Allgemeine Berichte | 10.04.2017

Außergewöhnliches, ehrenamtliches Engagement

Wally und Milly: Letzte Lebenswünsche erfüllt

„Zeitschenker“ Werner Ring organisierte emotionales Wiedersehen

Die 93-jährige Wally (r.), Werner Ring und zwei Sanitäter kurz vor der Abreise nach Seesen. Foto FIX

Bad Neuenahr-Ahrweiler. „Unsere Gesellschaft ist ohne das Ehrenamt nicht vorstellbar“, sagte jüngst Bürgermeister Guido Orthen im Rahmen der Ehrenamtspreisverleihungen der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler. Auch für Werner Ring, viele Jahre lang mit Herz und Leidenschaft als Direktor für die Spielbank Bad Neuenahr tätig, ist das ehrenamtliche Engagement ein wichtiger Bestandteil des Lebens. Als er im Jahre 2016 in den Vorruhestand ging, war Werner Ring auf der Suche nach eben solchem Engagement, wollte alten, kranken und behinderten Menschen Unterstützung und Hilfe geben, sich aktiv einbringen. Alles begann dann damit, dass Werner Ring älteren Menschen der Bad Neuenahrer „Fliedner Residenz“ Zeit schenkte, beispielsweise für Spaziergänge oder Gespräche. Später kam die Betreuung eines hochbetagten Ehepaares in der Kreisstadt hinzu, bevor Werner Ring einer von derzeit zwei männlichen „Zeitschenkern“ der hiesigen „Caritas“ wurde. Wie es der Name schon sagt, widmen sich die „Zeitschenker“ ehrenamtlich bedürftigen Menschen, die oftmals keine Angehörigen mehr haben, verbringen mit diesen Zeit und unterstützen sie in verschiedensten Angelegenheiten.

Viele Schicksalsschläge

Als „Zeitschenker“ betreut Werner Ring, der sich auch beim Hospiz-Verein Rhein-Ahr e.V. engagiert, seit einem Jahr auch die ebenfalls in der „Fliedner Residenz“ lebende, 93-jährige Wally, die in ihrem bewegten Leben schon zahlreiche Schicksalsschläge hinnehmen musste. So verlor sie ihre Tochter im Krieg, der Sohn verstarb an den Folgen eines Stromschlages. 1941 und 1992 verstarben auch ihre beiden Ehemänner. Lediglich Milly (97), eine Schwester von Wally, als letzte Überlebende von einst acht Geschwistern, die allesamt an Krebserkrankungen verstorben sind, lebt in einem Seniorenheim in Seesen/Harz – gut 400 Kilometer von Bad Neuenahr-Ahrweiler entfern. Die beiden Hochbetagten stammen ursprünglich aus Russland, die Eltern wurden früh nach Sibirien verbannt, wo sie auch starben. Milly gelang es in den 1950er Jahren ihre Schwester durch eine List nach Deutschland zu holen: Ein Arzt attestierte ihr Krebs, worauf ihre Schwester eine siebentägige Ausreiserlaubnis erhielt und schließlich in Deutschland Asyl erhielt. Längst betrachten die Schwestern Deutschland als ihre Heimat. Gesundheitlich hat es die Schwestern hart getroffen. Wally sitzt seit Jahren im Rollstuhl, leidet zudem an einer Krebserkrankung. Auch Milly ist nach einem Bruch des Rückgrates an den Rollstuhl gefesselt. Vor langer Zeit verloren sich die Schwestern leider aus den Augen.

Letzter Lebenswunsch: Der Schwester noch einmal begegnen

Doch es war Wally`s letzter Lebenswunsch, ihrer Schwester Milly noch einmal zu begegnen. Werner Ring fand schließlich nach intensiven Recherchen den Wohnort von Milly heraus. Nach wochenlangen Vorbereitungen und Unterstützung ihres Arztes, der Fliedner-Heimleitung, der amtlichen Betreuerin und des DRK-Ortsvereins Bad Neuenahr-Ahrweiler e.V., der gegen eine Spende zur Deckung der Transportkosten zwei Sanitäter und das erforderliche Transportfahrzeug stellte, gelang es ihm, am 4. April den schwerkranken Schwestern ihren letzten großen Lebenswunsch zu erfüllen. Nach einer gefühlten Ewigkeit, medizinisch bestens betreut von den ehrenamtlichen Rotkreuzlern Andreas Müller und Felix Assenmacher, erreichte das Team mit dem hochmodernen Transportfahrzeug das Städtchen Seesen und die dortige Senioren-Wohnanlage „Am Schildberg“. Der Empfang war herzlich, alle freuten sich mit und für die beiden Schwestern, die sich erstmals seit 40 Jahren wieder an die Hand nehmen konnten. Das langersehnte Wiedersehen verlief eher still, dafür sehr emotional und äußerst tränenreich. Nach gut zwei Stunden hieß es dann endgültig voneinander Abschied zu nehmen und die lange Rückreise anzutreten.

Wally überreichte Milly zum Abschied eine Flasche Hospiz-Ahrwein mit dem treffenden Namen „Augenblick“. Erschöpft aber glücklich und zufrieden ob der Erfüllung ihres letzten Lebenswunsches trafen Wally, das DRK-Team und Werner Ring als Organisator am Abend wieder im heimischen Bad Neuenahr ein.

Ermutigung zu ehrenamtlicher Betätigung

Herr Ring machte im Gespräch darauf aufmerksam, dass seit Anfang des Jahres auch der „ASB Wünschewagen“ Schwerstkranken und Sterbenden – spendenfinanziert - letzte Wünsche erfüllt, um beispielsweise die Einschulung des Enkels, das Fußballspiel des Lieblingsvereins oder noch einmal das Meer erleben zu können. Er ermutigt zudem alle – vor allem männliche – Ruheständler, die auf der Suche nach einer sinnvollen und erfüllenden Tätigkeit sind, sich ehrenamtlich zu betätigen – Caritas und vor allem auch der Hospiz-Verein Bad Neuenahr freuen sich über Interessenten und geben gerne Auskunft über die vielfältigen Angebote sich für seine Mitmenschen zu engagieren.

Wally und Milly: Letzte Lebenswünsche erfüllt

Die 93-jährige Wally (r.), Werner Ring und zwei Sanitäter kurz vor der Abreise nach Seesen. Foto FIX

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Karl Matheis: Eine unendliche Geschichte, alle Beteiligten sollten mal darüber nachdenken, ob sie heute ein Haus bauen würden mit Plänen aus den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts! Bei Straßen wollen wir dies offensichtich machen.
  • Rainer Hohn: Wenn man um Cannabis so nen Wind machen würde, wie man hier unreflektiert und regelmässig den Alkohol feiert, würden sich alle wieder aufregen. Ein toxisches Nervengift, welches unter allen Drogen die meisten Toten zu verantworten hat.
  • illgen: was soll der mist dann . wenn sich jeder mal an die eigene nase packt dann würde es nicht da so gefährlich sein . auch die bussfahrer sollten sichmal sn die eigene nase packen und dort langsamer fahren.
Dauerauftrag 2026
Hausmeister, bis auf Widerruf
Wir helfen im Trauerfall
Wir helfen im Trauerfall
Wir helfen im Trauerfall Vorsorge
Ostern-Filiale Dernbach
Unterstützeranzeige-Lukas Will-
Stellenausschreibung Koch/Köchin
Wahlwerbung Thomas Meyer
Empfohlene Artikel
Der Organist Johannes Trümpler.
13

Langenfeld. Am Samstag, den 18. April 2026, um 18 Uhr lädt der Förderverein für Kirchenmusik in Langenfeld zu einem außergewöhnlichen Orgelkonzert in den Eifeldom ein. „Messiaen und die Wildvögel“ ist ein einzigartiges multimediales Erlebnis, das Musik, Natur und Umwelt miteinander verbindet - eine nicht alltägliche Reise durch Klang und Natur. An der Orgel erwartet die Besucherinnen und Besucher...

Weiterlesen

V.l.: Schriftführung Monika Zappei, 2. Vorsitzender Heiko Retzlaff, Ruderwartin Katharina Longwe, 1. Vorsitzender Karl Heil, Kassiererin Trude Klumpp und Presse Horst Kibellus Foto: privat
22

Andernach. Am 13. März fand die Jahreshauptversammlung im Ruderverein Rhenus statt. Karl Heil 1. Vorsitzender des Vereins berichtete über anstehende Aktivitäten im Bootshaus und konnte auf stolze 13251 geruderte Bootskilometer hinweisen. Auch in 2026 sind etliche Wanderfahrten auf der Mosel, Lahn und dem Rhein geplant.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Manuela Helmes, Monika Müller, Larissa Schulik, Marlis Knappe vom Freundschaftskreis Friedensdorf mit den Gästen Oberbürgermeister Dirk Meid und Nicolas Cordes.
23

Freundschaftskreis Friedensdorf Mayen

Es geht um die Kinder

Mayen. Der Freundschaftskreis Friedensdorf war mit einem Information- und Verkaufsstand auf dem Frühlingsfest „Frühlingserwachen“ dabei. Es geht um die Hilfe für Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten der Welt.

Weiterlesen

Die Mannschaft der SSG Mayen.
62

SSG Mayen verpasst Rheinlandliga-Aufstieg um nur vier Ringe

Dramatik bis zum letzten Schuss

Mayen. Dramatischer hätte der Aufstiegswettkampf zur Rheinlandliga im Luftgewehr kaum verlaufen können: Die „Adler“ der SSG Mayen kämpften am 8. März in Inden-Altdorf bis zum letzten Schuss um den Sprung in die dritthöchste Liga – und verpasste den Aufstieg am Ende denkbar knapp um lediglich vier Ringe.

Weiterlesen

Symbolbild.
435

Zuvor hatte er um Einlass gefordert und mit Pfefferspray gesprüht

16.03.: 39-Jähriger vor der Wohnungstür niedergestochen

Köln. Am Montag, den 16. März, gegen 18 Uhr, soll ein 30-jähriger Bewohner der Staffelsbergstraße in Köln-Blumenberg bei einem Streit in einem Mehrfamilienhaus einen 39-jährigen Mann mit einem spitzen Gegenstand schwer verletzt haben. Zuvor soll das Opfer zusammen mit mehreren Begleitern lautstark vor der Wohnungstür Einlass gefordert und den 30-Jährigen mit Pfefferspray angegriffen haben.

Weiterlesen

Dauerauftrag
Imageanzeige
Dauerauftrag 2026
Regionales aus Ihrem Hofladen
Stellenanzeige Eis-Produktion
Justizbeschäftigte/n (m/w/d)
Gebrauchtwagenanzeige
Imagewerbung
Expertenrat
Lossprechung der Sanitär- und Heizungstechnik-Innung Kreis Ahrweiler
Lossprechungsfeier SHK Handwerk -kostenlose Wiederholung
Ahrweiler
Wahlkampf
Frühlingsmarkt Adenau
Lossprechungsfeier Elektro-Innung
Familywalk mit Thomas Meyer