Allgemeine Berichte | 03.11.2025, 15:40 Uhr

Guido Schmitz hat zum 31. Oktober sein Amt als Ortsbürgermeister von Kesseling niedergelegt

„Wenn Menschen uns beleidigen, ist eine Grenze überschritten“

Guido Schmitz hat sein Amt als Ortsbürgermeister niedergelegt.  Foto:GS
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Kesseling. Paukenschlag in Kesseling. Ortsbürgermeister Guido Schmitz hat nach zehn Jahren zum 31. Oktober sein Amt niedergelegt. „Diese Entscheidung ist mir nicht leichtgefallen. Ich habe das Amt mit großem Engagement, Offenheit und Verantwortungsbewusstsein ausgeübt. Doch die fortwährende, hohe zeitliche Belastung – insbesondere im Zusammenspiel mit meiner beruflichen Tätigkeit in Köln und meinem Familienleben – hat mich zunehmend an meine persönlichen und familiären Grenzen geführt“, sagte er in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates im Beisein von Verbandsbürgermeister Dominik Gieler.

Die Vielzahl an Verwaltungsaufgaben, die oft langwierige und schwerfällige Bürokratie sowie die wiederholte Erfahrung, dass eher Gründe aufgezeigt werden, warum etwas nicht möglich ist, statt gemeinsam konstruktiv nach Lösungen zu suchen, hätten bei ihm zunehmend Frustration ausgelöst. Besonders belastend empfand Schmitz „die zum Teil widersprüchliche Kommunikation zwischen Landesbehörden und der örtlichen Verwaltung“. Auch seine familiäre Situation – als Vater von drei Kindern, eines davon mit Behinderung – sei „in der Amtsausübung leider zu wenig berücksichtigt“ worden. Trotz mehrfacher Hinweise auf seine eingeschränkte Verfügbarkeit während der Arbeitszeit seien Termine weiterhin in dieser Zeit angesetzt worden, ohne Alternativen wie hybride oder digitale Formate zu ermöglichen. „Das hat nicht nur meine berufliche Situation erschwert, sondern auch mein Engagement für die Gemeinde zunehmend behindert. Der Spagat zwischen Amt, Beruf und Familie ist für mich nicht mehr tragbar“, sagte der 50-Jährige.

Persönliche Anfeindungen

Seine Bitten um Unterstützung seien meist vergeblich gewesen. Das Gefühl, mit den Herausforderungen des Amtes weitgehend allein gelassen zu werden, habe sich dadurch verstärkt. Besonders enttäuschend sei für ihn die geringe Resonanz auf ehrenamtliche Initiativen in der Gemeinde gewesen: „Wenn zu Veranstaltungen wie der Familienwanderung im Frühjahr nur zwei Familien aus einem Ortsteil erscheinen und aus Kesseling selbst niemand teilnimmt, stellt sich die Frage nach der Wertschätzung und dem Gemeinschaftsgefühl.“ Nicht zuletzt hätten persönliche Anfeindungen gegenüber ihm und seiner Familie zu seiner Entscheidung beigetragen. „Wenn Menschen uns nicht mehr grüßen oder uns beleidigen, ist eine Grenze überschritten“, so Schmitz.

Dennoch blicke er „auch mit Stolz“ Stolz auf viele positive Entwicklungen während seiner Amtszeit zurück. Hier nur einige Beispiele der Liste, die Schmitz in seiner letzten Ratssitzung als Bürgermeister aufführte: Der Ausbau des Pressgartens wurde erfolgreich umgesetzt. Durch einen beispielhaften Flächentausch konnte die Waldfläche der Ortsgemeinde um über 100 Hektar erweitert werden. Ein pflegefreies Urnengrabfeld wurde geschaffen. Alle Spielplätze in den Ortsteilen wurden vollständig erneuert. In allen Ortsteilen gibt es Defibrillatoren. Im Ortskern Kesseling wurde ein Sanierungsgebiet ausgewiesen und im Rahmen des Wiederaufbaus wurden bereits 32 Kilometer Wirtschaftswege instandgesetzt.

Schulden nahezu abgebaut

Besonders freuen Schmitz die Fortschritte in der Dorfentwicklung. So wurde ein neues Dorfentwicklungskonzept unter breiter Bürgerbeteiligung erarbeitet und offiziell anerkannt. Freude und Dank auch dafür, dass sich in Staffel eine engagierte ehrenamtliche Jugendarbeit etabliert hat und dass in Kesseling ein ehrenamtliches Team die Beete im Ortskern pflegt. Mit Nachdruck, Leidenschaft und auch Demonstrationen habe er sich für Themen wie Wasserqualität, Verkehrslärm, Radweg im Kesselinger Tal und gegen die geplanten vier riesigen Rückhaltebecken im Kesselinger Tal, „die den Ort von der Außenwelt abschneiden würden, eingesetzt.

„Unterm Strich sind die Weichen für die Ortsgemeinde Kesseling gut gestellt“, bilanzierte Schmitz. Wir konnten in meiner Amtszeit unsere Schulden nahezu vollständig abbauen und verfügen über eine stabile Haushaltslage.“ Sein Wunsch für die Zukunft ist, „dass die Gemeinde weiterhin gemeinsam voranschreitet, sich gegenseitig mit Respekt begegnet und die begonnenen Projekte erfolgreich weiterführt“.

So geht es weiter

Und wie geht es weiter? Falls sich Bewerber für das Amt des Ortsbürgermeisters finden, findet die Urwahl am Sonntag, 25. Januar, statt. Gibt es keinen Kandidaten, ist der Gemeinderat gefragt. Sollte auch dies erfolglos sein, übernehmen entweder ein Beigeordneter der Gemeinde oder die Verbandsgemeinde die Geschäfte des Ortsbürgermeisters. So sieht es die Gemeindeordnung Rheinland-Pfalz vor. GS

Guido Schmitz hat sein Amt als Ortsbürgermeister niedergelegt. Foto:GS

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