Bauern richten sich mit offenem Brief an die Gesellschaft
„Wir wollen nicht länger der Sündenbock sein“
Koblenz. Über den Bauern- und Winzerverband wurde kürzlich ein offener Brief mehrerer Bauern aus der Eifel veröffentlicht, der sich dabei mit den Leistungen und den Forderungen der Gesellschaft an die Landwirtschaft intensiv auseinandersetzt.
Offener Brief einer Gruppe Eifeler Bauern
„Eine Eifel ohne Bauern?“
Ein reichhaltiges, gesundes Frühstück mit Brot, Butter, Eiern, Wurst und Käse am Morgen, ein Glas Milch dazu und ein Glas Apfelsaft. Ein Mittagessen mit einem leckeren Stück Rindersteak oder einem Schweinekotelett, Kartoffeln und saisonalem Gemüse sowie ein abschließendes Abendbrot.
Sie merken sicher schnell, dass sie sich bestens mit unseren regionalen Produkten ernähren können. Damit verbinden Sie Geschmack und Qualität und unterstützen die heimische Landwirtschaft. Das klingt idyllisch, aber die Realität ist eine andere. Wir Bauern sorgen uns um unsere Zukunft. Allein in den vergangenen 20 Jahren hat sich die Anzahl der Betriebe im Eifelkreis mehr als halbiert.
Neben diesem dramatischen Strukturwandel nehmen wir Landwirte zunehmend Kritik an unserer Arbeit wahr. Konstruktive Kritik nehmen wir gerne an, denn sie hilft dabei, sich zu verbessern. Doch die Kritik aus Teilen der Politik, der Medien und auch aus der Gesellschaft ist oftmals alles andere als hilfreich. Denn sie äußert sich in pauschalen Vorwürfen wie „Wasservergifter“, „Umweltschänder“ oder „Tierquäler“ und mündet leider allzu oft auch in persönlichen Beleidigungen bis hin zum Mobbing von Bauernkindern an den Schulen. Das können und wollen wir so nicht weiter hinnehmen!
Unsere Leidenschaft ist unser Beruf. Wir machen Sie gerne satt. Aber so langsam sind wir es satt, immer im Fokus der vielfach unberechtigten Kritik zu stehen. Denn zum einen betreiben wir tagtäglich Umwelt- und Tierschutz, indem wir freiwillig Agrarumweltmaßnahmen umsetzen, ökologische Vorrangflächen vorhalten, Greening betreiben oder unseren Tieren mit modernen Stallbauten eine artgerechte Haltung ermöglichen. Zudem ist die rheinland-pfälzische Landwirtschaft flächengebunden strukturiert - es gibt keine Massentierhaltung bei uns!
Wie wollen wir junge Hofnachfolger motivieren, einen Beruf auszuüben, bei dem man sich permanenter Kritik, Beleidigungen und Rechtfertigungen aussetzen muss? Wir erleben aktuell einen dramatischen Ausstieg unserer Tierhalter, gleichzeitig soll das viele Grünland nicht zuletzt aus Naturschutzgründen offengehalten werden. Aber wie wollen wir künftig unsere wunderschönen Eifellandschaften pflegen und erhalten, wenn wir keine Landwirte mehr dafür haben? Wir wünschen uns mehr Wertschätzung. Wenn Sie statt zu Billigprodukten beim Discounter zu regionalen Produkten greifen, unterstützen Sie die heimische Landwirtschaft und viele Arbeitsplätze im nachgelagerten Bereich. Top-Produkte kann man nachhaltig nur zu angemessen Preisen produzieren. Die Marktmacht des Lebensmitteleinzelhandels und die internationale Konkurrenz führen zu einer gnadenlosen, negativen Preisspirale. Wir alle sind Verbraucher und haben es selbst in der Hand, welche Lebensmittel wir wo kaufen.
Wir Landwirte sind anpassungs- und lernfähig, doch man muss uns angesichts hoher Investitionen z.B. für mehr Tierwohl auch gestatten, dass die Wirtschaftlichkeit nicht verloren geht. Schließlich leben wir von unserem Beruf.
Um es zum Abschluss deutlich zu sagen. Wir wollen nicht länger der Sündenbock sein. Seit Jahren leisten wir Umweltleistungen und tragen zum verbesserten Tierwohl bei. Vergessen wir nicht die wirtschaftliche Bedeutung der Landwirtschaft für die Eifel. Wann beginnt die Politik endlich die Tierhalter zu stärken, die Landwirte insgesamt zu entlasten und wann werden wir von der Gesellschaft - unseren Nachbarn und Mitbürgern - wieder ehrlicher wahrgenommen? Wir fordern einen fairen Umgang.
Jeder der uns kritisiert ist herzlich eingeladen, mit uns zu sprechen, statt über uns. Wir bieten den Dialog und erklären gerne, warum wir was wie machen. Wir suchen den Schulterschluss zu Ihnen, damit wir Sie hinter uns wissen. Mit einem gestärkten Rücken, gegenseitigem Vertrauen und der notwendigen Offenheit, hoffen wir, dass die Landwirtschaft in der Eifel eine Zukunft hat.
Quelle: Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e.V.
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