Allgemeine Berichte | 12.03.2026, 11:17 Uhr

Großes Interesse für Thema psychische Gewalt in Partnerschaften – Bianca Westphal neue Gleichstellungsbeauftragte des WW-Kreises

Runder Tisch gegen Gewalt Rhein-Westerwald trifft Nerv

Landrat Achim Hallerbach freute sich, zusammen mit Bianca Westphal (links) und Dagmar Leimpeters den Reader der Fachtagung „Psychische Gewalt in Partnerschaften – von einer unterschätzten Dynamik und ihren gravierenden Auswirkungen“ präsentieren zu können.
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Region. Den Nerv der Zeit traf die jüngste Veranstaltung des Runder Tisch gegen Gewalt in engen sozialen Beziehungen Rhein-Westerwald in der Katholischen Familienbildungsstätte Neuwied: Fast 100 Expertinnen und Experten auf ihren Spezialgebieten hatten sich zum Fachtag angemeldet, der sich dem Thema „Psychische Gewalt in Partnerschaften“ gewidmet hatte: „So großen Zulauf hatten wir seit Jahren nicht mehr!“, freute sich Beate Ullwer, zum Zeitpunkt der Veranstaltung noch Gleichstellungsbeauftragte des Westerwaldkreises. Für sie war es der letzte Fachtag für den Runden Tisch, an dessen Aufbau sie seit knapp 25 Jahren im Rahmen des Rheinland-Pfälzischen Interventionsprojektes gegen Gewalt beteiligt ist. „Wir konnten ein Netzwerk schaffen, getragen von Respekt und Verständnis und mit dem gemeinsamen Ziel, die Situation der gewaltbetroffenen Frauen und Mädchen zu verbessern“, resümierte sie in ihrer letzten Begrüßung.

„Fachtage sind ein wichtiges Instrument, zu informieren, die Fachkräfte in der Praxis fortzubilden und die Öffentlichkeit weiter zu sensibilisieren – damit Gewalt gegen Frauen und Mädchen endlich als das eingestuft wird, was es ist: ein NO-GO!“, erklärte Landrat Achim Hallerbach in seiner Einführungsrede.

Der Kreis-Chef dankte Beate Ullwer persönlich wie auch dem Runden Tisch gegen Gewalt in engen sozialen Beziehungen Rhein-Westerwald für das große Engagement, das unter anderem dazu beigetragen hat, die Versorgungslücken im Kreis Neuwied zu schließen. Mit einem eigenen Frauennotruf und sogar einem eigenen Frauenhaus, das noch in diesem Jahr in Neuwied eröffnet werden soll, konnte das Hilfesystem für die Betroffenen stark ausgebaut werden.

Caroline Wenzel überzeugte als Referentin des Fachtags mit ihrem Vortrag, in dessen Verlauf sie Auszüge aus ihrem Buch „Vom Traum zum Trauma – psychische Gewalt in Partnerschaften“ vortrug und diese fachlich einordnete.

Anhand konkreter Fallbeispiele machte sie deutlich, wie verheerend sich psychische Gewalt auswirkt, dass sie alle sozialen Schichten durchzieht und letztlich jede und jeden treffen kann.

Eva, ein Fallbeispiel aus Wenzels Buch, sieht in Marco zunächst ihren Traumprinzen. Er trägt sie auf Händen, überschüttet sie mit Komplimenten, ist aufmerksam, fürsorglich, zugewandt. Ein halbes Jahr später zeigt er ein anderes Gesicht: Aus Komplimenten werden Beschimpfungen, statt zugewandt ist er kalt und gebieterisch, aus Fürsorge wird schließlich Kontrolle.

„Die emotionale Bindung, wie sie auch bei gesunden Beziehungen in den ersten Monaten aufgebaut wird, wird ausgenutzt, um ein immer enger werdendes Netz zu spinnen, welches die Betroffenen in Selbstzweifel, seelische Pein und gleichzeitig Abhängigkeit bringt“, erklärt Daniela Kiefer, Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Neuwied, die die Veranstaltung moderierte.

„Eine Trennung ist ein riskanter Wendepunkt und kann zu einer weiteren Eskalation führen. Deshalb ist es entscheidend, dass Betroffene gut unterstützt und begleitet werden“, betonte Caroline Wenzel.

Einen wirklichen Schutz gebe es nicht – hilfreich sei jedoch ein gutes Netzwerk an sozialen Kontakten. Isolation sei eines der zentralen Werkzeuge der Gewaltausübenden. Hier gelte es, als Angehörige, Freunde oder Fachkräfte aufmerksam zu werden und frühzeitig das Gespräch zu suchen.

Psychische Gewalt als Gewaltform anzuerkennen und Betroffene auch juristisch wirkungsvoll zu schützen, sei weiterhin eine große Herausforderung. Das spiegelten auch die Erfahrungsberichte aus Wenzels Buch wider. Besonders schwer sei es zudem für Männer, da männliche Opfer von Gewalt in Partnerschaften nach wie vor starken Rollenbildern gegenüberstehen.

Konkrete Angebote speziell zum Thema psychische Gewalt gibt es in den Kreisen Westerwald, Altenkirchen und Neuwied bislang nicht; die vorhandenen Beratungsstellen decken diesen Bereich jedoch häufig mit ab. Psychische Gewalt mitzudenken, sensibel zu reagieren und die Gewaltspirale zu kennen – all das habe der Fachtag weiter geschärft. Im Ausblick wurde deutlich, dass diese Sensibilisierung auch für weitere Berufsgruppen wie Ärztinnen und Ärzte, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sowie Richterinnen und Richter wünschenswert wäre.

„Wir freuen uns, dass wird dazu einen Reader fertiggestellt haben, in dem die wesentlichen Inhalte der Fachtagung sowie Links zu aktuellen Studien zusammenfasst sind“, freut sich die Nachfolgerin von Beate Ullwer als Gleichstellungsbeauftragte des Westerwaldkreises, Bianca Westphal, ebenso wie die Kolleginnen aus dem Landkreis Neuwied, die Gleichstellungbeauftragte Daniela Kiefer und Dagmar Leimpeters, Mitarbeiterin der Gleichstellungsstelle. Der Reader kann abgerufen werden unter www.kreis-neuwied.de/leben-im-landkreis

Pressemitteilung Kreisverwaltung Neuwied

Landrat Achim Hallerbach freute sich, zusammen mit Bianca Westphal (links) und Dagmar Leimpeters den Reader der Fachtagung „Psychische Gewalt in Partnerschaften – von einer unterschätzten Dynamik und ihren gravierenden Auswirkungen“ präsentieren zu können.

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