine regelrechte Revolution erlebt“, sagten der Historiker Dr. Jürgen Haffke und der Weinbau-Experte Paul Gieler. Damit spielten die Referenten nicht nur auf die Arbeit in den Rebhängen samt Bodenbearbeitung, Rebschnitt, Erziehung und Pflanzenschutz an. Sie meinten ebenso die Entwicklung der Kellerwirtschaft in den Weingütern und Genossenschaften, die Tourismuswirtschaft zwischen Rhein und Nürburgring sowie das Landschaftsbild, das sich seit Beginn der Flurbereinigung im Jahr 1957 stark verändert hat.

Strukturwandel und Mechanisierung

Eine zentrale Rolle spielte dabei die über Jahrhunderte praktizierte Realerbteilung. Sie führte dazu, dass die Parzellen immer kleiner, deren Anzahl pro Winzer jedoch immer größer wurde. Jürgen Haffke und Paul Gieler illustrierten mit einer Vielzahl ausgewählter Fotos, wie sich die Rollenverteilung in den Winzerfamilien änderte und wie Mechanisierung sowie Motorisierung Einzug hielten.

Noch bis in die Nachkriegszeit wurden Rebholz und Weinlaub zum Entfachen des Herdfeuers oder als Tierfutter genutzt. Die Referenten erinnerten zudem an die Zeit der „Nassverbesserung“ und die 1960er Jahre, in denen der Ahrrotwein aufgrund mangelnder Farbe und Extrakte oft mit Weinen aus Spanien oder Portugal verschnitten wurde. Als „Portugunder“ verhöhnt wurde der rote Ahrwein, weil er als Spätburgunder deklariert, aber der Inhalt ein Portugieser war. Der Jahrgang 1992 führte zu einer noch nie dagewesenen Massenproduktion und zum Umdenken der Winzer in Richtung Hebung der Weinqualität durch bessere Bearbeitung ihrer Weinberge.

Institutionen und Skandale

Gieler rief die Bedeutung der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt in Ahrweiler (1902–2003) in Erinnerung, in deren Gebäuden heute die Medentis medical GmbH ansässig ist, sowie die Rolle der Staatlichen Weinbaudomäne im Kloster Marienthal. Auch der Glykol-Skandal von 1985 wurde thematisiert. Damals erschütterte die illegale Aufwertung von Weinen mit Diethylenglykol durch österreichische Winzer die Branche. Da viele dieser Weine auch in Deutschland durch den Großhandel importiert wurden, weitete sich die Krise massiv aus. Der Weinabsatz in Deutschland sank um ein Drittel. Ahrwinzer waren nicht betroffen, weiter gab es eine gute Seite: Trockene Weine dominierten zukünftig am Markt.

Innovationen und Vordenker

Bei der Modernisierung des Weinbaus spielte das Kulturamt Adenau (als Nebenstelle des Amtes Mayen) eine wichtige Rolle in der Bodenordnung. Gieler erläuterte zudem die Bedeutung des „Ritter-Klons“, eine Spätburgundervariante von Prof. Ritter an der Hochschule in Geisenheim. Seine Genetik war die Antwort auf die durch Viruserkrankung degenerierte Burgundervariante aus Kastenholz bei Euskirchen. Prof. Ritter legte einem Meilenstein zur heutigen Rotweinqualität.

Die Arbeit von Wilhelm Wendling hob Haffke hervor. Der 1986 mit der Ehrenplakette des Kreises ausgezeichnete Wissenschaftler war ein Vordenker der Weinbaugeographie. Durch seine Analysen der Krise des Steillagenweinbaus trug er indirekt zum Erhalt der heutigen Kulturlandschaft bei. Weitere Themen des Abends waren die landschaftlichen Eingriffe durch den Bau des Regierungsbunkers, der Klimawandel sowie die verheerende Flutkatastrophe vom Juli 2021 und der laufende Wiederaufbau.

Astrid Rickert (Kellermeisterin der WG Mayschoß) und Marc Linden (Weingut Sonnenberg) ergänzten die Ausführungen um aktuelle Einblicke in die laufende Arbeit in den Kellern und Steillagen des Ahrtals.

Paul Gieler referierte zusammen mit Dr. Jürgen Haffke zur Weinbaugeschichte an der Ahr. Foto: Gina Cremer

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis – inkl. E-Paper
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
Dauerauftrag 2026
Kreishandwerkerschaft
Rund ums Haus
Rund ums Haus Daueranzeige
Zukunft trifft Tradition KW 42
04-Marktbericht 2026
Anzeige Lagerverkauf
Empfohlene Artikel
achtung baustelle
834

Meckenheim. In Meckenheim wird die Verkehrsführung auf der A565, zwischen den Anschlussstellen Meckenheim-Merl und Bonn-Hardtberg, im Rahmen der laufenden Fahrbahnsanierung angepasst. Ab dem heutigen Freitag, dem 16. Oktober, steht im Baustellenbereich in Fahrtrichtung Koblenz nur noch ein Fahrstreifen zur Verfügung. Diese Maßnahme wird voraussichtlich bis zum 13. November andauern.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Die CDU Miesenheim auf dem Kirmesplatz
0

CDU Miesenheim Kirmes Engagement

CDU Miesenheim unterstützt traditionelle Kirmes

Miesenheim. Wenn in Miesenheim die traditionelle Kirmes gefeiert wird, ist die CDU natürlich mit dabei – und das war auch in diesem Jahr nicht anders. Bereits beim Aufstellen des Kirmesbaums sorgten die Christdemokraten dafür, dass den kräftigen Trägern nicht die Puste ausging: Mit erfrischenden Getränken ging die Arbeit gleich leichter von der Hand.

Von Jürgen Krämer aus Andernach

Weiterlesen