Politik | 02.02.2021

Stat Rheinbach: Gedenken an Ereignisse im Januar 1945 in Rheinbach

Die Opfer dürfen nicht vergessen werden

Gedenken an den „Schwarzen Tag von Rheinbach“: v.l. Oliver Krauß, Ute Krupp, Ludger Banken und Peter Mohr.Fotos: Stadt Rheinbach

Rheinbach. Wegen der aktuellen pandemischen Lage sind öffentliche Gedenken derzeit ausgeschlossen. Bürgermeister Ludger Banken und der Landtagsabgeordnete Oliver Krauß haben deshalb am Dienstag, 26. Januar stellvertretend der Opfer des Nationalsozialismus und der erschütternden Ereignisse im Jahre 1945 in Rheinbach gedacht.

An der auf Initiative des Rheinbacher Peter Mohr installierten Gedenkstätte im Stadtpark erwiesen Bürgermeister Ludger Banken, der Landtagsabgeordnete Oliver Krauß und die Vizelandrätin Ute Krupp seitens des Rhein-Sieg-Kreises den drei ukrainischen Zwangsarbeitern Peter Spaak, Wladislaus Talzschaview und Wladislaw Dedjarew Ehre und Demut. Die drei jungen Männer aus der Ukraine, alle drei unter 18 Jahre alt, wurden am 26. Januar 1945 unweit der Rheinbacher Innenstadt ermordet. Sie hatten auf unterschiedlichen Rheinbacher Bauernhöfen gearbeitet. Im Winter 1945 wurden sie zur Trümmerräumarbeiten herangezogen. Auf die Bezichtigung, sich aus den Trümmern Nichtigkeiten angeeignet zu haben, folgt das willkürliche Todesurteil: ein Geheiß des Rheinbacher NS-Bürgermeisters. An einem schnell errichteten „Galgenbaum“ im Stadtpark werden Peter Spaak, Wladislaus Talzschaview und Wladislaw Dedjarew erhängt. Die anderen in Rheinbach und Umgebung eingesetzten Zwangsarbeiter sind gezwungen, die Mordtat mit anzusehen: zur „Abschreckung“. Gemäß dem Zynismus der Täter: „Sie sollen hängen zum Gespött.“

Schwarzer Tag von Rheinbach

Nach der Besetzung Rheinbachs durch die Amerikaner werden die zuvor eiligst am Waldrand verscharrten Leichname der drei jungen Ukrainer geborgen. Am 13. März 1945 werden sie auf dem Sankt Martin-Friedhof beigesetzt. Zwei Jahre später erfolgt die Umbettung auf den Ehrenfriedhof. Dort ist bis heute ihre letzte Ruhestätte; neben 550 Toten, die gleichfalls Opfer von Nationalsozialismus und Zweitem Weltkrieg geworden sind.

Bürgermeister Ludger Banken erinnerte auch an den 29. Januar 1945, an dem amerikanische Kampfflugzeuge Rheinbach bombardierten und über 100 Zivilisten und 30 Soldaten ihr Leben verloren: „Dieses Ereignis hat viele der überlebenden Rheinbacher Bürgerinnen und Bürger tief traumatisiert. Als ‚Schwarzer Tag von Rheinbach‘ ist dieser Tag bis heute ein Begriff.

Die Erinnerung an diesen Jahrestag schließt alle Rheinbacher ein, die zivil oder als Soldaten Opfer des Zweiten Weltkriegs wurden.“

Ebenso wie das Erinnern an das Verbrechen im Rheinbacher Stadtpark am 26. Januar 1945 konnte auch der Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus nicht öffentlich begangen werden. Der Gedenktag findet in jedem Jahr am 27. Januar statt. Dieses Datum ist gewählt angesichts der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau am 27. Januar 1945. Auschwitz steht symbolhaft für den Terror und die Verbrechen des Nationalsozialismus.

Ludger Banken und Oliver Krauß bedauern sehr, dass in diesem Jahr ein öffentliches Gedenken im Lichthof des Rathauses nicht möglich war. Denn die Gedenkstunde soll und darf nicht bloße Geste von „ein paar Verantwortlichen aus Öffentlichkeit oder Politik“ sein. Sie soll vor allem mahnen und den Blick für kommende Gefahren schärfen. „Die Teilhabe junger Mitmenschen ist für das Bewahren der Erinnerungskultur entscheidende Voraussetzung. Es liegt uns sehr viel daran, im kommenden Jahr wieder die Schülerinnen und Schüler unserer Schulen einzubeziehen.“ In den zurückliegenden Jahren haben Schülerinnen und Schüler mit sehr sensibler und differenzierter Auseinandersetzung geholfen, die Erinnerung in Rheinbach wachzuhalten.

Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus

Ebenso betont Oliver Krauß, dass das Erinnern seinen Platz „in der menschlichen Mitte“ hat: „Es ist auf die Unterstützung der Vereine, der Kirchen, aller demokratischen Parteien, der Verbände, der und des Einzelnen angewiesen. Sie halten es in Rheinbach über die Jahre hinweg lebendig. Ich bin Bürgermeister Ludger Banken sehr verbunden, dass er das gemeinschaftliche Gedenken fortführt.“

Oliver Krauß weist anhand der Biografie von Edith Stein eindringlich darauf hin, wie unverzichtbar diese Auseinandersetzung namentlich im Angesicht von Antisemitismus und Irrationalismus ist, der „auch vor unseren Parlamenten nicht haltmacht“. Edith Stein, die im Jahr 1933 in das Karmeliterkloster in Köln-Lindenthal eintritt, hatte sich nur wenige Wochen nach der sogenannten „Machtergreifung“ an den damaligen Papst Pius XI. gewendet. Sie schreibt von den Taten, „die jeder Gerechtigkeit und Menschlichkeit […] Hohn sprechen“. Der „Jahre hindurch“ gepredigte „Judenhaß“, die „Saat des Hasses [ist] aufgegangen“. Dadurch, dass die „Regierung […] den Menschen wirtschaftliche Existenz, bürgerliche Ehre und ihr Vaterland“ nimmt, werden „viele zur Verzweiflung“ getrieben, schreibt Edith Stein: Es „sind mir in der letzten Woche […] fünf Fälle von Selbstmord infolge dieser Anfeindungen bekannt geworden. Ich bin überzeugt, dass es sich um eine allgemeine Erscheinung handelt, die noch viele Opfer fordern wird“. Die „Verantwortung fällt […] auf die, die sie so weit brachten. Und sie fällt auch auf die, die dazu schweigen.“

Oliver Krauß: „Das hat Edith Stein im Jahr 1933 geschrieben. Die Worte bezeichnen erschütternd, wie es angefangen hat, von wo der Holocaust ausging und wo die Schuld des Schweigens liegt. Diese Mahnung darf nie vergessen werden.“

Pressemitteilung

Stadt Rheinbach

Gedenken am Rathaus: Bürgermeister Ludger Banken (li.) und MdL Oliver Krauß.

Gedenken am Rathaus: Bürgermeister Ludger Banken (li.) und MdL Oliver Krauß.

Gedenken an den „Schwarzen Tag von Rheinbach“: v.l. Oliver Krauß, Ute Krupp, Ludger Banken und Peter Mohr.Fotos: Stadt Rheinbach

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