Erprobungsphase von gemeinsamem Projekt des Bistums Trier, der Hochschule Koblenz und der Verbandsgemeinde Vordereifel geht in Umsetzung
Kirchengebäude mit neuen Ideen beleben
Kehrig/Kirchwald. „Es gibt kein Interesse der Kirchengemeinde oder des Bistums Trier diese Kirchen zu entweihen“, mit diesem Statement hat Dekan Jörg Schuh Befürchtungen der weit mehr als 50 Personen in der Kirche in Kehrig schon einmal aus dem Weg räumen können.
Hier ist am 25. März die einjährige Erprobungszeit der sogenannten kirchRAUMpilot*innen gestartet. Zwei Teams stellten ihre Ideen für die katholischen Kirchengebäude in Kehrig und Kirchwald vor. Das Ziel des Projekts ist, Kirchenräume als identitätsstiftende Orte zu erhalten und sie durch unterschiedliche Maßnahmen als neue soziale Treffpunkte zu beleben. Verantwortlich für die Initiative sind das Bistum Trier, die Verbandsgemeindeverwaltung Vordereifel und die Hochschule Koblenz, eine Förderung gibt es durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft.
Architekt Prof. Peter Thomé von der Hochschule Koblenz erklärte, dass mit der Umsetzung keine großen gebäudlichen Veränderungen einhergehen, „sondern es geht um kleinere Dinge, wie das Verschieben oder Rausräumen von Bänken, um Platz für Neues zu schaffen.“ So konnten die Interessierten in Kehrig schon mal einen Eindruck davon erhalten, wenn einige Bänke aus den hinteren Reihen Raum für andere Konzepte schafften, wie für eine Informations- und Begegnungsveranstaltung.
Auf Austausch und kulturelle Veranstaltungen zielt auch die Idee eines Kultur-Cafés in der Kehriger Kirche. „Bücherwurm unterm Kirchenturm“ lautet eine weitere Überlegung: „Wir können uns gut eine Kooperation mit Büchereien und der Leseförderung und eine Zusammenarbeit mit der örtlichen Kita und Schule vorstellen, damit Kinder sich Büchern nähern können“, erklärte Martina Wolf. Für Kinder wäre auch der Kreativraum ein Angebot, den Kirchenraum auf andere Weise und niedrigschwellig zu erfahren. „Hier können sich Kinder kreativ auslassen und den Raum als eine Art Atelier nutzen und alles machen, was kreativ ist und Spaß macht.“ Bei all den unterschiedlichen Ideen gelte: „Wir wollen die Kirche erhalten!“, betonte Herbert Keiffenheim aus dem Kehriger Team. Dies gilt auch für die kirchRAUMpilot*innen in Kirchwald.
Die Kirchwalder Kirche befindet sich in der Nähe zur Kita, von hier aus könnte eine Zusammenarbeit entstehen, so das Team. Mechthild Peters stellte die Lernoase vor, deren Zielgruppe ebenfalls Kinder sind. „Sie sollen ein Stück Zuhause in der Kirche finden und dort zum Beispiel unter Begleitung Hausaufgaben machen können.“ Weitere Ideen sind ein Fairteiler Café, das zum Tausch von Kleidung oder auch Lebensmitteln einlädt. Es gäbe noch viele Herausforderungen, aber Markus Hilger sieht positiv in die Zukunft. Dazu trägt sicherlich auch die finanzielle Förderung durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft über das Bundesprogramm Ländliche Entwicklung und Regionale Wertschöpfung bei. Kathrin Schneider überbrachte symbolische Goldbarren. „Projekte, bei denen Raum für Begegnungen geschaffen und Gemeinschaft gelebt wird, sind wichtig. Daher fördern wir die kirchRAUMpilot*innen gerne – Sie sind uns sprichwörtlich Gold wert“, sagte die Referentin in der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung.
Zugang zu Kirchen öffnen
„Wir wollen für mehr Menschen einen Zugang zu Kirchen öffnen – über Gebet und Gottesdienst hinaus. Begegnungen zu ermöglichen ist auch ein christliches Anliegen“, fasste Thomé zusammen. Dekan Schuh, der gemeinsam mit Marek Jost vom Leitungsteam des Pastoralen Raums vor Ort war, betonte: „Uns ist es wichtig, dass die Heiligkeit der Orte bewahrt wird.“ Eingebunden sind daher auch die örtlichen kirchlichen Gremien. Er sieht das Projekt auch als „eine Möglichkeit, Erfahrungen zu machen, was ist für uns als Kirche auf die Zukunft hin denkbar?“
Nun gehen die Ideen in die Erprobungsphase, die wie das gesamte Projekt wissenschaftlich durch die Hochschule Koblenz begleitet wird.
Neben Vertretern des Pastoralen Raums Mayen tauschten sich auch anwesende Vertreter des Bistums Trier, aus Politik, der Hochschule und der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung mit den Einwohnerinnen und Einwohner sowie Interessierten aus.
