Allgemeine Berichte | 26.01.2026

Aktuell sind über 4000 gebietsfremde Tier- und Pflanzenarten in Deutschland wild lebend nachgewiesen. Darunter befinden sich eine Vielzahl invasiver Arten, die große Schäden in der Natur und darüber hinaus anrichten.

NABU Hundsangen trifft mit der Vortrags-veranstaltung über Waschbär & Co offenbar einen Nerv der Naturschützer

Waschbären sehen niedlich aus, richten aber große Schäden an. Dr. Stefan Nehring führte die Zuhörer fachlich in die Problematik der gebietsfremden Pflanzen und Tiere ein. Fotos:Marcel Weidenfeller und Peter Ahrens

Hundsangen. Der Start in das neue Jahr 2026 war ein voller Erfolg. Mehr als 60 interessierte Zuhörer haben das Foyer in der Ollmersch-Halle so gefüllt, dass einige nur noch einen Stehplatz bekommen konnten. Das Thema gebietsfremde Arten trifft offenbar einen Nerv der Naturschützer – insbesondere gilt dies für den aus Nordamerika stammenden Waschbären: Einerseits ein niedlicher Geselle mit Zorromaske, den man am liebsten anlocken und füttern möchte – andererseits eine gefährliche invasive Art mit erheblichem zerstörerischem Potential für die heimische Amphibien- und Vogelwelt.

Durch seine nächtlichen Aktivitäten in Gärten und Häusern verursacht er zudem Dreck und Lärm. Der Koblenzer Biologe Stefan Nehring hat uns gekonnt, differenziert und sprachgewandt in die Problematik der gebietsfremden Pflanzen und Tiere eingeführt und als ausgewiesener Fachmann dieser Thematik auch handlungsrelevante Informationen mitgegeben. Aktuell sind in Deutschland über 4000 gebietsfremde Arten, sogenannte Neobiota, wild lebend nachgewiesen, wovon sich schon rund 1200 Arten in unserer Natur dauerhaft festgesetzt haben.

Die meisten Arten wurden aus Nordamerika und China absichtlich als Gartenpflanze oder Heimtier importiert und sind anschließend unkontrolliert verwildert. Um die Gefahren für die biologische Vielfalt, die von diesen Arten ausgehen, zu verhindern oder zumindest zu minimieren, hat die Europäische Kommission eine Liste mit den größten Schadensverursachern herausgegeben. Diese Unionliste umfasst aktuell 114 invasive Arten, für die EU-weit strenge Verbote sowie umzusetzende Maßnahmen bei einem Auftreten gelten.

66 Arten der Unionsliste, darunter zum Beispiel Waschbär, Springkraut und Herkulesstaude, kommen auch in Deutschland vor. Immer mal wieder werden Zweifel laut, dass diese invasiven Arten doch eher als Bereicherung der heimischen Fauna und Flora anzusehen seien. Aus Sicht von Nehring ein Trugschluss, der auf unzureichender Beurteilung der vorliegenden Fakten beruht. Aber nicht nur die biologische Vielfalt ist bedroht, sondern auch die menschliche Gesundheit kann durch gebietsfremde Arten negativ beeinflusst werden.

Auch hier gibt es kontroverse Diskussionen zum Ausmaß der Auswirkungen. Ist die nordamerikanische Ambrosie tatsächlich so „gefährlich“, wie man lange vermutet hat, oder haben wir in unserer Angst vor Allergien die Situation überschätzt? Was die Bedrohung durch Ambrosia angeht, gibt es in der Wissenschaft durchaus verschiedene Meinungen. Der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst, Karl-Christian Bergmann, sieht die Gefährdung für den Menschen eher gelassen: Patienten mit echter Ambrosia-artemisiifolia-Allergie seien extrem selten. Vielleicht muss man hoffen, dass er Recht hat: Die bisherigen Versuche eines Managements dieses Neophyten müssen als wenig erfolgreich angesehen werden. Unbestritten ist, dass normale Arealveränderungen einer Art ein natürlicher Prozess ist. Allerdings haben anthropogene Prozesse (globaler Handel, Einschleppung von Samen, bewusste Freisetzung gebietsfremder Tiere, „Flüchtlinge aus Tierfarmen“ etc.) zu einer unglaublichen Beschleunigung der Verbreitung gebietsfremder Arten geführt mit weiterhin stark zunehmender Tendenz.

Eine biologische Anpassung der Ökosysteme ist damit in der Regel nicht mehr möglich. Ein Management zumindest der aggressivsten Arten wird zwingend, wenngleich es im Einzelfall durch verschiedene Umstände nicht unkompliziert ist. Erschwerende Faktoren sind unklare Zuständigkeiten, fehlende Geldmittel, unterschiedliche Einschätzungen von Entscheidungsträgern, fehlende Anreize für Exekutivorgane wie die Jägerschaft und vieles mehr. Jäger entnehmen deutschlandweit jährlich aktuell etwa 200 000 Waschbären – freiwillig und ohne eigenen Nutzen – aber mit viel Aufwand - gleichzeitig ist der Waschbär aber auch temporär während seiner Fortpflanzungsphase gesetzlich geschützt: wir sorgen also selbst für seine ungehemmte Vermehrung.

Diese Art eines „Managements“ hat den Bestand auf aktuell rund zwei Millionen Waschbären anwachsen lassen mit entsprechenden Konsequenzen für seine Beutetiere, die immer stärker unter Druck geraten. Im Anschluss an den Vortrag wurde noch viel und konstruktiv diskutiert. Auch wenn für viele Probleme eine nachhaltige Lösung in weiter Ferne ist, war es ein fruchtbarer Austausch und für alle Beteiligten ein echter Gewinn sowie ein spannender Auftakt der Saison 2026.Pressemitteilung NABU Hundsangen

Der Vortrag mit dem Fokaus auf die Waschbärenpopulation und deren Konsequenzen war gut besucht.

Der Vortrag mit dem Fokaus auf die Waschbärenpopulation und deren Konsequenzen war gut besucht.

Weitere Themen

Waschbären sehen niedlich aus, richten aber große Schäden an. Dr. Stefan Nehring führte die Zuhörer fachlich in die Problematik der gebietsfremden Pflanzen und Tiere ein. Fotos:Marcel Weidenfeller und Peter Ahrens

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Rolf Nonn: An Pfingstsonntag ab 11 Uhr findet das 18. Hafenkonzert in den Rheinanlagen von Brohl-Lützing statt. Die Veranstaltung vom Brohler Kulturverein beginnt um 11 Uhr mit dem Bonner Shanty-Chor und am Nachmittag spielt der Musikverein Bad Hönningen auf.
  • Volker Otto: Sehr schöner, blendend organisierter dorftrödel, der alles geboten hat, was man sich von so einer Veranstaltung erwarten kann. Vielfältiges Angebot, gute Verpflegung und (ganz wichtig) die Möglichkeit, menschlichen Bedürfnissen nachzugehen.
Imageanzeige - Dauerauftrag
Rund ums Haus "Baustellen / Wertstoffhöfe"
Gesundheitsmagazin
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0299#
Rund ums Haus
Pfingstwaldfest in Bachem, 24. - 25.05.26
Anzeige Filiale Ahrweiler
Empfohlene Artikel
Blütenreiche Wegränder in der Feldflur - wichtige Lebensräume nicht nur für Insekten.
6

Westerwald. In den letzten Jahren wurde immer wieder über das Insektensterben und den Rückgang der Feld- und Wiesenvögel berichtet. So hat sich die Zahl brütender Kiebitze in Deutschland seit den 1990 Jahren auf ein Viertel reduziert; die Anzahl der Rebhühner ist seit den 1970 sogar auf einen Bruchteil des ursprünglichen Bestandes geschrumpft. Zudem zeigte eine Studie im Jahr 2017, dass in den letzten...

Weiterlesen

Eifrig waren die NAJUkids auf der Suche nach dem verborgenen Leben im Moos.
24

Hundsangen. Vom 9. bis zum 11. April wurde in den Räumen der Grundschule Wallmerod unser erstes Ferien-Forschungsseminar durchgeführt: Acht NAJU-Kinder haben während dieser drei Tage mit Freude, Enthusiasmus und Neugierde den Lebensraum Moos erforscht. Ziel des Seminars war einerseits, Werkzeuge wie die Einschlaglupe, das Binokular, das Mikroskop und die Bestimmungs-App „Flora incognita“ zu nutzen - andererseits sollte aber auch der Lebensraum „Moos“ erkundet werden.

Weiterlesen

Die Teilnehmergruppe lauscht den Gesängen der Waldvögel
31

Elz. Während die meisten Menschen noch schliefen, begab sich am vergangenen Wochenende eine Gruppe von Naturbegeisterten auf eine akustische Entdeckungsreise. Ausgangspunkt war die Elzer Grill- und Umwelthütte, die als idealer Treffpunkt für naturkundliche Exkursionen und Veranstaltungen geschaffen wurde. Im Rahmen der traditionellen Vogelstimmenfrühwanderung der NABU-Gruppe Hundsangen erkundeten...

Weiterlesen

Weitere Artikel
Die Mitglieder des Kulturbeirats Rheinbach. Fotos: Stadt Rheinbach
3

Monika Flieger führt Rheinbacher Kulturbeirat an

Neuer Kulturbeirat in Rheinbach nimmt Arbeit auf

Rheinbach. Der neu gegründete Kulturbeirat der Stadt Rheinbach ist am 19. Mai 2026 mit einer engagierten und konstruktiven ersten Sitzung im Glasmuseum Rheinbach erfolgreich gestartet. Zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus Kultur, Politik und Verwaltung kamen zusammen, um den Grundstein für die zukünftige Zusammenarbeit zu legen. Im Mittelpunkt der Sitzung standen das gegenseitige Kennenlernen,...

Weiterlesen

20

Bonn. Der Verein Bunter Kreis Rheinland gehört zu den 25 sozialen Initiativen bundesweit, die im Rahmen des Wettbewerbs von startsocial ausgezeichnet wurden. Damit wird das langjährige Engagement des Vereins gewürdigt, der Familien mit frühgeborenen, schwer und chronisch kranken Kindern sowie Kindern mit Beeinträchtigung unterstützt.

Weiterlesen

Fischfang an der Ahr in Dernau.  Foto: privat
437

Ahrtal. Wer heute an der Ahr entlang wandert, begegnet ihnen wieder vereinzelt: Angler, die geduldig am Ufer stehen oder im Fluss ihre Angel auswerfen, als wäre alles wie früher. Doch die Flut von 2021 hat den Fluss und das Tal tiefgreifend verändert. Das Bett der Ahr wurde neu geformt, Uferzonen verschwanden oder entstanden neu, das Wasser erwärmte sich, und der Fischbestand geriet aus dem Gleichgewicht.

Weiterlesen

Imageanzeige Werbeplan 2026
Rund ums Haus Daueranzeige
Anzeige Uhren Vintage
Anzeige "Rund ums Haus"
Gesundheitsmagazin Kreis AW
Gesundheitsmagazin im Kreis Ahrweiler
Gesundheitsmagazin im Kreis Ahrweiler
Gesundheitsmagazin Ahrweiler
Gesundheitsmagazin im Kreis Ahrweiler
Gesundheitsmagazin Kreis AW
Titelanzeige
Anlagenmechaniker
Minijob Reinigungskraft
eine/n Sachbearbeiter/in für den Bereich Controlling (m/w/d)
Rund ums Haus
Stellenanzeige
"Sommernacht im Pfarrhof Dieblich"
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0299#
Titelanzeige
Neueröffnung in Bad Neuenahr