Allgemeine Berichte | 10.11.2025

Verein Stadtbild Deutschland: Diskussion um Kosten, Planung und Bürgerbeteiligung

Wiedererrichtung einer Fußgängerbrücke zwischen Remagen und Erpel

Animation einer möglichen Brücke zwischen Erpel und Remagen.Foto: Stadt Remagen / BORAPA Ingenieurgesellschaft mbH

Erpel/Remagen. Der Verein Stadtbild Deutschland, Regionalverband Unteres Mittelrheintal, begrüßt grundsätzlich die Diskussion um eine Errichtung einer Fußgängerbrücke zwischen den ehemaligen Brückentürmen der Ludendorffbrücke in Remagen und Erpel. Eine solche Verbindung könnte – im Sinne des historischen Mahnmalcharakters – ein starkes Symbol der europäischen Verständigung und Völkerverbindung darstellen.

Der Verein Stadtbild Deutschland, Regionalverband Unteres Mittelrheintal gibt folgendes Statement ab: "Allerdings bedauern wir, dass sich die aktuelle architektonische Diskussion offenbar ausschließlich auf moderne Entwürfe wie eine sogenannte „Stimmgabelbrücke“ mit Seilkonstruktion konzentriert. Wir treten ausdrücklich dafür ein, dass sich eine mögliche Rekonstruktion stärker an der historischen Struktur der ursprünglichen Brücke orientiert – vergleichbar etwa mit der Fuß- und Radwegbrücke in Weil am Rhein, die in einer ansprechenden Bogenkonstruktion über den Rhein führt. Diese Position haben wir bereits mehrfach gegenüber der öffentlichen Hand sowie den Auftraggebern der Machbarkeitsstudie vertreten – leider bislang ohne jede Reaktion.

Zudem stellen wir mit Sorge fest, dass die Kostenschätzung von rund 22 Millionen Euro erheblichen Diskussionsbedarf auslöst. Es ist bislang völlig unklar, wie dieses Projekt finanziert werden soll und wer es bauen soll. Die Frage drängt sich auf, ob solche Summen tatsächlich durch Bundes- oder Landesmittel getragen werden können – und ob diese Gelder nicht an anderer Stelle, etwa im Denkmalschutz, Straßenbau oder der Stadterneuerung, sinnvoller eingesetzt wären.

In diesem Zusammenhang ist es besonders irritierend, dass diejenigen Akteure, die sich früher vehement gegen eine Autobrücke ausgesprochen haben, nun ähnliche Argumente zur Rechtfertigung einer Fußgängerbrücke nutzen. Ebenso scheint die Zukunft der Fährverbindung zwischen Remagen und Erpel, die bislang als unverzichtbar galt, in den aktuellen Planungen kaum noch eine Rolle zu spielen.

Auch der Zustand der Brückentürme auf der Erpeler Seite ist weiterhin besorgniserregend. Obwohl in der Vergangenheit dank des Engagements der CDU-Landtagsabgeordneten Frau Demuth und der Bereitstellung von Bundesmitteln Gelder zum Erhalt der Türme zur Verfügung standen, verfallen diese weiter. Dass die Türme inzwischen wieder in den Besitz der Deutschen Bahn übergegangen sind, darf nicht als Vorwand dienen, den Verfall tatenlos hinzunehmen. Dies ist aus denkmalpflegerischer Sicht ein Armutszeugnis.

Darüber hinaus bereitet uns große Sorge, dass auf der Remagener Seite unmittelbar neben den dortigen Brückentürmen die Errichtung eines groß dimensionierten Hotelkomplexes geplant ist. Nach den vorliegenden Entwürfen soll hier ein Luxushotel entstehen, dessen architektonische Gestaltung den historischen Charakter der Brückentürme massiv beeinträchtigen würde. Damit droht nicht nur eine Verzerrung des Denkmalensembles, sondern auch ein gravierender Verlust an Authentizität und historischer Wirkung (ähnlich wie bei einer Stimmgabelkonstruktion mit Seilbrücke) Besonders bedauerlich ist, dass auch in diesem Zusammenhang bislang keine echte Bürgerbeteiligung stattfindet. Statt eines offenen Dialogs scheint man die Planungen hinter verschlossenen Türen einfach durchziehen zu wollen.

Darüber hinaus kritisieren wir die mangelnde Transparenz und Bürgerbeteiligung im gesamten Prozess. Zahlreiche Anfragen und offene Briefe unsererseits an die Verwaltungen in Unkel und Remagen sowie an Herrn Ingendahl blieben unbeantwortet. Ein offener Diskurs über die Zukunft des Projekts findet de facto nicht statt. Auch die bislang durchgeführte Bürgerbefragung kann aufgrund der geringen Beteiligung kaum als repräsentativ bezeichnet werden.

Statt in ein Prestigeprojekt dieser Größenordnung zu investieren, sollte die Region dringend bestehende historische Bausubstanz fördern – etwa Schloss Arenfels, das Kloster Ehrenstein, Umnutzungen zahlreicher Kirchen und Kapellen, Burgruinen und Herrenhäuser, die allesamt dringend Unterstützung benötigen und als kulturelle Leuchttürme weit über die Region hinaus wirken könnten.

Eine Brücke allein schafft kein touristisches Highlight. Nur wenn die umgebenden Städte und Orte gepflegt, lebendig und architektonisch stimmig gestaltet sind, kann nachhaltiger Tourismus entstehen. Der aktuelle Trend zu uniformen, überdimensionierten Neubauten steht diesem Ziel entgegen.

Unser Fazit: Wir sehen die Idee einer Brückenverbindung grundsätzlich positiv – als Symbol für Versöhnung und Verbindung. Doch unter den derzeitigen planerischen, finanziellen und architektonischen Rahmenbedingungen halten wir das Projekt in dieser Form für nicht realistisch und im Sinne der gebauten Geschichte nur bedingt sinnvoll."

Pressemitteilung Stadtbild Deutschland e. V. – Regionalverband Unteres Mittelrheintal

Animation einer möglichen Brücke zwischen Erpel und Remagen. Foto: Stadt Remagen / BORAPA Ingenieurgesellschaft mbH

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare

Verschiebung wegen Planungsunsicherheit

  • Sabine Weber-Graeff: Da werden Abermilliarden in die Aufrüstung der Bundeswehr,respektive die Landesverteidigung gesteckt und dann wird seitens von Grün ernsthaft erwogen in den Sichtbereich des militärischen Radars zwei...

Die alte Ockenfelser Linde soll fallen

  • Iris Arens : Es wiederholt sich immer und überall: Auswärtige ziehen in Kenntnis der Sachlage zu und klagen anschließend gegen die bei Zuzug bereits bestehenden und bekannten Umstände. Hoffentlich bleibt die Linde...
  • Joschi Hund: Leider kann man nicht mehr von einem Antik und Trödelmarkt sprechen, warum ? Wenn über die Hälfte der Händler Neuware anbieten und Ihre Waren mit Festpreisen ausgezeichnet haben. Man kann sagen über 80 % der Aussteller waren Händler.
Rund ums Haus
Dauerauftrag 2026
Innovatives rund um Andernach
Tag der offenen Tür FFW Königsfeld
Azubispots Bad Neuenahr 2026
Zukunft trifft Tradition KW 18
Zukunft trifft Tradition KW 18
Titelanzeige
Biergarteneröffnung
125 jähriges Jubiläum Moses - Aktionsanzeige
Empfohlene Artikel
Die Stadt Neuwied und die Servicebetriebe Neuwied gehen mit einem neuen Maßnahmenpaket gegen illegale Müllablagerungen vor.
237

Neuwied. Illegale Müllablagerungen sind in Städten ein Problem. Auch in Neuwied sorgen achtlos entsorgter Abfall, überfüllte Containerstandorte und wilde Müllkippen immer wieder für Ärger bei Bürgern und verursachen zusätzliche Kosten. Die Stadt Neuwied und die Servicebetriebe (SBN) starten deshalb gemeinsam eine neue Initiative gegen Müllsünder. „Sauberkeit im öffentlichen Raum ist kein Selbstläufer“,...

Weiterlesen

Maria Ginzler. Foto: privat
812

Region. Nach kurzer Krankheit starb Maria Ginzler im Alter von 97 Jahren am Samstag, 11. April im Krankenhaus Mayen. Durch ihren ehrenamtlichen Einsatz hat sich die gebürtige Heimersheimerin im Kreisgebiet und darüber hinaus verdient gemacht.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild.
11

Spielschein wurde ohne Kundenkarte in einer Annahmestelle abgegeben

Glückspilz aus dem Westerwald gewinnt über 680.000 Euro im Eurojackpot

Region. Ein Spielteilnehmer oder eine Spielteilnehmerin aus dem Westerwald hatte am vergangenen Freitag allen Grund zur Freude: Mit einem Tippschein für die europäische Lotterie Eurojackpot, den er oder sie in einer Annahmestelle von Lotto Rheinland-Pfalz gespielt hatte, gewann er oder sie in der Gewinnklasse 2 über 681.000 Euro.

Weiterlesen

Der Vorstand der Gewerbegemeinschaft Bad Neuenahr-Ahrweiler, von links Patrick Küpper (Schatzmeister), Markus Zednik (1. Vorsitzender), Alexander Petkovski (2. Vorsitzender) und Thorsten Hermann (Schriftführer). Fotos: DU
12

Führungswechsel bei der Gewerbegemeinschaft Bad Neuenahr-Ahrweiler

Markus Zednik folgt auf Volker Danko als Vorsitzender

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Rück- und Ausblicke, aber auch wichtige Personalien bot unlängst die Mitgliederversammlung der Gewerbegemeinschaft Bad Neuenahr-Ahrweiler im Hemmessener „Dom-Café“. Was hier als „Personalien“ ziemlich allgemein klingt, war das Ende einer langen Ära: nach 25 Jahren als Vorstandsmitglied, davon 14 Jahre als 1. Vorsitzender der Werbegemeinschaft Aktivkreis Bad Neuenahr, bzw. der...

Weiterlesen

Symbolbild.
45

Die DB InfraGO informiert über das geplante Bauprogramm und den Ersatzverkehr

Infomobiltour zur Generalsanierung der Bahnstrecke am rechten Rheinufer

Region. Die DB InfraGO startet in knapp zwei Monaten mit der Korridorsanierung der Bahnstrecke am rechten Rheinufer zwischen Troisdorf und Wiesbaden. In der Zeit vom 10. Juli bis zum 12. Dezember 2026 bündeln die Bauteams entlang der rund 160 Kilometer langen Strecke zahlreiche Arbeiten, die die Infrastruktur langfristig leistungsfähiger und weniger störanfällig machen.

Weiterlesen

Dauerauftrag 2026
Anzeige Uhren Vintage
Minijob
Maikirmes Franken
10 Jahre NoWi Bau
10 Jahre NoWi
10 Jahre NoWi
Heizöl/Diesel/Holzpellets
Zukunft trifft Tradition KW 18
10 Jahre NOWI
First Friday Anzeige Mai
Arbeiten bei van roje
10 Jahre NoWi
Innovatives rund um Andernach
Anzeige neuer Mitarbeiter Jürgen Paaß
Stellenanzeige Servicekräfte