Politik | 02.09.2016

Weder Utopie, noch eine irrwitzige Idee

Das Bedingungslose Grundeinkommen

V.l.n.r. Dr. Strengmann-Kuhn, Edith E. Preiss und Dr. Gernot Reipen. Jutta Hagedorn

Andernach. Bei hochsommerlichen Temperaturen war die überparteiliche Veranstaltung zum Bedingungslosen Grundeinkommen (BGE) in der Mittelrheinhalle in Andernach gut besucht. Und es hätten sich gerne noch mehr Interessierte auf den Weg zur Kleinstadt am Eingang zum Mittelrheintal gemacht. Doch was viele Menschen in einem der reichsten Länder der Erde nicht wissen: in dem Regelsatz von 404 Euro monatlich für Erwerbslose sind gerade mal 25,45 Euro monatlich für die Kosten für öffentliche Verkehrsmittel und sage und schreibe 1,54 Euro für Bildung vorgesehen [1]. Das bedeutet, gerade für die Mitmenschen, die von Sozialleistungen in Deutschland leben müssen, sind zusätzliche Fahrkosten im öffentlichen Nahverkehr von rund 25 km Entfernung und mehr bereits nicht mehr finanzierbar. Und genau darum ging es unter anderem bei dieser Veranstaltung zum BGE. Nicht Ausgrenzung und nicht Ausmusterung von Mitmenschen, sondern um aktive Teilnahme zum Beispiel an politischer Entscheidungsfindung.

Drei Referenten aus Bündnis 90 / Die Grünen, der Partei „DIE LINKE“ und der Piratenpartei Deutschland standen für vier Stunden den Menschen zum Thema BGE Rede und Antwort. Nicht nur durch einen 30 minütigen Redebeitrag, sondern auch durch eine offene persönliche Diskussionsrunde in Form eines WorldCafés. So ging Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn, MdB und sozialpolitischer Sprecher der GRÜNEN Bundestagsfraktion, in seinem Redebeitrag schon zu Beginn der Veranstaltung auf die unschätzbaren Vorteile eines BGE für die Gesellschaft, wie Bürokratieabbau, Kosteneinsparung und die Chance der Selbstverwirklichung für jeden Bundesbürger, ein. Auch die schrittweise Einführung eines BGE und mögliche Finanzierungskonzepte wurden ausgiebig behandelt.

Frau Edith E. Preiss, Mitglied im Sprecherrat der Bundesarbeitsgemeinschaft Grundeinkommen der Linken, stellte das Modell eines emanzipatorischen Grundeinkommens vor, das von ihrer Bundesarbeitsgemeinschaft in den letzten Jahren entwickelt wurde. Nach diesem Konzept würden gerade einkommensschwache Menschen besonders profitieren, wobei der bestehende Sozialstaat nicht ersetzt, sondern durch ein Grundeinkommen ergänzt würde.

Dr. Gernot Reipen, Themenbeauftragter für Sozialpolitik und Koordinator der AG-BGE der Piratenpartei Deutschland, stellte eingangs die politische Zielsetzung der Piratenpartei in den Fokus seines Vortrages. Der Mensch mit seiner Würde und seinen Persönlichkeitsrechten, wie Datenschutz und Privatsphäre, stehen im Mittelpunkt piratiger Politik. Aber auch die Forderung nach Bildung und freiem Zugang zu Informationen, wie auch die Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung durch eine finanzielle Grundsicherung, gehören unverrückbar dazu. Kernthema seines Vortages aber waren Kritikpunkte, die von BGE-Gegnern in die politische Diskussion angeführt werden. Diese Kritikpunkte, wie unter anderem die Unterstützung des Kapitalismus, die Demontage des Sozialstaates und die Entmachtung der Arbeitnehmerrechte und Stärkung der Unternehmen, würden, so Reipen, nur für ein neoliberales Grundeinkommen, wie das Bürgergeld der FDP oder das solidarische Bürgergeld nach dem Konzept von Thüringens Ex-Ministerpräsident Althaus (CDU) und dem Schweizer Ökonom und Migrationsforscher Thomas Straubhaar zutreffen [2,3].

Ein neoliberales BGE, da waren sich die drei Vertreter der anwesenden Parteien einig, kommt sowohl für die Grünen, als auch für die Linken sowie für die Piraten nicht in Betracht. Ziel sei es, den Sozialstaat durch ein Grundeinkommen weiter zu entwickeln und auszubauen. So konnten in der Diskussionsrunde viele Unklarheiten und Fragen zum BGE bei den Besuchern geklärt werden. Soziale Errungenschaften, wie die gesetzlichen Renten-, Pflege- und Krankenversicherungen, werden, so der gemeinsame Tenor der drei anwesenden Referenten, auch unter einem BGE fortgeführt werden, allerdings in Form von Bürgerversicherungen, wo alle Menschen, ohne Ausnahmen, einzahlen. Auch Transferleistungen bei sozialen Härtefällen, wie körperliche Behinderung, werden bei einem BGE bestehen bleiben. Für die Organisatoren war es am Ende eine große Freude, dass sie von allen Besuchern ein großes Lob für diese Veranstaltungen erhielten und gleichzeitig einen Ansporn und einen Auftrag, diese Art der gemeinsamen politischen Informationsveranstaltung auch in Zukunft im kleinen, wie auch im großen Rahmen, fortzuführen. Was die Organisatoren dieser Veranstaltung gerne umsetzen werden: Es war nur der Anfang und Gespräche hierzu laufen bereits.

Pressemitteilung der

Organisatoren: Claudia Laux,

Marion Morassi,

Gernot Reipen und

Konstantin Thomopoulos

V.l.n.r. Dr. Strengmann-Kuhn, Edith E. Preiss und Dr. Gernot Reipen. Foto: Jutta Hagedorn

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare

WiderSPRUCH: Das neue Kleid von Sankt Laurentius

  • Dietmar Muenster: Alles in allem bin ich sehr enttäuscht,was ist aus der schönen Kirche bloß geworden?
  • Anna-Maria Smits : Sehr geehrter Herr Pacyna-Heinen , Was ist der Sinn dieser verspäteten Kritik? Wissen Sie wieviel Arbeit es ist, eine Kirche zu restaurieren? Unsere Martin-Luther-Kirche ist von der Wiedereröffnung noch weit entfernt.
  • Vali: Woher willst du denn wissen, wie alt der oder die Täter war(en)? Weißt du mehr als die Polizei?
  • Bea: Es wird immer schlimmer, die Täter immer jünger. Was für eine Erziehung hatten die Jugendlichen?

Ausflug zum Albertinum nach Mendig

  • Herbert und Hannelore Theiler!: Wir hatten alle einen schönen Tag im Albertinum geselliges beisammen sein! Das Museum war sehr interessant mit der Vielfalt an Steinen Sammlungen! Das Essen und die Getränke waren genug vorhanden! Auch der Kaffee und Kuchen haben allen geschmeckt!
Betriebselektriker
GO meets BBS Andernach
Go meets BBS Andernach
exam. Pflegefachkräfte (w/m/d)
Stellenanzeige Berufskraftfahrer
Motivierte und engagierte  Nachwuchskräfte
Empfohlene Artikel

Region. Der Landtagsabgeordnete Torsten Welling lädt alle interessierten Bürgerinnen und Bürger aus seinem Wahlkreis – den Verbandsgemeinden Maifeld, Rhein-Mosel, Vordereifel sowie der Stadt Mayen – herzlich zu einer Besucherfahrt in den rheinland-pfälzischen Landtag nach Mainz am 27. Februar ein. Die Teilnahme ist kostenfrei. Der Bus startet um 8 Uhr am Schützenplatz in Mayen und fährt mit optionalen Zwischenhalten an den Mitfahrerparkplätzen in Ochtendung und Pfaffenheck nach Mainz.

Weiterlesen

Region. Rosenmontag steht vor der Tür und viele Jecken freuen sich auf die Umzüge und den Straßenkarneval. „Leider werden wir weniger Prunkwagen sehen als in allen Jahren zuvor“, so die heimische Bundestagabgeordnete Mechthild Heil.

Weiterlesen

Weitere Artikel

Allgemeine Berichte

Mario Kart statt Polit-Blabla

Kreis Ahrweiler. Die Jungen Liberalen (JuLis) Ahrweiler stehen am Sonntag, 8. Februar 2026, mit einem Wahlkampfstand zur Landtagswahl Rheinland-Pfalz auf dem Marktplatz Ahrweiler. Von 10:00 Uhr bis 16:00 Uhr laden die JuLis alle Bürgerinnen und Bürger ein – ausdrücklich auch Menschen, die sonst nicht die FDP wählen würden. Ziel: zuhören, sortieren, weitertragen.

Weiterlesen

Grafschaft. Am Freitag, 27. Februar um 19.00 Uhr findet eine Lesung mit dem Grafschafter Autor Wilfried Manheller statt. „Kultur im Rathaus on tour“ – die Veranstaltungsreihe der Gemeinde Grafschaft gastiert erneut im Winzerverein Lantershofen.

Weiterlesen

Der Stadtrat hat ein neues Parkraumkonzept festgelegt

Bad Neuenahr-Ahrweiler: Anpassung der Parkgebühren

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Im vergangenen November wurde im Stadtrat ein neues Parkraumkonzept und in diesem Zusammenhang auch eine neue Gebührenordnung für das Parken im Stadtgebiet beschlossen. Am Dienstag, 3., und Mittwoch, 4. Februar, werden auf Grundlage der neu festgesetzten Zonen und Tarife die Gebühren an den Parkscheinautomaten im Stadtgebiet sowie in der Anwendung PayByPhone („Handyparken“) daher angepasst.

Weiterlesen

Vorabrechnung, Nr. AF2025.000354.0, Januar 2026
3+1 Aktion
Imagewerbung
Rosenmontag
Stellenanzeige Erzieherinnen
Stellenanzeige
Titelanzeige
Maifeld
Stellenanzeige Zahntechniker
Betriebsferien Karneval 2026
Anzeige SALE
Rosenmontag in Brohl
Lossprechungsfeier der KFZ Innung Ahrweiler
Stellenanzeige Reinigungskarft
Rosenmontag in Brohl
Experten für Steuern, Recht & Vorsorge
Lossprechungsfeier der KFZ Innung Ahrweiler
Titelanzeige Goldankauf