Allgemeine Berichte | 07.01.2020

Arp Museum Bahnhof Rolandseck 2020: „Total surreal“

Was verbindet Dali, Arp und Beethoven?

„Traum, verursacht durch den Flug einer Biene um einen Granatapfel vor dem Erwachen“. Foto: Fundació Gala-Salvador Dalí, Figueres/ VG Bild-Kunst, Bonn 1919

Rolandseck. Was geht ab im Arp Museum 2020? Spannendes möchte man meinen, denn der Hauspatron, der Deutsch-Franzose Hans Arp, wird mit dem weltberühmten Salvador Dalí aus Katalonien, Spanien, verbandelt. Ein Marketingkniff? Keineswegs, wie das Museum mit einer gewiss staunenerregenden Präsentation im Jahr 2020 zeigen wird. Auch kann von „verbandeln“ nicht ernsthaft die Rede sein. Denn die Kunsteinrichtung wartet mit einem weithin unbekannten Fakt auf: Dali und Arp kannten sich. In Paris trafen sie 1929 aufeinander, Dalí, geboren 1904 in Figueres, der in altmeisterlicher Manier surreale Visionen ins Bild setzte und der bereits 1886 in Straßburg zur Welt gekommene und damals bereits etablierte Lyriker, Maler und Bildhauer Arp. Dessen fließende Formen finden sich tatsächlich auf frappierende Weise in Dalís Werken wieder. Vielleicht hilft die Ausstellung auch zu ergründen, was genau der Katalane meinte, als er sagte: „Lassen wir Picasso beiseite. Wir werden lernen müssen, uns besser mit Arp zu verstehen.“ Wenn das Museum nach Umbauarbeiten zum Jahresanfang am 16. Februar mit einem Tag der offenen Tür, dem schon traditionellen „AufDADAtakt“, das neue Programm eröffnet, dann ist zudem in der Kunstkammer Rau noch die Ausstellung „Die vier Elemente“ zu sehen. Im Obergeschoss des Neubaus und im Bahnhof aber gehen „Salvador Dalí und Hans Arp – Die Geburt der Erinnerung“ (bis 16. August) an den Start, eine in vielerlei Hinsicht außergewöhnliche und daher auch kostspielige Präsentation. Museumsdirektor Oliver Kornhoff betont, es sei überhaupt die erste Ausstellung, die Werke Arps und Dalis in Beziehung setze. Nur durch diesen innovativen Ansatz waren bedeutende Leihgeber gewillt, ihre Schätze zur Verfügung zu stellen.

Dalís Kreaturen im Siebengebirge

Dazu gehört aus dem Thyssen-Bornemisza-Museum in Madrid Dalís Gemälde „Traum, verursacht durch den Flug einer Biene um einen Granatapfel vor dem Erwachen“. Total surreal ist nicht nur dieses Bild, durch das ein Elefant stakst sowie Tiger über eine Wasserlandschaft und auf eine schwebende Nackte springen. Ebenso bieten „Der Traum der Venus“ des Hiroshima Prefectural Museum, der es auf rund fünf Meter Breite bringt und „Die Metamorphose des Narziss“ der Tate London surreale Eindrücke par excellence. Das legendäre Objekt „Hummertelefon“ schert da nicht aus. Mit „Total surreal“ ist daher das Themenjahr überschrieben. Für Dali und Arp will es Verbindungen ausweisen. Ein Jahrzehnt lang nahmen beide Künstler gemeinsam an Ausstellungen und Aktionen teil. Beide bedienen sich der Prinzipien der Transformation und ordnen Dinge neuen Kontexten zu. Doch gestalteten sie in ihrer je eigenen Formensprache – Arp wirkt abstrakt surreal, Dalí verwandelt seine dem gegenständlichen „Baukasten“ entnommenen Motive. Die Ausstellung zeigt auch Auszüge des filmischen Schaffens Dalís. Auf der Terrasse des Museums jedoch lädt ein Touristenfernglas zum interaktiven Spaziergang ein und überrascht mit „Dalís Bildwelt im Siebengebirge“, die in Kooperation mit der Hochschule Mainz – Fachrichtung Mediendesign – visualisiert wurde. Übrigens kommt im Jahr 2020, in dem weltweit der 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens gefeiert wird, keine wichtige Kultureinrichtung, an dem Musiktitanen vorbei. Das Arp Museum widmet dem Komponisten eine Konzertreihe. In der Ausstellung wird offenbar, dass auch Dalí zu den Bewunderern Beethovens zählte: Er widmete ihm ein düster-dynamisches Portrait aus Oktopus-Tinte, eine außergewöhnliche Leihgabe der Fundació Gala-Salvador Dalí in Figueres. Gleichzeitig zur Zusammenschau Dalí und Arp kommt Jonas Burgert aus Berlin mit seiner Ausstellung „Sinn frisst“ vom 16. Februar bis zum 16. August zum Zuge. Eigens dazu kreiert der international durch seine Riesenformate und verrätselten Werke bekannte Künstler Skulpturen und monumentale Gemälde für die sieben Meter breiten Wände des Meier-Museumsbaus.

Kunst und Mode

Ab dem 21. Juni 2020 bis zum 10. Januar 2021 hakt sich die Kunstkammer Rau des Arp Museums mit „Traum und Vision. Malerei und Skulptur 1500 – 2000“ ins surreale Themenjahr ein. Zur Anschauung kommt die Kunst der alten Meister, die Salvador Dalís stete Inspirationsquelle war: Rund 60 Gemälde, Skulpturen und Handschriften beleuchteten der Religion entsprungene Visionen, Träume und Endzeitszenarien. In der Sammlung Arp geht es ab September bis zum 6. Juni 2021 mit Gemeinschaftsarbeiten der Hauspatrone Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp weiter. Auch blickt man Werke, die das Interesse beider an denselben Motiven offenlegen. Der Präsentation Dalí und Arp schließt sich im September in Kooperation mit der Kunsthalle Bielefeld die Schau „Antonius Höckelmann. Alles in allem“ an, 13. September 2020 bis 24. Januar 2021. Mit expressiven und farbstrotzenden Werken prägte der 1937 in Oelde geborene und 2000 in Köln verstorbene Bildhauer und Maler Höckelmann die rheinische Kunstszene entscheidend mit. In den 1970ern arbeitete er während eines Studienaufenthalts im Künstlerbahnhof Rolandseck. Die Ausstellung basiert auf verschiedenen Leihgaben und der großzügigen Schenkung der Sammlung Mronz aus Köln. Spät im Jahr startet dann die Abschlussausstellung „Luxus und Glamour?“ der Stipendiatinnen und Stipendiaten des Künstlerhauses Schloss Balmoral und des Landes Rheinland-Pfalz 2019/20, 4. Oktober 2020 bis 14. März 2021. Diesmal lautete die anspruchsvolle Aufgabe, sich mit Mode und Schmuck als identitätsstiftendem Faktor sowie als Ausdruck gesellschaftlicher Macht- und Geschlechterverhältnisse auseinanderzusetzen. Dabei könnten prickelnde und provokante Arbeiten herauskommen. HG

Das vier-Augen-Foto nahm Philippe Halsman 1958 auf. Foto: Fundació Gala-Salvador Dalí, Figueres/ VG Bild-Kunst, Bonn 1919

Das vier-Augen-Foto nahm Philippe Halsman 1958 auf. Foto: Fundació Gala-Salvador Dalí, Figueres/ VG Bild-Kunst, Bonn 1919 Foto: Philippe Halsman / Magnum Photos

„Sinn frisst“ heißt das Gemälde von Jonas Burgert und seine Soloausstellung im Arp Museum. Foto: Lepkowski Studios

„Sinn frisst“ heißt das Gemälde von Jonas Burgert und seine Soloausstellung im Arp Museum. Foto: Lepkowski Studios Foto: Gunter Lepkowski

„Traum, verursacht durch den Flug einer Biene um einen Granatapfel vor dem Erwachen“. Foto: Fundació Gala-Salvador Dalí, Figueres/ VG Bild-Kunst, Bonn 1919 Foto: Museo Nacional Thyssen- Bornemis

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