Politik | 15.07.2022

Frank-Walter Steinmeier besuchte am Jahrestag der Flut das Ahrtal

Bundespräsident: „Erinnerung an einen Tag des Grauens“

: Empfang in Altenahr: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (Mitte) mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Gastgeber Wilfried Laufer.  Foto: GS

Altenahr. Bundepräsident Frank-Walter Steinmeier hat am Jahrestag der Flut das Ahrtal besucht. Stationen waren Altenahr, Dernau und Mayschoß. In Altenahr traf Steinmeier in der Lounge des „Weinecks“, ein Weinlokal, das am 14. Juli 2021 bis zur Decke des ersten Geschosses unter Wasser gestanden hatte, im Beisein von Ministerpräsidentin Malu Dreyer mit Kommunalpolitikern, Betroffenen und Helfern zusammen. Ein internes Gespräch, das auf großes Medieninteresse stieß. Im Anschluss an den, nach Teilnehmermeinung, offenen Austausch, erklärte Steinmeier, er habe bei seinem Besuch in der Vergangenheit erklärt: „Wir werden euch nicht vergessen.“ Deshalb sei er am Jahrtag der Flut in „Erinnerung an einen Tag des Grauens“ wieder ins Tal gekommen. Sein Dank galt den ungezählten Helfern aus ganz Deutschland, die sich nach der Flut für die Menschen im Ahrtal eingesetzt hätten. Dank galt aber auch den kommunal Verantwortlichen, die Tausende von Anträgen zu bearbeiten hätten. Der Wiederaufbau sei „keine Aufgabe von 365 Tagen, sondern für die nächsten Jahre“.

Steinmeier weiß um das Problem der Bürokratie mit dem Wiederaufbau ebenso wie darüber, dass es „nicht genügend Gutachter und Handwerker gibt“. In Richtung der Bürger des Ahrtals sagte der Bundespräsident: „Auch wenn das Ahrtal nicht mehr so oft in den Schlagzeilen ist, sind die Probleme der Politik in Berlin und Mainz bewusst.“

Marschrichtung vorgegeben

Steinmeier gab aber auch eine Marschrichtung vor, „denn der Klimawandel hat uns erreicht“. Phänomene wie brennende Wälder und Unwetter würden immer öfter auftreten. „Daher ist der Kampf gegen den Klimawandel wichtig“, sagte der Bundespräsident. Wichtig sei vor diesem Hintergrund, neue Strukturen im Katastrophenschutz zu schaffen. Das sei eine gemeinsame Aufgabe von Bund und Länder. Ebenso sei Vorsorge vor Ort zu treffen. Dies wohl wissend, dass „der Ausbau von Retentionsflächen im engen Ahrtal nicht einfach ist“. Mut und Zuversicht wünscht sich Steinmeier für die Bürger des Ahrtal beim Wiederaufbau, den er „als „Leuchtturmprojekt“ für ganz Deutschland sieht.

Nach dem internen Gespräch befragte „BLICK aktuell“ Teilnehmer zu ihren Eindrücken. „Es gab ehrliche und offene Worte“, sagte der Ahrweiler Dechant Jörg Meyrer. Zur Sprache gekommen seien der notwendige Abbau der Bürokratie bei den Fluthilfen, die Probleme durch Personalmangel bei den Verwaltungen ebenso wie die schwierigen Situationen in denen sich Privatpersonen und Betriebe immer noch befinden.

Landrätin Cornelia Weigand forderte in Richtung des Gesetzgebers eine Vereinfachung des Baurechts für den Wiederaufbau, sieht aber auch, dass „wir Fragen und Probleme noch für ein Jahrzehnt vor der Brust haben“. Als äußerst wichtig sahen die Bürgermeister Dominik Gieler (Verbandsgemeinde Altenahr) und Rüdiger Fuhrmann (Ortsgemeinde Altenahr) den Besuch Steinmeiers an. Für sie ist wichtig, dass die „Bundespolitik auf der Schiene bleibt“ und Steinmeier weiß, dass der „Wiederaufbau lange dauern wird“.

Konkrete Ziele

Konkrete Ziele nannte Alfred Sebastian, Bürgermeister von Dernau: „Wir wollen der Ahr Raum und Platz geben.“ Dafür seien die Kommunen auf der Suche nach Möglichkeiten. Als Beispiel nannte er den von der Flut verwüsteten Dernauer Sportplatz, für den eine Standortlösung gefunden werden müsse. Sebastian beklagte wie die anderen Teilnehmer den „Wust an Bürokratie“ und sah die Verwaltungen mit den Aufgaben des Wiederaufbaus als „überfordert“ an. Zudem bestehe aktuell „die Gefahr, dass die Stimmung im Ahrtal kippt“. Sein Fazit daraus: „Wir müssen unterstützt werden.“

Und wie bewertet ein Nicht-Politiker den Gedankenaustausch mit Steinmeier? Christoph Smolenski, Chef der von der Flut zerstörten Ahrweiler Ehrenwall-Klinik: „Der Bundespräsident zeigte sich sehr einfühlsam. Er hat unterstrichen, dass er sich für die Nöte und Belange der Menschen interessiert. Die Frage ist, was er bewegen kann.“ Das könne eher Ministerpräsidentin Malu Dreyer, die ja alle Gespräche verfolgt habe.

Hoffnung auf 15000 Gäste

Dass das Treffen mit Steinmeier ausgerechnet im „Weineck“ stattfand, hatte auch einen Grund. Nach 365 Tagen des Wiederaufbaus mit Unterstützung einer tatkräftigen Helfertruppe aus Dormagen ist Wiedereröffnung angesagt. „“Bis zum Jahresende hoffen wir noch auf 15000 Gäste“, sagte Wilfried Laufer, der Weinlokal und Pension mit seiner Frau Andrea und Tochter Sarah betreibt. „Wir richten den Blick nach vorn“, erklärte Laufer, der bei der Flut seinen Vater Bodo (83) verloren hatte. Er habe zwar noch keinen Kassensturz gemacht, doch mit Zuschüssen von 80 Prozent habe der Staat gute Rahmenbedingungen geschaffen. An seine Helfer aus Dormagen wir Laufer übrigens täglich beim Blick aus dem Fenster erinnert: Sie haben auf der gegenüberliegenden Seite der Seilbahnstraße, deren Zukunft der Gastronom übrigens als Gourmetmeile sieht, einen Weinberg mit 99 Stöcken der Rebsorte Monarch angelegt und für diese die Patenschaft übernommen.

Und auch das gab es in Altenahr: Spontan nahm Bundespräsident Steinmeier ein Bild entgegen, dass der kleine Muhammed-Ilaf Atac gemalt hatte. Es zeigt das Ahrtal in den deutschen Farben als tränendes Herz. Begleitet wurde der kleine Mann von Mutter Zeliha, die in Bad Neuenahr eine Versorgungsstation für Flutopfer leitet. GS

Interne Gesprächsrunde in der Weinlounge.  Foto: GS

Interne Gesprächsrunde in der Weinlounge. Foto: GS

: Empfang in Altenahr: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (Mitte) mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Gastgeber Wilfried Laufer. Foto: GS

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Anne: Ein Faustschlag mitten ins Gesicht und ein Dolchstoß mitten ins Herz aller Flutopfer…nicht nur der Toten und deren Angehörigen und Freunden, sondern insbesondere der unzählig vielen traumatisierten Menschen...
  • Betroffener: Wiedermal ein Totalversagen der Justiz und es werden Täter geschützt ! Inzwischen darf man sich wirklich fragen ob diese Justiz überhaupt noch der Gerechtigkeit und dem Volk dient oder einfach nur noch die Politiker zu schützen versucht !
  • Anne: Es ist das kalte Grauen. Wahrscheinlich denkt sich der Täter in Anlehnung an den Mordprozeß im Fall Anna K. aus Gimmigen mit einem ähnlich milden Urteil davon zu kommen. In was für einer Zeit leben wir...
  • Graf: Ja, sehr GUT Ukraine, ist doch bekannt , dass koruptestes Land in Europa ist. Mit den Politiker, sind unsere bezahlt worden? Wunderbar !
Anzeige Haushaltsauflösungen und Ankauf
Rund ums Haus
Hausmeister, bis auf Widerruf
Sonderpreis Outdoor Tage wie vereinbart
Stellenausschreibung Bauleitplanung
Imageanzeige Dauerauftrag 06/2025
Richtgest Jahn Eleven
Anzeigenauftrag #PR111825-2026-0006#
Sonderseite Jahn Eleven
Empfohlene Artikel
Auf reges Interesse stießen die Mitglieder von Grünen und der SPD auf dem Maisons-Laffitte-Platz.  Foto: privat
46

Remagen. Wohnraum für alle, keine Luxuswohnungen am Rhein, für diese Forderungen stellten sich die Stadtratsmitglieder Antonio Lopez und Rolf Plewa in Remagen den Bürgern zur Diskussion. Auf reges Interesse stießen die Mitglieder von Grünen und der SPD auf dem Maisons-Laffitte-Platz. „Wir müssen dagegen sein, kommunalen Grund und Boden nahezu zu verschenken“, so Lopez. „Familien mit Kindern und Senioren...

Weiterlesen

Weitere Artikel
Rock am Ring 2026: Riesen-Überraschung für die Fans!
1296

Mit diesem Star-Gast hätte wohl niemand gerechnet:

Rock am Ring 2026: Riesen-Überraschung für die Fans!

Nürburgring. Mit dieser Begegnung hatten wohl die wenigsten Festivalbesucher gerechnet: Mitten im Trubel von Rock am Ring 2026 tauchten plötzlich Robert Geiss und Carmen Geiss auf. Das prominente TV-Ehepaar sorgte damit für eine echte Überraschung auf dem Gelände am Nürburgring.

Weiterlesen

Rock am Ring 2026: Mehnersmoos rockt den Ring!
990

Am Ring geht es weiter im Programm:

Rock am Ring 2026: Mehnersmoos rockt den Ring!

Nürburgring. Mehnersmoos ist ein deutsches Rap-Duo aus Frankfurt am Main. Die Gruppe besteht aus den Rappern Frederik Moos und Tobias Mehner. Der Bandname setzt sich aus ihren Nachnamen „Mehner“ und „Moos“ zusammen.

Weiterlesen

Orignale Linkin Park-Klampfe - die gibt es nur in der besonderen Ausstellung! Foto: Axel Live Pictures
332

Ringrocker sollten sich diese Ausstellung nicht entgehen lassen:

Rock am Ring 2026: Heißer Tipp abseits der Bühnen!

Nürburgring. Pünktlich zu Rock am Ring 2026 erwartet die Festivalbesucher eine besondere Überraschung: Die US-Rockband Linkin Park bringt eine zeitlich begrenzte Sonderausstellung exklusiv an den Nürburgring. Die Ausstellung gewährt seltene Einblicke in die Geschichte einer der erfolgreichsten Rockbands der vergangenen Jahrzehnte und präsentiert zahlreiche Originalstücke aus verschiedenen Schaffensphasen der Gruppe.

Weiterlesen

Dauerauftrag
Image
Vorabrechnung, Nr. AF2025.000354.0, Mai 2026
Stellenanzeige "Standesamt"
vorab überwiesen am 22.05.2026
Azubispots Koblenz
Kooperation
Veranstaltungsanzeige
Kirmes in Königsfeld
sprudelndes Sinzig
sprudelndes Sinzig
sprudelndes Sinzig
Sprudelndes Sinzig
Wertstoffhof - Kaffee Anzeige
Feuerwehrfest in Heimersheim
Sonderseite Jahn Eleven
Titel
Anzeige LebensArt Bad Neuenahr 2026