Außergewöhnliches, ehrenamtliches Engagement
Wally und Milly: Letzte Lebenswünsche erfüllt
„Zeitschenker“ Werner Ring organisierte emotionales Wiedersehen
Bad Neuenahr-Ahrweiler. „Unsere Gesellschaft ist ohne das Ehrenamt nicht vorstellbar“, sagte jüngst Bürgermeister Guido Orthen im Rahmen der Ehrenamtspreisverleihungen der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler. Auch für Werner Ring, viele Jahre lang mit Herz und Leidenschaft als Direktor für die Spielbank Bad Neuenahr tätig, ist das ehrenamtliche Engagement ein wichtiger Bestandteil des Lebens. Als er im Jahre 2016 in den Vorruhestand ging, war Werner Ring auf der Suche nach eben solchem Engagement, wollte alten, kranken und behinderten Menschen Unterstützung und Hilfe geben, sich aktiv einbringen. Alles begann dann damit, dass Werner Ring älteren Menschen der Bad Neuenahrer „Fliedner Residenz“ Zeit schenkte, beispielsweise für Spaziergänge oder Gespräche. Später kam die Betreuung eines hochbetagten Ehepaares in der Kreisstadt hinzu, bevor Werner Ring einer von derzeit zwei männlichen „Zeitschenkern“ der hiesigen „Caritas“ wurde. Wie es der Name schon sagt, widmen sich die „Zeitschenker“ ehrenamtlich bedürftigen Menschen, die oftmals keine Angehörigen mehr haben, verbringen mit diesen Zeit und unterstützen sie in verschiedensten Angelegenheiten.
Viele Schicksalsschläge
Als „Zeitschenker“ betreut Werner Ring, der sich auch beim Hospiz-Verein Rhein-Ahr e.V. engagiert, seit einem Jahr auch die ebenfalls in der „Fliedner Residenz“ lebende, 93-jährige Wally, die in ihrem bewegten Leben schon zahlreiche Schicksalsschläge hinnehmen musste. So verlor sie ihre Tochter im Krieg, der Sohn verstarb an den Folgen eines Stromschlages. 1941 und 1992 verstarben auch ihre beiden Ehemänner. Lediglich Milly (97), eine Schwester von Wally, als letzte Überlebende von einst acht Geschwistern, die allesamt an Krebserkrankungen verstorben sind, lebt in einem Seniorenheim in Seesen/Harz – gut 400 Kilometer von Bad Neuenahr-Ahrweiler entfern. Die beiden Hochbetagten stammen ursprünglich aus Russland, die Eltern wurden früh nach Sibirien verbannt, wo sie auch starben. Milly gelang es in den 1950er Jahren ihre Schwester durch eine List nach Deutschland zu holen: Ein Arzt attestierte ihr Krebs, worauf ihre Schwester eine siebentägige Ausreiserlaubnis erhielt und schließlich in Deutschland Asyl erhielt. Längst betrachten die Schwestern Deutschland als ihre Heimat. Gesundheitlich hat es die Schwestern hart getroffen. Wally sitzt seit Jahren im Rollstuhl, leidet zudem an einer Krebserkrankung. Auch Milly ist nach einem Bruch des Rückgrates an den Rollstuhl gefesselt. Vor langer Zeit verloren sich die Schwestern leider aus den Augen.
Letzter Lebenswunsch: Der Schwester noch einmal begegnen
Doch es war Wally`s letzter Lebenswunsch, ihrer Schwester Milly noch einmal zu begegnen. Werner Ring fand schließlich nach intensiven Recherchen den Wohnort von Milly heraus. Nach wochenlangen Vorbereitungen und Unterstützung ihres Arztes, der Fliedner-Heimleitung, der amtlichen Betreuerin und des DRK-Ortsvereins Bad Neuenahr-Ahrweiler e.V., der gegen eine Spende zur Deckung der Transportkosten zwei Sanitäter und das erforderliche Transportfahrzeug stellte, gelang es ihm, am 4. April den schwerkranken Schwestern ihren letzten großen Lebenswunsch zu erfüllen. Nach einer gefühlten Ewigkeit, medizinisch bestens betreut von den ehrenamtlichen Rotkreuzlern Andreas Müller und Felix Assenmacher, erreichte das Team mit dem hochmodernen Transportfahrzeug das Städtchen Seesen und die dortige Senioren-Wohnanlage „Am Schildberg“. Der Empfang war herzlich, alle freuten sich mit und für die beiden Schwestern, die sich erstmals seit 40 Jahren wieder an die Hand nehmen konnten. Das langersehnte Wiedersehen verlief eher still, dafür sehr emotional und äußerst tränenreich. Nach gut zwei Stunden hieß es dann endgültig voneinander Abschied zu nehmen und die lange Rückreise anzutreten.
Wally überreichte Milly zum Abschied eine Flasche Hospiz-Ahrwein mit dem treffenden Namen „Augenblick“. Erschöpft aber glücklich und zufrieden ob der Erfüllung ihres letzten Lebenswunsches trafen Wally, das DRK-Team und Werner Ring als Organisator am Abend wieder im heimischen Bad Neuenahr ein.
Ermutigung zu ehrenamtlicher Betätigung
Herr Ring machte im Gespräch darauf aufmerksam, dass seit Anfang des Jahres auch der „ASB Wünschewagen“ Schwerstkranken und Sterbenden – spendenfinanziert - letzte Wünsche erfüllt, um beispielsweise die Einschulung des Enkels, das Fußballspiel des Lieblingsvereins oder noch einmal das Meer erleben zu können. Er ermutigt zudem alle – vor allem männliche – Ruheständler, die auf der Suche nach einer sinnvollen und erfüllenden Tätigkeit sind, sich ehrenamtlich zu betätigen – Caritas und vor allem auch der Hospiz-Verein Bad Neuenahr freuen sich über Interessenten und geben gerne Auskunft über die vielfältigen Angebote sich für seine Mitmenschen zu engagieren.
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